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Landratsamt stellt Stand der Dinge vor

So ist der Landkreis Rosenheim bei erneuerbaren Energien aufgestellt

Der Hausherr Otto Lederer begrüßt die Teilnehmer des Kommunalen Energieeffizienz-Netzwerkes im Landratsamt Rosenheim.
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Der Hausherr Otto Lederer begrüßt die Teilnehmer des Kommunalen Energieeffizienz-Netzwerkes im Landratsamt Rosenheim.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Wie weit ist der Landkreis Rosenheim bei der Umstellung auf erneuerbare Energien? Angesichts der aktuellen Lage stellt sich diese Frage mehr, denn je. Wir haben uns beim Landratsamt nach dem Stand der Dinge erkundigt.

Landkreis Rosenheim - „ 2018 wurde für den Landkreis Rosenheim ein Energiekonzept erstellt, im Rahmen eines größer angelegten Energiekonzepts für den Regionalen Planungsverband Südostoberbayern. Das größte Ausbaupotenzial für erneuerbare Energien bietet Photovoltaik und Solarthermie“, so Ina Krug, Pressesprecherin des Landratsamts Rosenheim, „Die tiefe Geothermie weist auch ein erhebliches Ausbaupotenzial auf, vor allem im nördlichen Landkreis im nicht alpinen Gelände, allerdings ist die Umsetzung solcher Anlagen um ein Vielfaches schwieriger. Dies auf Grund umfangreicher Projektplanungen, kostspieliger Probebohrungen, der Notwendigkeit von Berechnungen der Wirtschaftlichkeit die mit hohen Risiken verbunden sind und dass die Umsetzung einige Jahre dauert. Im Gegensatz dazu kann Solarenergie relativ leicht und durch viele unterschiedliche Akteure, sowohl Privatpersonen, Bürgerenergiegenossenschaften, Kommunen, Unternehmen, Landwirte und so weiter zugebaut werden.“

Wie ist der Landkreis Rosenheim bei Erneuerbaren Energien aufgestellt? - Landratsamt stellt Stand der Dinge vor

Bereits im Juni 2018 sei das Solarpotenzialkataster für die Bürger in Stadt und Landkreis Rosenheim eingeführt worden. „Dabei handelt es sich um einen Online-Service, anhand dessen jeder herausfinden kann, ob sich eine PV-Anlage auf dem eigenen Hausdach, ob Wohnhaus oder Betriebsgebäude, lohnt. Die detaillierte Berechnung kann dabei auf die unterschiedlichen individuellen Bedürfnisse angepasst werden, beispielsweise wie viele Personen leben im Haushalt? Mit oder ohne Stromspeicher? Soll ein E-Auto mit der PV-Anlage geladen werden? Gibt es eine Wärmepumpe? Wie sieht der eigene Stromverbrauch im Tagesverlauf typischerweise aus?“, führt Krug weiter aus.

Beispiele genossenschaftlicher, kommunaler und gewerblicher Projekte zum Ausbau der Photovoltaik (Aufzählung nicht vollständig):

  • Bürgerenergie Chiemgau eG: Genossenschaftsmodell, Installation von PV-Aufdach-Anlagen, überwiegend auf öffentlichen Gebäuden (kommunale Liegenschaften, beispielsweise in Babensham), auch Unternehmen (beispielsweise Raiffeisenbanken), Ausweitung auf PV-Freiflächenanlagen ist vorgesehen. Im Kreis Rosenheim gibt es mehrere Bürgerenergiegenossenschaften, die teilweise auch nur eine PV-Anlage betreiben.
  • PV-Freiflächenanlage in Großkarolinenfeld „Photovoltaik-Freiflächenanlage Vogl“
  • PV-Freiflächenanlage in Bernau am Chiemsee
  • Geplante PV-Freiflächenanlage in Urschalling, Prien am Chiemsee
  • Geplante PV-Freiflächenanlage in Hochstätt, Schechen
  • Geplante PV-Freiflächenanlage in Bad Feilnbach
  • Weitere Projekte für PV-Freiflächenanlagen sind vorgesehen und werden in den nächsten Jahren durchgeführt werden, genaue Standorte sind noch nicht definiert.

Weitere aktuell laufende Projekte zu erneuerbaren Energien, neben der Solarenergie, sind unter anderem:

  • Forschungsprojekt „Erler Wind“: Umfangreiche Messungen des Windphänomens im Inntal wurden bereits durchgeführt und ausgewertet; moderne Vermessung mittels Lidar-System, Messzeitraum über zwei Jahre, Zusammenarbeit zwischen TH Rosenheim und FH Kufstein; Ziel ist die wissenschaftliche Untersuchung hinsichtlich Potential, technische Umsetzungsmöglichkeiten und Wirtschaftlichkeit.
  • Machbarkeitsstudie Wasserstoff für Inntal-Rosenheim-Traunstein: Dabei geht es um Produktion, Verbrauch und Redundanz von H2 für verschiedene Sektoren: Logistik, Industrie (Zementwerk, Chemiefirmen), regionale Ver- und Entsorgung, Mobilität, private Haushalte u.a. im bayerischen und Tiroler Inntal über Rosenheim nach Traunstein mit dem Ziel den Eigenversorgungsgrad an Energie zu erhöhen. Der Fokus liegt auf der Erzeugung/Verwendung von „grünem“ Wasserstoff und einer regionalen Wertschöpfung.

„2021 wurde die Teilnahme des Landkreises Rosenheim am European Energy Award (eea) beschlossen. Seit Januar 2022 befindet sich das auf drei Jahre ausgelegte Projekt in der Umsetzung. Der eea ist ein Instrument zur Steuerung und Kontrolle der energie- und klimabezogenen Aufgaben und Projekte einer Kommune“, so Krug weiter. „Die eigenen Anstrengungen für den Klimaschutz werden messbar und vergleichbar. Dies ermöglicht ein zielgerichtetes und nachhaltiges Handeln. Es werden sechs Maßnahmenbereiche betrachtet: Entwicklungsplanung und Raumordnung, Kommunale Gebäude und Anlagen, Versorgung und Entsorgung, Mobilität, interne Organisation, Kommunikation und Kooperation.“ Als zentraler Akteur sei ein Energieteam, bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der verschiedenen Fachbereiche des Landratsames, gegründet worden. „Bei der Durchführung des European Energy Awards wird der Landkreis von einem akkreditierten eea-Berater unterstützt. Der Landkreis Rosenheim arbeitet hier mit dem Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV) zusammen.

Ist-Analyse zur Erfassung der Ausgangslage läuft, Initiative Energiezukunft seit 2012

Derzeit laufe die Ist-Analyse zur Erfassung der Ausgangslage. „Aufbauend auf die Ergebnisse der Ist-Analyse wird ein Stärken-/Schwächen-Profil für den Landkreis erstellt. Dabei geht es um Fragen wie ‚Was machen wir schon gut? Und wo ist es sinnvoll, noch mehr in Klimaschutz zu investieren?‘ Es wird ein energiepolitisches Arbeitsprogramm erarbeitet und beschlossen, anschließend werden die sich daraus ergebenden Maßnahmen umgesetzt. Das Projekt wird vom Freistaat Bayern gefördert.“ Im Rahmen des eea sei auch die Erstellung einer Energie- und Treibhausgas-Bilanz für den gesamten Landkreis Rosenheim vorgesehen. „Aktuell wird an der Datenerhebung gearbeitet und die vielen verschiedenen Beteiligten werden bezüglich der Übermittlung von Daten abgefragt.“ Hierfür würden die Daten des Jahres 2019 herangezogen, also die THG-Bilanz soll ohne durch Corona-Maßnahmen verzerrte Werte dargestellt werden. „Die Ergebnisse der Energie- und Treibhausgasbilanz werden im Laufe dieses Jahres vorliegen.“

Projekte für Erneuerbare Energien an öffentlichen Gebäuden (Auswahl):

OrtObjektHeizart
BrannenburgFörderzentrum Holzpellets
BruckmühlGymnasium Hackschnitzel
BruckmühlRealschuleHackschnitzelheizkraftwerk
Prien (In Planung)Förderzentrum (In Planung)Fernwärme mit Hackschnitzel (In Planung)
Prien GymnasiumBlockheizkraftwerk
RiederingBauhofHackschnitzel
Rosenheim (In Planung)FOS/BOS (In Planung)Fernwärme (In Planung)
RosenheimLandratsamt DienstgebäudeFernwärme
WasserburgGymnasiumHackschnitzel
WasserburgRealschuleBlockheizkraftwerk

Um die Energiewende und den Klimaschutz in der Region voranzutreiben, sei schon 2012 die Initiative Energiezukunft Rosenheim, kurz ezro, gegründet worden. „In ihr wirken die Stadt und der Landkreis Rosenheim, die Technische Hochschule Rosenheim, sowie öffentliche, privatwirtschaftliche und private Akteure mit.“ Mit vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen vernetze diese Initiative die regionalen Akteure, erstrebe eine nachhaltige Nutzung von Energie in Stadt und Landkreis Rosenheim, leiste Beiträge zu erfolgreichem Klimaschutz und stelle Kommunen, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürgern Informationen zur Verfügung. „Die ezro ist dabei in den Bereichen Landwirtschaft, Kommunen, nachhaltige Mobilität, Gebäude, Gewerbe und Bürgerenergie-Initiativen aktiv. Unter anderem werden Energieberatungstage angeboten, diverse Informationsveranstaltungen und Vernetzungstreffen organisiert, jährlich wird im Rahmen der Rosenheimer und Traunsteiner Wohnspartage eine Busfahrt zur Besichtigung von Passivhäusern durchgeführt und auch Unternehmen können sich austauschen und aktiv einbringen, beispielsweise bei der Veranstaltungsreihe ‚Energieeffizienz in Unternehmen‘.“

Viele Gemeinden haben inzwischen Klimaschutzmanager, Nachhaltigkeitsbeauftragte oder Energiereferenten

Weiterhin zu nennen sei das Kommunale Energieeffizienz-Netzwerk Rosenheim-Traunstein. „Aktuell sind darin elf Kommunen des Landkreises Rosenheim zusammengeschlossen. Ziel des Kommunalen Energieeffizienz-Netzwerkes ist es, Maßnahmen zur Einsparung von Energie und Treibhausgasemissionen umzusetzen und so Kosten und Emissionen einzusparen, wie beispielsweise die Umrüstung der Beleuchtung auf LED, die Installation von PV-Anlagen, der Aufbau von Wärmenetzen, Blockheizkraftwerke, Dämmmaßnahmen und so weiter“, berichtet Krug, „Auch profitieren die teilnehmenden Kommunen vom gegenseitigen fachlichen Erfahrungsaustausch. Das Projekt begann bereits im Sommer 2020 und läuft insgesamt drei Jahre. Die Kommunen befinden sich aktuell in der Umsetzungsphase der vorgesehenen Einsparmaßnahmen. Koordiniert wird das Energieeffizienz-Netzwerk vom Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV).“

Photovoltaikanlagen:

  • Bestand: Brannenburg Förderschule, Bruckmühl Gymnasium und Realschule, Eiselfing Kompostieranlage Aham, Prien Gymnasium und Realschule, Rosenheim FOS/BOS (derzeit kleine Anlage) sowie Landratsamt Erweiterungsgebäude und Wittelsbacherstraße 55 (ehem. Jugendamt), Wasserburg am Inn Realschule.
  • In Bau: Berufsschule Wasserburg am Inn
  • Geplant: Bad Aibling, Realschule, Bruckmühl Turnhalle Gymnasium für Sommer 2022, Erweiterung Rosenheim FOS/BOS im Zuge der laufenden Baumaßnahme, Landratsamt Hauptgebäude im Zuge der Sanierung; untersucht wird außerdem Raubling Gymnasium.

Immer mehr Kommunen im Landkreis Rosenheim würden außerdem einen Klimaschutzmanager einstellen, wie beispielsweise Bad Endorf oder Bad Aibling. „Alternativ werden Nachhaltigkeitsbeauftrage oder Energiereferenten benannt, wie beispielsweise in Babensham, in Rott am Inn oder in Rimsting. Unter anderem kümmern sie sich um die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes oder Nachhaltigkeitsberichts, um das Energiemanagement der kommunalen Liegenschaften, um die Durchführung von Infoveranstaltungen und Aktionen, sie nehmen Stellung zu den Beschlussvorlagen der kommunalen Gremien und sie begleiten investive Projekte in der Umsetzung“, berichtet Krug. „Über die Energiezukunft Rosenheim und regelmäßigen Treffen der regionalen Klimaschutzbeauftragten sind sie untereinander gut vernetzt und profitieren vom gegenseitigen Austausch und der Durchführung gemeinsamer Aktionen.“

Radwegeverkehrskonzept in Arbeit, Fortschritte bei E-Mobilität und Renaturierung von Mooren

Aktuell befinde sich außerdem ein Radverkehrskonzept für den Landkreis Rosenheim in Erstellung. „Dabei wird ein Leitsystem für ein sogenanntes Alltagsradnetz erarbeitet, welches entsprechend beschildert werden soll. Bereits 1.038 Kilometer sind im Landkreis fahrradtauglich. Auf 25 Kilometern des Radnetzes, meist Wald- und Feldwege, müssen Schlaglöcher gefüllt und der Belag aufbereitet werden. Zudem werden rund 164 Kilometer, die überwiegend touristisch oder in der Freizeit genutzt werden, neu beschildert“, so Krug, „Ein Problem sind diejenigen Radwege, die nicht im vorhandenen Streckennetz integriert werden können. Radfahrende sind hier gezwungen, am Ende des Radweges auf eine Straße auszuweichen. Knapp 190 Kilometer Radwege müssten im Landkreis neu gebaut werden, um diese Lücken im Radwegenetz zu schließen. Hauptsächlich betroffen sind hier Kreis- und Staatsstraßen.“

Ladesäulen:

  • Bestand: Bad Aibling Berufsschule, Brannenburg Förderzentrum, Rosenheim Berufsschule I und Landratsamt (zwei Standorte);
    Geplant: Zehn weitere Standorte, Förderverfahren und Ausschreibungsverfahren laufen

Schrittweise etabliere sich außerdem die Elektromobilität im Landkreis Rosenheim. „Einige Kommunen bieten bereits ein oder zwei Fahrzeuge für ein kommunales E-Carsharing an, wie beispielsweise Prien, Wasserburg, Oberaudorf, aber auch zukünftig Stephanskirchen und Raubling. Auch im Landratsamt Rosenheim stehen fünf elektrische Fahrzeuge als Dienstautos zur Verfügung“, erläutert die Landratsamts-Sprecherin. „Vor dem Landratsamt gibt es öffentlich zugängliche E-Ladestationen. Die Möglichkeiten der Umstellung von kommunalen Sonderfahrzeugen, wie beispielsweise der Müllabfuhr, auf Elektro- oder Wasserstoffantrieb werden laufend geprüft, konnten aber noch nicht umgesetzt werden; in der Regel aufgrund mangelnder Verfügbarkeit der benötigten Fahrzeugmodelle.“

Der Landkreis engagiere sich zudem seit über 20 Jahren bei der Renaturierung von Mooren, schließt Krug ihren Bericht. „So konnten bisher rund 770 Hektar Moore renaturiert werden. Planungen für weitere Projekte laufen“, so die Sprecherin, „Ein intaktes Hochmoor speichert rund 15 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr, indem der Kohlenstoff in die Biomasse der Torfmoose und anderer nicht verrottender Pflanzen gebunden bleibt, die unter dem Moorwasserspiegel liegen.“

hs

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