Mehrere Schulklassen im Kreis Rosenheim müssen zu Hause bleiben - bald alle Schulen dicht?

Fünf Schulklassenmüssen seit gestern an der Luitpoldschule Bad Aibling zu Hause bleiben. Baumann
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
    schließen
  • Heidi Geyer
    Heidi Geyer
    schließen
  • Tina Blum
    Tina Blum
    schließen

Mehrere Schulklassen im Kreis Rosenheim waren am Montag, 9. März, vom Unterricht befreit. Grund dafür ist das Coronavirus. Die Schulen folgen damit einer Empfehlung des Rosenheimer Schulamtes. Mittlerweile bereitet sich die Staatsregierung offenbar darauf vor, sämtliche Schulen in Bayern zu schließen.

Update 12.3., 21.44 Uhr

Schulen in Bayern demnächst geschlossen?

Die Bayerische Staatsregierung bereitet sich offenbar darauf vor, sämtliche Schulen im Freistaat aufgrund der Corona-Epidemie zu schließen. Diese Möglichkeit brachte Ministerpräsident Markus Söder ins Spiel. Nach Informationen der OVB-Heimatzeitungen haben bereits mehrere Schulen in der Region ihre Schüler angewiesen, vorsorglich sämtliche Lernmaterialen mit nach Hause zu nehmen.

___

Die ursprüngliche Meldung vom 9. März

Rosenheim/Bad Aibling – An der Luitpold Grundschule in Bad Aibling sind seit gestern fünf Klassen zu Hause. Das Schulamt gab am Sonntag bekannt, dass Schüler, die in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet waren und keine Krankheitssymptome aufweisen, für 14 Tage zu Hause bleiben müssen.

Hatten sie Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person oder weisen Symptome auf, bleibt die gesamte Schulklasse für zwei Tage zu Hause. Der betroffene Schüler sollte dann 14 Tage dem Unterricht fern bleiben.

Schüler war im Corona-Risikogebiet im Urlaub

Auch eine sechste Klasse der Fritz-Schäffer-Mittelschule Ostermünchen muss zu Hause bleiben. Der Grund: Ein Schüler war in den Faschingsferien in Südtirol im Urlaub. Nachdem er bereits eine Woche lang gemeinsam mit seinen Klassenkameraden am Unterricht teilgenommen hatte, kam erst am Freitag die Information des Schulamtes, dass Südtirol nun zu den aktuellen Risikogebieten gehöre.

+++ Alle Informationen zum Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer Themenseite. +++

„Meine Kinder sind jetzt beide zu Hause“, sagt die Mutter (Name ist der Redaktion bekannt). Sie möchte nicht mit Namen in der Öffentlichkeit stehen, denn sie hat Angst: „Dann sind wir die Buhmänner der Nation, weil wir im Urlaub waren und in der ganzen Hysterie keiner wirklich weiß, wie er angesichts des Coronavirus mit einer ganz normalen Erkältung umgehen soll.“

Eltern in Sorge, wenn das Kind niest

Noch am Ende der Ferien hatte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml die Eltern aufgefordert, ihre Kinder in die Schule zu schicken, wenn sie keine Symptome haben. Nun hat das Ostermünchener Kind Schnupfen bekommen, muss zu Hause bleiben und mit ihm die ganze Klasse. Die Eltern wiederum dürfen trotzdem auf die Arbeit gehen, müssen nicht in Quarantäne. Trotzdem ist der Vater bei den Kindern geblieben und versucht, sich im Chaos zurechtzufinden. „Mein Mann telefoniert schon den ganzen Morgen, um zu erfahren, wie es weitergeht“, beschreibt die Mutter die Odyssee durch das Gesundheitssystem.

„Angeblich kommt heute oder morgen jemand zu uns nach Hause, um einen Abstrich zu nehmen.“ Wie es allerdings weitergeht mit der medizinischen Betreuung ihrer Kinder, wer Medikamente verschreibt und sie ärztlich versorgt, weiß sie noch nicht. Trotzdem ist die Mutter relativ entspannt: „Mein Kind hat eine ganz einfache Erkältung, wie sie für diese Jahreszeit typisch ist. Aber bei der ganzen Corona-Hysterie sorgt selbst das für ein heilloses Durcheinander.“

Zunächst noch Alltag

Eine weitere Familie aus Bad Aibling, die in den Faschingsferien Urlaub in Südtirol gemacht hat, kehrte anschließend normal in ihren Alltag zurück. Beide Eltern sind Lehrer an Schulen im Kreis Rosenheim. „Vergangene Woche war Südtirol noch keine Risikoregion. Wir haben drei Kinder und alle waren in der Schule, der Kita und wir Eltern ganz normal in der Arbeit“, erzählt die Mutter der Familie, die ebenfalls lieber unerkannt bleiben möchte.

Familie auf Coronavirus getestet

Auf der Homepage der Luitpold Grundschule lässt sich nachlesen, dass es keinen begründeten Verdachtsfall an der Schule gebe und es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme der Schulleitung handle.

Als Lehrerin müssten Mutter und Vater regulär unterrichten. Denn Erwachsene seien verantwortungsvoller im Umgang mit Hygiene, erklärte Schulamtsleiter Edgar Müller auf Nachfrage. Allerdings haben die Eltern und eines der Kinder seit Samstag einen leichten Schnupfen. „Wir haben beschlossen, uns testen zu lassen“, erzählt die Frau. „Uns geht es gut, wir bleiben entspannt.“

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Markus Söder über Coronavirus: „Kein Anlass zu Entwarnung oder zur Verharmlosung“

Am Telefon habe man ihr erklärt, dass es zwei bis drei Tage dauern könne, bis jemand vorbeikomme, um den Test machen. Das Ergebnis läge nach zwei bis sieben Tagen vor. Und man müsse sich jederzeit bereithalten – auch nachts. „Die Ärztin kam dann um 2.30 Uhr in der Nacht.“ Mit Schutzkleidung und Atemschutzmaske hat sie alle Familienmitglieder mittels eines Rachenabstrichs getestet. Ob es sich um das Corona-Virus handle oder nur um eine Erkältung, wird die Familie am Dienstagabend erfahren. „Bis dahin bleiben wir alle in Quarantäne zu Hause.“

An der Grund- und Mittelschule Fürstätt bleiben ebenfalls vier Schulklassen zu Hause. Jedoch handle es sich hierbei um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, hieß es auf Nachfrage im Sekretariat. In den betreffenden Klassen seien zwar Schüler, die in Risikogebieten unterwegs waren, allerdings zeige noch keines der Kinder Symptome.

In Rott am Inn ist ebenfalls eine Klasse zu Hause. „Ein Schüler war in einem Risikogiebt und wurde bereits auf das Virus getestet. Es handelt sich aber von unserer Seite um eine reine Vorsorgemaßnahme“, hieß es von Seiten der Schulleitung.

Wer stellt Kinderbetreuung sicher?

Auch Familie Brockhoff aus Bad Aibling ist in Sorge wegen des Coronavirus und hat sich am Montag über Eltern-Whatsapp-Gruppen und die Homepage über den Unterrichtsausfall der Bad Aiblinger Luitpoldschule informiert. Die zweite Klasse, die Sohn Ludwig besucht, ist nicht von einem Unterrichtsausfall betroffen. „Sicher, das ist das eine reine Vorsichtsmaßnahme, aber im Prinzip müssten dann ja alle zuhause bleiben. Schließlich spielen die Kinder im selben Pausenhof, haben dieselben Lehrer und benutzen dieselben Toiletten. Entweder sollte die Schule für alle offen oder für alle geschlossen sein“, so Simon Brockhoff. Es stelle sich auch die Frage: „Was ist dann mit Geschwisterkindern, die beispielsweise in die Kindergärten gehen, die weiter geöffnet sind?“

Sollten die Maßnahmen in den kommenden Tagen ausgeweitet werden, stellt sich für viele Eltern dann auch die Betreuungsfragt. „Zu den Großeltern möchte man sie ja wegen einer eventuellen Infektion auch nicht schicken, um diese nicht einem Gesundheitsrisiko auszusetzen“, sagt Simon Brockhoff.

Mehr zum Thema

Kommentare