Für selbstbestimmtes Leben im Alter

5000 Senioren werden in den kommenden Wochen Post vom Landratsamt erhalten. Inhalt: Ein Fragebogen. Damit soll ermittelt werden, wie Menschen ab 60 Jahren sich ein glückliches und erfülltes Leben vorstellen. Mit dieser Befragung startet die "heiße Phase" der Entwicklung eines seniorenpolitischen Gesamtkonzepts für den Landkreis Rosenheim.

Landkreis - Der Anteil der Menschen ab 60 Jahren wird neuesten Statistiken zufolge von derzeit gut 25 Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahre auf beinahe 30 Prozent der Gesamtbevölkerung ansteigen. Das entspricht einer Zunahme von annähernd 12 000 Senioren im Landkreis Rosenheim.

"Auf diese Tatsache muss man sich einstellen", betonte Landrat Josef Neiderhell bei einem Pressegespräch im Landratsamt, bei dem die Notwendigkeit eines seniorenpolitischen Gesamtkonzepts begründet wurde. In Auftrag gegeben wurde das Konzept im November 2010. Im Landratsamt beschäftigt sich damit nun der Sozialplaner Jürgen Laupheimer. Zudem wurde eine Steuerungsgruppe eingerichtet, die aus Vertretern von Kreis- und Gemeindepolitik, freier Wohlfahrtspflege, Kreisverwaltung, Altenhilfeeinrichtungen und Edda Gorzel, Seniorenbeauftragte des Landkreises, besteht.

Edda Gorzel ist selbst Seniorin und weiß darum gut, was sich ältere Menschen für ihr Leben wünschen. Eine Patentlösung gäbe es dafür aber nie. Die Senioren würden ebenso aus individuellen Persönlichkeiten bestehen wie alle anderen Altersgruppen auch. Dementsprechend unterschiedlich seien die Lebensvorstellungen. Doch bei einem Punkt herrsche weitgehend Einigkeit: "Ältere Menschen wollen ein selbstbestimmtes Leben führen."

Senioren sei es wichtig, ihr Mitbestimmungsrecht zu behalten. Alternative Wohnformen würden sich darum immer größerer Beliebtheit erfreuen: "Die einen wollen mit Gleichgesinnten in einem Haus wohnen, andere bevorzugen ein Leben mit mehreren Generationen unter einem Dach."

Nach Einschätzung der Seniorenbeauftragten wollen die meisten Menschen solange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Betreutes Wohnen nehme darum einen immer höheren Stellenwert ein. Angebote für Menschen ab 60 Jahren gäbe es im Landkreis schon zahlreiche, allerdings: "Vielen Senioren fehlt darüber das Wissen."

Auf was es Senioren ankommt

Um den Wünschen und Bedürfnissen der älteren Menschen in Zukunft noch besser gerecht zu werden, soll nun zunächst eine Befragung zeigen, auf was es den Senioren eigentlich ankommt und wie sie ihre derzeitige Lebenssituation bewerten. Der Fragebogen beinhaltet Bereiche wie etwa Mobilität, gesellschaftliches Leben, familiäre Verhältnisse und ehrenamtliches Engagement.

Die Befragung soll nach den Worten von Sozialplaner Jürgen Laupheimer zunächst der Bestandsaufnahme dienen, doch auch darüber hinaus gehen: "Wir wollen damit auch Qualität und Quantität der Angebote für Senioren im Landkreis bewerten und dann Maßnahmen zur Verbesserung vorschlagen."

Neben den 5000 Senioren werden auch die kreisangehörigen Gemeinden befragt. Ziel ist es dabei, örtliche Aktivitäten zur Seniorenarbeit zu erfassen und eine Einschätzung über die Lebens- und Versorgungssituation älterer Menschen zu erhalten.

Auch auf die Kenntnisse und Erfahrungen der ambulanten Pflegedienste, Sozialstationen und stationären Altenhilfeeinrichtungen möchte das Planungsteam zurückgreifen. Außerdem findet ein eintägiger Workshop mit dem Titel "Alt sein und alt werden im Landkreis" statt. Daran teilnehmen werden Vertreter der Kreis- und Gemeindepolitik, aktive Senioren, ehrenamtlich Engagierte und hauptamtliche Fachleute der Altenhilfe. Zusammen sollen sie ebenfalls Bestandsbewertungen und Maßnahmenvorschläge erarbeiten.

Alles zusammen fließt in das seniorenpolitische Gesamtkonzept ein. Es soll als Grundstein für eine zukunftsorientierte, nachhaltige und moderne Seniorenpolitik im Landkreis Rosenheim dienen und in den Gemeinden helfen, Umsetzungsprozesse in Gang zu bringen.

Nach Fertigstellung soll das Konzept im November diesen Jahres dem Kreistag vorgestellt und durch diesen beschlossen werden. Danach liegt es an den Gemeinden, welche Punkte sie in die Tat umsetzen wollen und finanziell können. wu

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