Schulschließungen wegen Coronavirus: Eltern stehen vor großen Herausforderungen

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Kein Unterricht: So wird es ab Montag bis nach den Osterferien in den Schulen Bayerns aussehen.
  • Rosi Gantner
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Das Coronavirus greift weiter um sich: Vier Personen aus dem Landkreis Rosenheim wurden neuerlich positiv getestet, womit sich die Zahl der Infizierten auf 17 erhöht. Eine Herausforderung für die Eltern ist zudem der Vorstoß der Staatsregierung, Schulen und Kitas ab Montag zu schließen.

Rosenheim – Fünf Wochen werden Schulen und Kindertageseinrichtungen vorerst geschlossen bleiben – bis nach den Osterferien. Dieser Vorstoß der bayerischen Staatsregierung, um das weitere Ausbreiten des Corona-Virus einzudämmen, trieb vielen Eltern die Sorgenfalten ins Gesicht. Sollten gar beide Elternteile berufstätig sein, wer soll dann die Betreuung der Kinder übernehmen? Hier war und ist Organisationstalent gefragt.

Südtirol-Rückkehrer schon länger von Corona-Einschränkungen betroffen

Der Bayerische Elternverband (BEV) begrüßte die Schließung, sieht aber auch die Schwierigkeiten, die damit auf die Eltern zukommen. Martin Löwe, Landesvorsitzender des BEV: „Woher soll man auf die Schnelle für jeden Haushalt mit jüngeren Kindern einen garantiert nicht infizierten, zuverlässigen Babysitter bekommen? Die Großeltern sollte man keinesfalls heranzuziehen, denn ältere Menschen gehören zu den besonders gefährdeten Personen.“ Der BEV setzt auf die Kreativität und Initiative der Beteiligten, um mit Hilfe von Nachbarn und Freunden Lösungen zu finden.

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Keine Schule – das kennen die beiden Kinder von Evelyn Krenzer (40) aus Bad Aibling bereits: Sie mussten als Südtirol-Rückkehrer diese Woche bereits dem Unterricht fern bleiben – eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn sie waren kein Verdachtsfall.

Kinder müssen zu Hause bleiben, Eltern ins Homeoffice

Nun folgen fünf weitere Wochen Corona-Zwangsferien. Die Kinder, sieben und neun Jahre alt, beide gehen auf die Luitpold-Grundschule in Bad Aibling, sehen das gelassen. Die Eltern, beide berufstätig, haben sich ebenso schnell organisiert: Der Vater kann auf Homeoffice umsteigen – und kann sich so mit in die Betreuung einbringen. Mama Evelyn reduziert ihre Bürozeiten aufs Nötigste, erledigt den Rest aus dem Homeoffice. Ihr Glück: Sie arbeitet im Familienbetrieb mit. „Deshalb bin ich in diesem Fall ganz flexibel“, ist sie erleichtert.

Die Großeltern wollen sie bei der Betreuung möglichst außen vor lassen. „Über dieses Risiko müssen wir uns noch Gedanken machen“, meint Evelyn Krenzer. Was ihr ein wenig im Magen liegt: Dass bei ihrem Sohn (9) der Übertritt auf eine weiterführende Schule ansteht. „Eigentlich sollte es am 4. Mai das Übertrittszeugnis geben und zu Ostern der Notenschluss sein, was wird nun damit?“, rätselt sie.

Auch für die Abiturienten nun kein Unterricht mehr

Vor vielen ungeklärten Fragen stehen auch die Abiturienten in diesen Tagen. Wie geht es weiter bis zum Abitur, das bis dato für Ende April/Anfang Mai angesetzt ist? Eine besondere Situation herrscht zudem am Karolinen-Gymnasium Rosenheim, das diese Woche bereits nach zwei bestätigten Covid19-Erkrankungen den Schulbetrieb eingestellt hatte. Bis auf den Abiturjahrgang – der durfte sich auf freiwilliger Basis einfinden.

Einen Einblick dazu gibt uns Antina Thiesen (18) aus Stephanskirchen, Jahrgangsstufensprecherin für die Q12. „Am Dienstag waren in jedem Kurs nur sechs bis sieben Leute. Erst nach unserem Appell sind mehr in die Schule gekommen.“ Mit den Zwangsferien ist nun für die Abiturienten wieder alles anders: Auch für sie findet kein Unterricht mehr statt. „Nächste Woche hätten wir noch zwei Klausuren geschrieben, aber die sind jetzt verschoben.“

Manche Schulen bieten Online-Unterricht an

Lob hat Antina Thiesen für die Schulleitung des Karolinen-Gymnasiums: „Die haben gesagt, dass wir Ruhe bewahren sollen und dass sie alles dafür tun werden, damit das Abitur stattfinden kann. Wir haben auch die Handynummern der Schulleitung bekommen, die Unterstützung ist sehr groß. Ich hoffe, dass sich alles bald legt und ich das Abitur einfach hinter mich bringen kann.“ Die Oberstufenschülerin sieht ansonsten ihre Pläne in Gefahr. Im August will sie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Togo antreten.

Nicht nur Abiturienten bangen um ihre Prüfungen. Die Internatsschüler des Landschulheims Marquartstein fürchten die Begleitumstände rund um das Coronavirus. Katharina Brachmann, stellvertretende Schulleiterin des Internats: „Die Schule und auch das Internat werden geschlossen. Unsere Schüler fahren jedes Wochenende nach Hause. Wir raten ihnen, mehr mitzunehmen. Auch Schulunterlagen und Bücher. Wir werden online Unterricht anbieten für alle Klassen in den Kernfächern. Hier haben wir schon Erfahrungen vom letzten Jahr, als die Schüler zwei Wochen schneefrei hatten.“

Kein Kino, keine Verabredungen mit Freunden

„Ich kann kochen“, hat Josefine, sieben Jahre alt, ihrer Mama angeboten, als sie hörte, dass sich die Familie aufgrund der Verbreitung des Coronavirus neu organisieren muss. Die Mama hat das großzügige Angebot ihrer Tochter nicht angenommen, berichtet sie schmunzelnd. Regine Falk wird in den nächsten fünf Wochen daheim bleiben. Die Mitarbeiterin eines Bankhauses in Rosenheim kann auch von zuhause aus arbeiten. Das muss sie nun auch, denn beide Kinder, Josefine und ihr Bruder Arthur (13), können nicht mehr in die Grundschule Wasserburg und ins Luitpold-Gymnasium gehen.

Zur Betreuung kann die Familie Falk diesmal nicht auf die Großeltern oder Freunde zurückgreifen. „Das soziale Netzwerk greift nicht, wir wollen ja niemanden gefährden.“ Kein Kino, keine Verabredungen mit Freunden, kein Besuch auf dem Spielplatz: Die Falks werden für sich bleiben. Sie haben ein Haus mit einem großen Garten: „Wir müssen nicht eng aufeinander sitzen“, sagt Regine Falk.

Corona-Alarmstimmung in Tirol

Zur Beschäftigung der Kinder, die es gewöhnt sind, sich mit Freunden zu treffen, greift sie auf Spiele und Musikinstrumente zurück. „Außerdem können die Kinder ja trotzdem lernen für die Schule.“ Die Mutter hofft, dass es nicht zum „Hauskoller“ kommt. Vorsorglich hat sie Kühlschrank und Keller außerdem mit Vorräten bestückt.

Alarmstimmung herrscht im benachbarten Tirol – unter anderem an der Fachhochschule Kufstein. Der Lehrbetrieb ist auf E-Learning und virtuelle Präsenz umgestellt, den Mitarbeitern wird aufgrund stark steigender Fallzahlen in Tirol Homeoffice empfohlen. Das trifft auch Claudia Van der Vorst aus Raubling, die an der Hochschule lehrt (Wirtschaftsingenieurwesen) – und der damit zumindest das Betreuungsproblem für ihre beiden Kinder erspart bleibt. Sie besuchen das Gymnasium Raubling und die Johann-Rieder-Realschule in Rosenheim – und stehen nun ebenso vor fünf Wochen Zwangsferien. Gelernt wird nun zuhause, auch über Online-Systeme ihrer Schulen. Arbeitsaufträge hätten sie zu genüge erhalten. „Langweilig wird es ihnen gewiss nicht“, schmunzelt die Mutter.

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