Unfall an Bahnübergang

Schutzengel aus dem Mangfalltal: So retteten zwei Frauen einem Bad Aiblinger (81) das Leben

An diesem Bahnübergang an der Lindenstraße in Bad Aibling haben Lisa Lang (links) und Julia Fuchs dem 81-jährigen Bad Aiblinger das Leben gerettet.
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An diesem Bahnübergang an der Lindenstraße in Bad Aibling haben Lisa Lang (links) und Julia Fuchs dem 81-jährigen Bad Aiblinger das Leben gerettet.
  • Mathias Weinzierl
    vonMathias Weinzierl
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Einen Radiosender einstellen, ein Telefonat führen oder eine Adresse im Navi eingeben – es gibt viele Dinge, die Verkehrsteilnehmer machen, wenn sie an einem geschlossenen Bahnübergang warten müssen. Oder einfach ein Leben retten – so wie es zwei Frauen aus dem Mangfalltal gemacht haben.

Bad Aibling/Bruckmühl – Für Lisa Lang (31), junge Mutter aus Bruckmühl, war es zunächst eine nahezu alltägliche Situation. Gegen 15.15 Uhr war sie mit ihrem Auto auf der Lindenstraße in der Kurstadt unterwegs. Die dortige Bahnschranke hatte sich nach einem Zug gerade erst wieder geöffnet, als nach nur wenigen Fahrzeugen das Signallicht erneut zu Blinken begann und sich die Schranke langsam vor ihrem Fahrzeug senkte.

Mit dem Rollator am Bahnübergang

Dabei fiel ihr ein älterer Herr ins Auge, der mit seinem Rollator gerade dabei war, den Bahnübergang zu überqueren. „Ich habe in dem Moment gedacht, dass das für den Mann ganz schön knapp werden könnte“, erinnert sich die 31-Jährige. Nur wenige Sekunden später wurden ihre Befürchtungen dann Wirklichkeit.

Denn der 81-Jährige Bad Aiblinger hatte den Bahnübergang fast überquert, als ihn die Bahnschranke mit voller Wucht am Kopf und im Schulterbereich traf. Der Mann, der sich mit seinen Armen auf dem Rollator abgestützt hatte, versuchte nun verzweifelt aber vergeblich, sich aus seinem Gefängnis zu befreien.

„Ich habe keine Sekunden nachgedacht und bin einfach losgelaufen“, schildert Lisa Lang gegenüber den OVB-Heimatzeitungen ihre schnelle Reaktion auf das Missgeschick des Mannes. „Als ich bei dem Mann angekommen bin, hat er ständig die Worte ,Jetzt hätte mich die Schranke fast erschlagen‘ wiederholt.“

Radlerin aus Bad Aibling reagiert sofort

Auch eine Radfahrerin aus Bad Aibling, die 32-jährige Julia Fuchs, hatte die brenzlige Situation bemerkt – und sofort reagiert. „Ich bin, mit meiner Hand noch am Lenker meins Fahrrads, im Zickzack um die Schranken gekurvt, um den Mann zu erreichen“, berichtet die 32-Jährige, die nach eigenen Angaben „erst einen Tag später“ darüber nachgedacht hat, dass sie sich durch die Hilfeleistung auch selbst in Gefahr hätte bringen können.

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Mit großer Kraftanstrengung und unter der Mithilfe drei weiterer Passanten schafften es die Frauen schließlich, die Schranke so weit hochzuheben, dass der Mann befreit und aus dem Gefahrenbereich gebracht werden konnte. „Die Schranke war unheimlich schwer. Zu Zweit hätten wir das nie geschafft“, ist sich Fuchs sicher.

Doch durch die gemeinsamen Anstregungen der Helfer konnten sie dem 81-Jährigen wohl letztlich sogar das Leben retten. „Er stand zwar nicht direkt auf den Gleisen“, erinnert sich Lang, „aber man hat ja oft schon gehört, welche fatalen Auswirkungen der Sog eines vorbeifahrenden Zuges haben kann.“ Eine Gefahr, die nur kurze Zeit nach der Rettung Wirklichkeit geworden wäre. „Vielleicht eine Minute später ist dann wirklich der Zug an uns vorbeigefahren“, so Lang.

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Da hatten die beiden Frauen den Mann allerdings schon auf einem Bankerl an der Lindenstraße in Sicherheit gebracht. „Er hatte zwar nur langsame Trippelschritte gemacht, konnte aber von sich aus gehen“, erinnert sich Fuchs. „Der Mann stand sichtlich unter Schock“, weiß Lang zu berichten, schwere Verletzungen habe er sich offensichtlich aber nicht zugezogen. Lang: „Er hat nur über Schmerzen in der Schulter geklagt.“ Die beiden Frauen blieben dann bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes bei dem 81-Jährigen. Nach einer medizinischen Begutachtung konnte er laut Polizei von seiner Ehefrau abgeholt werden.

Viel Lob von der Polizei

Für ihren selbstlosen Einsatz bekamen die weiblichen Schutzengel des Mannes mittlerweile viel Lob, beispielsweise von der Polizei Bad Aibling. „Durch das couragierte Verhalten der beiden Frauen konnte glücklicherweise Schlimmeres verhindert werden“, äußerte sich ein Sprecher zu dem Vorfall.

Für die Frauen eine Selbstverständlichkeit

Das „couragierte Verhalten“ – für die beiden Frauen allerdings eine Selbstverständlichkeit: „Es ist doch ganz normal, dass man Menschen in Notsituationen hilft“, findet Lisa Lang. Und Julia Fuchs ergänzt: „Gerade bei älteren Menschen habe ich eigentlich immer das Bedürfnis, zu helfen.“ Daher ist für beide auch klar: „Wir würden immer wieder so reagieren.“

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