Neues Leben für wichtige Rohstoffe 

Wer seine Getränkekartons richtig entsorgt, hilft in Raubling beim recyceln – so geht's

Das Bild zeigt die Geschäftsführer der Raubling Papier GmbH, Thomas Schneider (links) und Dr. Maximilian Luger. 
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Die Nachfrage nach Papierverpackungen steigt – Onlinehandel sei Dank. Davon profitiert die Papierfabrik in Raubling. Fürs Recyceln ist sie auf Rohstoffe und sorgsame Verbraucher angewiesen. 

Raubling – Die Küchenschränke, bei einem großen schwedischen Möbelhaus gekauft, sind aufgebaut. Übrig bleiben große, braune und besonders stabile Kartons aus Wellpappe. Woran der Küchenbesitzer kaum einen Gedanken verschwenden wird: Er faltet gerade ein echtes Recyclingprodukt zusammen. Wird es fachgerecht entsorgt, kann es bis zu sieben Mal ein neues Leben als Wellpappekarton antreten. 

Hat man die Küche bei Ikea gekauft oder den Flachbildschirm bei Media Markt, um nur zwei Beispiele zu nennen, ist möglicherweise die Papierfabrik in Raubling der Produzent des Wellpappenrohpapiers, aus dem solche Umverpackungen gemacht werden. 

Altpapier ist der wichtigste Rohstoff am Standort mit seiner über 100-jährigen Tradition in der Papierherstellung, 180 000 Tonnen davon werden laut den Geschäftsführern Thomas Schneider und Dr. Maximilian Luger jährlich in Raubling verwertet. 

Wichtigste Rohstoffe: Altpapier und Tetrapaks 

Um diesen Bedarf teils vor Ort zu decken, betreibt die Mutterfirma, die Heinzel-Gruppe, am Standort Raubling eine Altpapiersammelgesellschaft mit Sortieranlage für Altpapier, die Chiemgau Recycling GmbH. Auch aus anderen Teilen Europas bezieht man den Rohstoff. Der zweite wichtige Rohstoff sind Getränkekartons, von denen man jährlich 60 000 Tonnen verwertet. Zum Vergleich: In Deutschland werden jedes Jahr 130 000 Tonnen solcher Kartons gesammelt. 

„Die Flüssigkartons werden bei uns gereinigt und sortenrein in ihre Bestandteile zerlegt, in Papierfasern, Aluminium und Polyethylen“, führt Maximilian Luger an. Nur zwei Unternehmen in Deutschland haben die technischen Möglichkeiten für diesen aufwendigen Prozess und um die Bestandteile in den Wiederverwertungskreislauf zuzuführen; die Raubling Papier GmbH ist einer davon. 

Getränkekartons zur Weiterverwertung richtig entsorgen 

Damit Getränkekartons – umgangssprachlich auch oft Tetrapaks genannt, doch dabei handelt es sich um eine Marke des Unternehmens Tetrapak – überhaupt wiederverwertet werden können, ist ihre fachgerechte Entsorgung nötig. Die Verbundverpackung aus Pappe, Kunststoff und Metall gehört daher nicht in den Restmüll, so die Verbraucherzentrale Bayern. Auch nicht ins Papier. Verbraucher sollen sie über die Gelbe Tonne oder den gelben Sack entsorgen. Dieses System wurde in Stadt und Landkreis Rosenheim allerdings nicht eingeführt, so Ralf Seeburger vom Rosenheimer Umwelt- und Gründflächenamt. „Die Kommunen entscheiden selbst darüber, welches Entsorgungssystem sie ihren Bürgern anbieten.“ 

In der Region Rosenheim gelte das Bringsystem: Verbraucher können ihre Getränkekartons in entsprechenden Containern für Leichtverpackungen am Bauhof und den rund 80 Wertstoffinseln selbst entsorgen. Die Kartons müssten vorher nicht gespült werden, „löffelrein“ genügt: Also ohne Milch- oder Saftreste. Wer die leere Verpackung auch noch platt drücke und falte, trage zum Platzsparen in den Containern bei. 

Jeder Karton zählt dabei: Laut Umweltexperten wird nur jeder dritte Getränkekarton in Deutschland recycelt.

Bestandteile finden vielfältige Verwendung 

Für die Erzeugung der Wellpappenrohpapiere werden in Raubling nur die Zellfasern der Milch- oder Saftkartons benötigt; dennoch werde kein Rohstoff verschwendet, so Maximilian Luger. Aluminium und PE gingen ans Rohrdorfer Zementwerk, wo es als Brennstoff jährlich rund 15 000 Tonnen Kohle ersetzten. Diese Partnerschaft funktioniere gut, bestätigt Anton Bartinger, Technischer Leiter im Zementwerk. Die brennbaren Bestandteile der zerlegten Getränkekartons würden zur Energieerzeugung im Drehofen verwendet, „außerdem ist das Aluminium eines der Hauptelemente von im Ofen gebranntem Klinker“. 

Das Zementwerk könne seinen Aluminiumbedarf gar nicht zur Gänze aus den eignen Gesteinen decken. Um einen stetig wachsenden Bedarf dreht sich auch in Raubling alles: Während weltweit als Folge des zunehmenden Onlinehandels und der Digitalisierung die Nachfrage an „normalem“ Papier sinkt, der Bedarf an Versandkartons aber steigt, befindet sich die Verpackungsindustrie international auf einem Höhenflug. 

Allein China produziert laut Thomas Schneider jährlich rund 115 Millionen Tonnen Papier, davon rund 72 Millionen Tonnen Verpackungspapiere. „Indien holt gerade rasant auf, wobei aber auch das Recycling vermehrt in den Ländern selbst stattfindet“, beschreibt Schneider einen neuen Prozess, der auch die Branche hierzulande beeinflusst: China importiert verstärkt sortenreines Altpapier, hat seine Richtlinien verschärft – und in der EU hat sich der Altpapiermarkt nun wieder entspannt. 

Stabile Wellpappekartons gibt es ein- und mehrlagig, je nachdem, wie schwer und unhandlich das Transportgut ist. „In den Umverpackungen, die mit unseren Wellpapperohpapieren hergestellt werden, transportieren etwa Fahrzeugbauer ihre Motoren“, erzählt Thomas Schneider. Die Kartons mit dem gewellten Innenleben – wie ein Sandwich besteht so ein Karton aus einer glatten Schicht, gewellter Pappe und wieder einer ebenen Kartonfläche – müssten so steif sein, dass man darauf sitzen könne. Zwei riesige Papiermaschinen bringen die „perfekte Welle“ ins recycelte Rohpapier. 

Das Wellpappenrohpapier erfüllt am Ende auch Anforderungen wie etwa Transport und Lagerung in feuchter und kalter Umgebung. 

Benötigte Energie wird selbst erzeugt 

Die Umwelt stehe bei der Produktion am Standort im Mittelpunkt, erklärt Maximilian Luger. „Unsere Maschinen laufen 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.“ „Unsere gesamte benötigte Energie, Wärme und Strom, erzeugen wir selbst.“ 

Etwa mit werksintern erzeugtem Biogas. Zudem versorgt man auch die benachbarten Industriebetriebe mit Energie. Das im Herstellungsprozess verwendete Wasser aus dem Inn wird in einer mehrstufigen, biologischen Abwasserreinigungsanlage aufbereitet und unter strengsten gesetzlichen Auflagen gereinigt wieder in den Fluss zurückgeleitet. „Wir haben das Ziel, Ressourcen nicht nur nachhaltig zu nutzen, sondern noch weiter einzusparen und uns dadurch optimal auf künftige umweltpolitische Herausforderungen einzustellen“, schließen Luger und Schneider.

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