NEUSTART BRINGT NEUE PROBLEME

Schulen im Landkreis Rosenheim klagen über Wechselunterricht in Abschlussklassen

Halbiert und auf Abstand: Die Abschlussklassen der FOS/BOS Rosenheim sind seit Montag wieder in Präsenz.
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Halbiert und auf Abstand: Die Abschlussklassen der FOS/BOS Rosenheim sind seit Montag wieder in Präsenz.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Die eine Hälfte im Klassenzimmer, die Andere schaut über den Computer zu. So einfach klingt das Prinzip des Wechselunterrichts in den Abschlussklassen. Doch die teilweise schlechte Infrastruktur an den Schulen in der Region bringt sowohl Lehrer als auch Schüler zur Verzweiflung.

Rosenheim – Mit gemischten Gefühlen empfingen die Schulen der Region Rosenheim die Abschlussklassen zurück in den Klassenzimmern. Der Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht sorgte in den ersten Tagen für technische Schwierigkeiten und bringt vor allem die stark eingespannten Lehrkräfte an ihre Grenzen. Gerade die Einrichtungen mit schlechter Internetverbindung kämpfen mit dem seit Wiederbeginn neu eingeführten Wechselunterricht und hoffen, dass das Konzept in Zukunft nicht bei mehrere Klassen umgesetzt wird.

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Teilpräsenz sorgt für Probleme

„Die Stimmung ist nicht gerade die Beste“, stellt Walter Baier, der Vorsitzende der Direktorenvereinigung der bayerischen Gymnasien, fest. Der Schulleiter des Gymnasium Bruckmühl erfährt gerade am eigenen Leib, was es bedeutet, wenn nur die Hälfte der Schüler der zwölften Klassen wieder in die Unterrichtsräume darf. Der andere Teil soll im Optimalfall über den Computer zugeschaltet werden.

Mit den technischen Möglichkeiten der Schule sei das allerdings derzeit noch nicht machbar. Während also die eine Hälfte präsent ist, bekommt die Andere lediglich Arbeitsaufträge zugeschickt. Die Folge: Für denselben Stoff benötigen die Lehrer die doppelte Zeit.

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Mit diesem Problem ist Baier nicht alleine. Auch am Wasserburger Luitpold-Gymnasium ist der tägliche Wechsel mehr ein Hindernis als ein dauerhafter Mehrgewinn. Direktorin Verena Grillhösl merkt bereits nach den ersten beiden Tagen, dass der Wechselunterricht die Online-Beschulung deutlich einschränkt.

„Das Problem, vor allem für die Lehrer, sind nicht nur die Livestreams ins Klassenzimmer, sondern vor allem auch die darauffolgenden Stunden“, betont die Schulleiterin. Denn da sich die anderen Klassen nach wie vor zuhause aufhalten, müssten die Lehrer sofort wieder vor dem Computer sitzen, was aus der Schule heraus aufgrund der Internetverbindung nicht funktioniert. Die Lehrkräfte müssten daher erst wieder nach Hause, bevor es mit dem Unterricht weitergehen kann.

Geteilte Meinung im Landkreis Rosenheim

Diesen „Spagat für die Mitarbeiter“ sieht auch Brigitte Würth vom Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium in Rosenheim. Die digitale Infrastruktur sei dort allerdings gut genug, sodass man auch von den noch größtenteils leer stehenden Klassenzimmern aus arbeiten kann. Insgesamt sei der Wechselunterricht dementsprechend gut angelaufen. Gerade die Schüler der Q12 sind laut Würth froh, endlich wieder halbwegs normalen Unterricht zu haben, um sich auf das Abitur im Mai vorzubereiten.

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Wenig Grund zur Sorge hat man auch an der FOS/BOS in Rosenheim. Laut dem Schulleiter Dr. Marko Hunger hat man mit dem System bereits gute Erfahrungen gemacht. Schon seit den Herbstferien war dort eine Hälfte in den Unterrichtsräumen, während die andere per Livestream zuschauen konnte. Von Schülerseite gibt es jedoch durchaus Kritik. „Wir haben bei der FOS/BOS nahezu nur Abschlussklassen“, klagt Sophie Mischner, Schülerin der 13. Klasse aus Raubling: „Da kommt man auch trotz Wechselunterricht locker auf 400 Leute im Schulgebäude.“ In Zeiten von strengen Kontaktbeschränkungen sei die neue Maßnahme daher „vollkommen hirnrissig“.

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Eine Rückkehr der Abschlussklassen wünscht sich dagegen Marcus Hübl, der Leiter der Franziska-Hager-Mittelschule in Prien. Er weiß derzeit nicht „wie viel vom Online-Angebot wirklich ankommt“ und hofft daher, dass nicht nur die Gymnasien wieder auf Präsenzunterricht zurückgreifen dürfen.

Direktor fürchtet weitreichende Folgen

Egal ob großer Andrang oder technische Probleme – die Situation in den regionalen Schulen bleibt angespannt. Schulleiter Baier befürchtet, dass es trotz allem Ärger noch schlimmer kommen könnte, wenn der Wechselunterricht auch noch auf andere Jahrgangsstufen ausgeweitet wird. „Dann könnte das System schnell zusammenbrechen“, ist er sich sicher. Als Vorsitzender der Direktorenvereinigung will er daher das Gespräch mit der Politik suchen, um die zukünftigen Maßnahmen besser auf die aktuellen Gegebenheiten abstimmen zu können..

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