„Eine mittlere Katastrophe“

Corona-Zwangspause für Skigebiete in der Region? Betreiber haben Angst vor einer Schließung

Sudelfeld
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Die Schneekanonen am Sudelfeld stehen still. Und die Lifte auch. Und das vielleicht noch länger, als dem Betreiber lieb sein dürfte.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat angekündigt, alle Skigebiete bis zum 10. Januar 2021 schließen zu wollen. Die Freizeitbranche aus dem Raum Rosenheim reagiert bestürzt auf die drohende Pistensperre und befürchtet weitreichende Folgen.

Rosenheim/Bayrischzell – Kein Skibetrieb bis zum 10. Januar. Das brachte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder als europaweite Corona-Maßnahme ins Gespräch. Eine Hiobsbotschaft für die Liftbetreiber, Tourismusverbände und Skiklubs der Region, die sich bereits mit diversen Hygienekonzepten auf den kommenden Winter vorbereitet haben. Sie reagieren mit Unverständnis auf die geplanten Beschränkungen.

Skiliftbetreiber sind fasssungslos

„Eine mittlere Katastrophe“, nennt es Egid Stadler, der Geschäftsführer der Bergbahnen Sudelfeld. Er hat das Beschneien des beliebten Skigebiets am vergangen Freitag gestartet, seine Maschinen aber aufgrund der unsicheren Lage bereits wieder ausgeschaltet. „Wenn wir tatsächlich die ganzen Weihnachtsferien schließen müssen, würde das einen Ausfall von gut 30 Prozent des gesamten Umsatzes ausmachen.“ Ein Verlust, der in keiner Weise kompensiert werden könne.

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Unverständnis bei den Liftbetreibern

Ein ähnlicher Ausfall käme auch auf die Betreiber der Kampenwandbahn zu. Leiter Eric Zbil kann die geplante Maßnahme für die bayerischen Skigebiete daher nicht nachvollziehen. Er sieht das Infektionsrisiko bei einer Sportart im Freien sehr gering. Zumal man auch im Sommer aufgrund des ausgearbeiteten Hygienekonzepts keine erhöhten Fallzahlen feststellen konnte. Den Betrieb im Winter zu verbieten sei absolut unbegründet.

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Schockiert ist man in Reit im Winkl über die europaweit einheitlich geplante Regelung. „Die riesigen Apres-Ski-Party- und Ballermannregionen in Österreich kann man niemals mit unseren kleinen Liften an der Winklmoosalm vergleichen“, meint Florian Weindl, Leiter der Touristeninformation Reit im Winkl. Er ist verärgert über die starken Eingriffe in die Freizeitbranche und plant weiterhin, zumindest die im Ortskern verbreiterten Langlaufloipen und die Schneeschuh-Wanderwege zu präparieren, sobald genügend Schnee vorhanden ist.

Maßnahme würde die ganze Branche treffen

Sorgen über deutlich weniger Urlauber macht man sich an der Hocheckbahn in Oberaudorf. Die dortige Tourismusbüro-Leiterin Teresa Funk fürchtet die weitereichenden Folgen einer möglichen Sperrung. „Für uns kommt jetzt die wichtigste Zeit im Jahr. Wenn da die Pisten zu gemacht werden müssen, ist das natürlich fatal, da dann deutlich weniger Touristen zu uns kommen.“

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Längerfristige Problemen für die gesamte Region befürchtet auch Christina Pfaffinger. Die Geschäftsführerin des Chiemsee-Alpenland Tourismus sieht zahlreiche Schicksalsschläge auf alle Arbeiter in der gesamten Branche zukommen. Sei es Liftbetreiber, Wirte oder Hotelanbieter. Außerdem befürchtet sie, dass die Schließung der Wintergebiete dazu führt, dass sich viele Leute auf eigene Faust auf nicht präparierte Pisten begeben. „Die Menschen wollen schließlich trotzdem raus an die frische Luft und gefährden sich ohne die Kanalisierung durch die Skilifte selbst.“

Skifahrer wissen nicht mehr weiter

Eine gewisse Ratlosigkeit über die kommende Wintersaison herrscht beim Skiclub Aising-Pang. „Wir konnten uns bisher mit Online-Fitness-Training einigermaßen über die Zeit retten“, berichtet Vorstandsmitglied Torsten Meyer. „Wenn wir jetzt bis Januar nicht auf die Piste dürfen, ist die Saison mehr oder weniger gelaufen.“ Gut 50 ambitionierte Nachwuchshoffnungen sitzen demnach zurzeit auf dem Trockenen. Zudem drohen auch die seit langen geplanten Skikurse auszufallen.

Nur zwei Skigebiete bleiben bisher gelassen und warten die aktuelle Entwicklung erst einmal ab. An der Hochfellnbahn in Bergen werden notwendigen Renovierungsmaßnahmen, die ursprünglich erst im Frühjahr stattfinden sollten, durchgeführt. Der Betrieb ist laut dem Marketing-Leiter Wolfgang Helldobler daher sowieso erst wieder ab Anfang Januar möglich. Bis dahin könne man auf die Reserven der guten Sommersaison zurückgreifen.

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In Sachrang wartet man dagegen seit jeher auf Naturschnee, bevor die vereinzelten Lifte dort aktiviert werden. Corinna Sperger vom Tourismusbüro Aschau rechnet erfahrungsgemäß ohnehin erst im Januar mit Skifahrern und hofft, bis dahin ihr übliches Langlaufangebot durchführen zu können. Dafür werden dort, ähnlich zu den Vorsichtsmaßnahmen in Reit im Winkl, die Loipen etwas weiter auseinandergezogen.

Die dortige Gelassenheit kann sich Egid Stadler am Sudelfeld nicht leisten. Er muss darauf bauen, dass sich die zusätzlichen Ausgaben für das konzipierte Hygienekonzept in diesem Winter doch noch auszahlen, um „wenigstens ab Januar einen geregelten Skibetrieb zu gewährleisten.“

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