Vom Simssee in die Klinik: Was hat bei Luca (8) den heftigen Ausschlag ausgelöst?

Getrübtes Vergnügen: Während dieses Paar am Dienstag den Blick über den Simssee genießt, entfernen Fachleute Larven und Gespinste des Eichenprozessionsspinners. Und im See schwimmen Burgunderblutalgen.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Strahlender Sonnenschein – was gibt es da Schöneres, als mit Opa zum Baden zu gehen? Hans Freiberger schnappte sich am Freitag seine vier Enkelkinder und zog los zum Badeplatz in Pietzing am Simssee. Einen Tag später landete der achtjährige Luca im Romed-Klinikum.

Riedering-Pietzing – „Am Freitag hat der Bua nichts gesagt“, erzählt sein Opa, „aber meine Tochter hat am Samstag, als sie die Kinder abholte, gleich gemerkt, dass mit ihm was nicht stimmt.“ Was nicht stimmte: Der Achtjährige hat einen heftig juckenden roten Ausschlag. Den sein Großvater beim Zeckenkontrollblick nicht sah. Und von dem Luca nichts sagte. Vielleicht, weil er ein wenig gschamig war: der Ausschlag breitete sich unter der Unterhose aus.

Beim spielen an Eichenprozessionsspinner geraten?

Also ab in die Rosenheimer Kinderklinik. Dort bekam Luca ein starkes Antihistaminikum, dass den Juckreiz lindern und den Ausschlag zurückgehen lassen sollte. Vergeblich. Bis Montag war es nicht besser, Seine Mutter ging mit ihrem Luca daheim zum Kinderarzt, der Kortison verschrieb.

Der Verdacht: Luca war beim Herumtoben mit seinem älteren Bruder am Badesteg und an der Wasserwachthütte in Pietzing mit Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners in Berührung gekommen. Diese sondern einen Eiweißbaustein ab, der zu heftigem Ausschlag führen kann, beim Einatmen sogar zu asthmatischen Anfällen.

Keine Warnschilder gesehen

Was Opa Hans Freiberger missfällt: Es ist Sommer, es ist warm, es ist Wochenende, es ist bekannt, dass im Riederinger Gemeindegebiet starker Befall von Eichenprozessionsspinnern ist – und am Badeplatz in Pietzing, Gemeinde Riedering, sieht er kein einziges Warnschild. „Ich laufe mit offenen Augen durch die Gegend, gerade wenn ich meine vier Enkelkinder dabei habe, aber ein Hinweisschild habe ich nicht gesehen. Und das wäre schon gut. Denn das Landratsamt wusste ja schon vor dem Wochenende von den Eichenprozessionsspinnern“, so Hans Freiberger.

Wusste es. Deswegen seien auch schon am 5. Juni an allen betroffenen Eichen Warnschilder – „im DIN A4 Querformat“, präzisiert Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes –, angebracht worden. Direkt unter der Krone befallener Bäume solle man sich nicht aufhalten, die Raupen und deren Gespinste keinesfalls anfassen, heißt es auf den Schildern.

Brennhärchen überleben jahrelang

Wobei das nur bedingt hilft, denn die feinen Härchen fliegen mit jedem Lufthauch mit – und nach Angaben von Experten sind sie sehr zählebig, können bis zu zehn Jahre ihr Gift verteilen. „Die Leute, die am Dienstag, 30. Juni, die Bäume absaugen, tragen nicht umsonst vollen Schutzanzug“, sagt Ina Krug, Sprecherin des Landratsamtes. Und weil das Landratsamt um die unangenehmen Folgen für Menschen weiß, werden am Badeplatz in Pietzing die Eichen regelmäßig abgesaugt.

Opa und Enkel hielten Abstand

Ob Luca allerdings tatsächlich mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners in Berührung kam oder nicht, das ist nicht erwiesen. Denn die Opa-Enkel-Gruppe logierte in gebührendem Abstand zu befallenen Eichen. Wie Hans Freiberger feststellte, als er sich am Dienstag die Absaugaktion ansah.

Allerdings gibt es im Simssee aktuell noch eine zweite Gefahrenquelle für Badende und Schwimmer: Die Burgunderblutalge. „Da haben wir zur Zeit massiven Befall, gerade auch in diesem Teil des Simssees“, sagt Jürgen Obermaier, stellvertretender Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Simssee. Das sei zwar bei Wassertemperaturen an die 20 Grad sehr ungewöhnlich, aber dennoch der Fall.

Blutalgen für Tiere tödlich

Auch der Kontakt mit den Burgunderblutalgen kann heftige Hautreizungen sowie Übelkeit bis hin zum Erbrechen, in seltenen Fällen sogar Leberschäden verursachen. Für Pferde und Hunde, die algenverseuchtes Wasser trinken, können die Folgen laut Obermaier sogar tödlich sein. Die Burgunderblutalgen sind aber – im Gegensatz zu den feinen Brennhärchen des Eichenprozessionsspinners – gut zu sehen, weil sie das Wasser rötlich färben.

Achtjähriger muss noch durchhalten

Ob es nun die Eichenprozessionsspinner waren oder die Burgunderblutalge oder womöglich eine allergische Reaktion auf die Badehose, Luca hat noch eine Weile etwas von dem Besuch am Badeplatz. Sieben bis zehn Tage muss der Achtjährige nach Aussage seines Kinderarztes den juckenden Ausschlag an unangenehmster Stelle trotz Kortison noch ertragen.

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