Präsenzunterricht nur nach Test

Corona-Testpflicht an Schulen: Eltern in der Region Rosenheim schwanken zwischen Unsicherheit und Protest

Projekt mit Modellcharakter: Die Eiselfinger Grund- und Mittelschule hat eigens ein Testzentrum in der Turnhalle eingerichtet. Auch die Einwohner der Gemeinde helfen mit.
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Projekt mit Modellcharakter: Die Eiselfinger Grund- und Mittelschule hat eigens ein Testzentrum in der Turnhalle eingerichtet. Auch die Einwohner der Gemeinde helfen mit.
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  • Korbinian Sautter
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  • Jens Kirschner
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  • Sophia Huber
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Seit Montag (12. April) gilt an Bayerns Schulen Testpflicht für Buben und Mädchen, die am Präsenzunterricht teilnehmen wollen. Nicht alle Eltern in der Region Rosenheim sind glücklich mit der neuen Regel – einige protestierten dagegen.

Rosenheim – Martin Löwe erreichten in den vergangenen zwei Wochen zahlreiche Zuschriften besorgter Eltern. „Bei den Eltern ist die Stimmungslage gespalten“, berichtet der Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands. Zudem: Die Ungewissheit, die bei vielen Vätern und Müttern herrsche, sei groß.

Ein Großteil befürworte zwar, mit den Tests wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen. Viele verstünden jedoch nicht, warum sie die Prüfung auf eine Corona-Infektion nicht selbst zu Hause vornehmen dürfen. Zudem fürchteten viele eine Isolation ihrer Kinder, sollte der Test positiv ausfallen.

Skepsis unter den Lehrern

Um Misstrauen vorzubeugen, habe man an der Priener Franziska-Hager-Mittelschule bereits in der zweiten Osterferienwoche Testkits an Eltern verschickt, „damit sie das auch einmal zu Hause ausprobieren können“, berichtet deren Leiter Marcus Hubl.

So wolle man allen die Angst vor den Tests nehmen. Laut Hubl habe dies dafür gesorgt, dass sich nur ein geringer Teil geweigert habe, die Kinder in den Wechselunterricht zu schicken.

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Auch die Organisation habe am ersten Tag gut funktioniert. Zwar herrsche auch bei den Lehrern teilweise Skepsis, und es gab Rückmeldungen, dass es trotz guter Vorbereitung sehr viel Zeit gekostet habe, alle Schüler zu testen. Der Priener Schulleiter ist allerdings davon überzeugt, den ganzen Prozess auf 20 Minuten raffen zu können, sobald der Ablauf erst mal eingespielt sei.

Schulung für alle Pädagogen

Um diesen Ablauf zu optimieren, hätte sich Walter Baier, Vorsitzender der Direktorenvereinigung der bayerischen Gymnasien, etwas mehr Vorlaufzeit gewünscht. An Gymnasium Bruckmühl ließ er daher am Montag zunächst alle Lehrer eine Schulung durchlaufen, damit diese wissen, wie sie den Selbsttest mit ihren Schülern umsetzen können.

„Dadurch habe ich jetzt ein gutes Gefühl, das sensibelste Thema, dass es für die Schulen je gab, ab Dienstag gut organisieren zu können“, resümiert der Schulleiter.

Testzentrum in der Eiselfinger Grund- und Mittelschule

Für Sabine Kowagner vom Verein „Initiative Familien“ ist die aktuelle Regelung der Bundesregierung noch nicht genug. Die Rosenheimerin sehe täglich, wie ihre Tochter in der vierten Klasse problemlos getestet werde und wie gut das Prinzip funktioniere. Ihre Forderung: Auch bei einem Inzidenzwert von über 100 sollten die Schulen offen bleiben.

Um 8.10 Uhr startete der Eiselfinger Grund- und Mittelschule testbedingt der Unterricht. Die Schule hatte hierfür ein Testzentrum in der Turnhalle der Schule geschaffen. Ein Vorhaben mit Modellcharakter, denn auch die Bürger der Gemeinde waren mit eingebunden. Fünf Klassen wurden gleich am ersten Tag getestet, insgesamt waren es 86 Schüler. Bis auf drei Tests habe alles „reibungslos funktioniert“.

Protest vor dem Rosenheimer Schulamt

Auf der anderen Seite gab es Protest: Vor dem Schulamt in Rosenheim kamen am Montag (12. April) ab 8 Uhr bis zu 200 Personen zusammen, um sich Gehör zu verschaffen. So lautet zumindest die Schätzung der Polizei. Angemeldet hatte die Demonstration Helena Krenn aus Raubling. Sie wiederum zählte gestern rund 400 Teilnehmer.

Mit Transparenten machen die Teilnehmer ihrem Unmut über die Testpflicht an Schulen Luft. Kirschner

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Aus den ursprünglich 25 angemeldeten Teilnehmern nahm die Menge an Personen, die sich der Kundgebung anschlossen, innerhalb einer halben Stunde merklich zu. Die Polizei konnte in Absprache mit Kräften des Ordnungsamts reagieren und die genehmigte Fläche für den Protest erweitern. Einsatzleiter Robert Maurer sprach in diesem Zusammenhang von einem „guten Konsens“, den man gemeinsam mit der Ordnungsbehörde und der Anmelderin gefunden habe.

Bis zur Höhe des Rathauses stehen die Demonstranten entlang der Königstraße in Rosenheim.

Mitarbeiter fühlten sich eingeschüchtert

Dennoch: Gegen Ende der Veranstaltung gab es wohl ebenso Szenen, die zumindest die Mitarbeiter des Rosenheimer Schulamts als einschüchternd empfanden. Dessen Leiter, Edgar Müller, schildert, einzelne Demonstranten hätten lautstark Einlass in das Gebäude des Schulamts verlangt. Auch durch das Klopfen an Scheiben hätten sie diesem Ansinnen Nachdruck verliehen.

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Die Polizei wiederum war in der Lage, dieses Geschehen gemeinsam mit Organisatorin Krenn zu unterbinden, zumal sich diese Teilnehmer damit außerhalb der genehmigten Fläche aufhielten. Ohnehin hat Müller gegen die Demonstration an sich nichts einzuwenden: „Das ist deren gutes Recht“, sagt der Schulamtsleiter.

Ebenso kam es gegen 9.30 Uhr es zu einem Hupkonzert vorbeifahrender Autos. Ob die Fahrer damit Protest oder Zustimmung zum Ausdruck bringen wollten, muss dahingestellt bleiben. Einige müssen nun zumindest mit einer Verwarnung rechnen, die Beamten hatten einige Kennzeichen notiert.

Die Argumentation der Testkritiker

Die Organisatorin der Demonstration, Helena Krenn, führt mehrere Gründe an, warum die Tests an Schulen ungeeignet seien: Zum einen seien die psychischen Folgen bei den Kindern, sollte das Testergebnis positiv ausfallen, nicht absehbar. Ebenso kritisiert sie, die Tests seien für Jugendliche, nicht für Kinder vorgesehen. Das auch, weil die Kits mit Substanzen versehen seien, die den Buben und Mädchen schaden könnten. Nicht zuletzt fehle es an medizinischem Personal, das die Proben korrekt vornehmen könne.

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