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Wenige Tage vor Unterrichtsbeginn

Testen, Abstand, Maske: Was die Schüler in der Region beim Schulstart erwartet

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  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Freude auf den Präsenzunterricht herrscht bei Lehrern, Eltern und Schülern in der Region Rosenheim. Doch noch ist nicht ganz klar, welche Corona-Regeln im neuen Schuljahr gelten. Und: Gesundheitsamttsleiter Hierl blickt dem Start mit „sehr gemischten Gefühlen“ entgegen.

Wasserburg/Rosenheim – Eine Neuerung an ihrer Schule macht Verena Grillhösl schon jetzt froh. „Kiosk und Mensa können wir gleich mit Beginn des neuen Schuljahres wieder anbieten“, sagt die Leiterin des Luitpold-Gymnasiums in Wasserburg mit Freude in der Stimme. Auch die Kundschaft wird‘s freuen: Die Schüler und Lehre, die nun auf Dauer in den Präsenzunterricht zurückkehren sollen.

Zwei Wochen Maskenpflicht

Endlich wieder Schule, so halbwegs zumindest, wie man es vor dem Frühjahr 2020 kannte, mit leibhaftigen Lehrern und Schulkameraden. Dauerhaft, und nicht dauernd vom Ungemach des Distanzunterrichts bedroht: Das erwartet die Schüler im Schuljahr 2020/2021 nach dem Versprechen der Staatsregierung.

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Einige Regeln stehen fest, wie zum Beispiel die Pflicht zur OP-Maske auch am Sitzplatz im Klassenzimmer, zumindest zwei Wochen lang, bis sicher scheint, dass kein Kind ein Corona-Souvenir aus den Sommerferien in der Klasse verteilen kann. Außerdem soll die Teststrategie an den weiterführenden Schulen ausgeweitet werden. Und: Quarantäne soll nicht mehr zwingend über die gesamte Klasse verhängt werden, nur weil sich ein Schüler angesteckt hat (siehe unten)

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Der erste Schultag wird wohl etwas weniger locker als sonst ausfallen. Schuleingangsfeiern könne man ausrichten, sagt Schulamtsleiter Edgar Müller. „Musikalische Darbietungen und Bewirtung in geschlossenen Räumen ist nicht zugelassen.“

Was die Details angeht, besteht an den Schulen aber noch Klärungsbedarf. „Ausführliche Bestimmungen zu den Beschlüssen des Kabinetts vergangene Wochen wurden angekündigt, sie sind aber noch nicht da“, sagt sie. „Momentan warten wir gespannt auf die entscheidenden Botschaften vom Ministerium“, sagt Dieter Friedl, Schulleiter vom Ignaz-Günther-Gymnasium. in Rosenheim.

Präsenzunterricht: Was sich viele Eltern erwarten

Viele Eltern haben die vergangenen eineinhalb Jahre in schlechter Erinnerung. Auch weil sie mit ihren Kindern gelitten haben: Unter dem Mangel an Kontakten mit Freunden und Bekannten; unter den Problemen beim Lernen, den Macken der Online-Vermittlung von Lernstoff; unter der Herausforderung auch, die Sprösslinge im stillen Kämmerlein immer wieder neu zu motivieren.

„Die Kinder brauchen beim Lernen Erfolgserlebnisse, die haben sie im Homeschooling nicht“, sagt Susanne Adlmaier, die sich im Elternbeirat in der Grundschule Erlenau in Rosenheim engagiert. „Ich bin sehr froh, dass wir wieder beim Präsenzunterricht sind.“

„Die Politik ist in erster Linie gefordert“, sagt Thomas Tramp, Vorsitzender des Elternbeirats am Ignaz-Günther-Gymnasium. „Sie muss alles dafür tun, dass Präsenzunterricht abgehalten werden kann. Es darf aus meiner Sicht nicht am Geld scheitern.“ Den Kauf eines Elektroautos mit 15 000 Euro fördern, für die Ausbildung eines Schülers pro Jahr aber nur 8000 Euro auszugeben, gehe nicht an. „Kinder sind unsere Zukunft“, sagt Tramp, „es ist kurzsichtig, wenn nicht alles für sie getan wird.“

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Was die vergangenen eineinhalb Jahre betrifft, blieb einiges zu wünschen übrig. „Mit dem Engagement der Lehrkräfte an der Schule waren wir zufrieden“, sagt Tramp. Weit weniger trifft dies auf die Politik zu.

Die vom Freistaat gestellte Technik für den Onlineunterricht habe nicht wirklich gut funktioniert, „die Stadt Rosenheim hat dann dankenswerterweise ein weiteres Programm zur Verfügung gestellt, damit Onlineunterricht stabil stattfinden kann“. Tramps Fazit fällt kurz aus: „Ne, also noch einmal Distanzunterricht, darauf sind weder Eltern noch Kinder scharf.“

Und wohl auch die Lehrer nicht. Auch wenn Erich Menacher, stellvertretender Leiter am Gymnasium Raubling, versichert: „Wir wissen damit umzugehen, es ist eine gewisse Routine eingekehrt.“ Einiges von dem, was die Schüler während Corona gelernt haben, wolle man bewahren und fortführen – „unsere Kinder sind selbstständiger geworden, was die Selbstorganisation und das Lernen betrifft“.

Keine zusätzlichen Busse für die Schüler

Geschäftsführer Ingmar Töppel bezeichnet das Angebot an Bussen als ausreichend. Man fahre seit Juli den verdichteten Takt, mit den Linien 6, 7 und 12 im Halbstundenabstand. „Von der Infektionsgefahr her ist der ÖPNV unauffällig.“ Elternvertreter Tramp dürfte sich davon nicht überzeugen lassen: „Die Schulbusse waren teilweise so voll, dass sie irgendwann die Kinder nicht mehr mitgenommen haben.“ Wegen des Ansteckungsrisikos habe die Stadt Rosenheim im vergangenen Jahr das Adventsshuttle eingestellt. „Wo ist denn der Unterschied zwischen Adventsshuttle und Schulbus?“, fragt Tramp.

Zusätzliche Kapazitäten wird auch die Bayerische Regionalbahn nicht bereitstellen. Man rechne mit einem höheren Aufkommen an Schülern, könne aber die Schülerzüge nicht aufstocken, „weil die Bahnsteiglängen eh ausgereizt sind“, sagt eine Sprecherin der BRB. Zudem seien zu Stoßzeiten ohnehin alle Fahrzeuge im Umlauf. Wie Töppel hob sie den stetigen schnellen Luftaustausch über Tür und Klimaanlage hervor.

Spannender Start ins neue Schuljahr

Jetzt heißt es warten. Auf die genauen Anweisungen aus dem Kultusministerium. Aber auch auf die Entwicklung der Pandemielage. „Hoffentlich kein Wechselunterricht“, sagt Dieter Friedl vom Ignaz-Günther-Gymnasium. „Das ist noch schlimmer als Distanzunterricht, einfach nicht Fisch, nicht Fleisch.“

Ob es beim „richtigen“ Unterricht bleiben kann, hängt in erster Linie von der so genannten Krankenhaus-Ampel ab, die die Zahl der eingelieferten Covid-19-Patienten in normalen und Intensivstationen als Maßstab verwendet.

Verena Grillhösl blickt aber weiterhin auch auf die Siebentage-Inzidenz: Sehr glücklich sei sie über das Versprechen des Präsenzunterrichts. „Wenn ich mir aber die Zahlen anschaue, bin ich mir nicht so ganz sicher.“

Auf 155,5 stand der Landkreis Rosenheim zu Wochenbeginn, auf 206,0 die kreisfreie Stadt, ein höherer Stand als vor einem Jahr. Dr. Wolfgang Hierl vom Rosenheimer Gesundheitsamt äußert Skepsis: Sein Amt blicke dem Schulstart „mit sehr gemischten Gefühlen“ entgegen. Er wiederholt, was er selbst schon „mein Mantra“ nennt: „Ich appelliere eindringlich an alle Eltern, sich und die Kinder im Haushalt ab zwölf Jahren impfen zu lassen. Spannen Sie ein Netz um Ihre Kleinsten, um sie vor einer Infektion zu schützen.“

Auf einen Blick: Was konkret an den Schulen gilt

Wer getestet ist, aber auch wer geimpft oder genesen ist, genießt mittlerweile wieder gewisse Freiheiten. An der Schule aber bleibt zumindest die Testpflicht auch für Genesene und Geimpfte bestehen. Das teilte Schulamtsleiter Edgar Müller auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen mit. Allerdings mit dem Hinweis: So weit bislang bekannt.

Am gestrigen Montag standen die detaillierten Anweisungen aus dem Kultusministerium noch aus. Es steht aber fest, dass die Teststrategie sogar ausgeweitet wird: Dreimal statt wie bisher zweimal pro Woche müssen sich Schüler an weiterführenden Schulen einem Schnelltest unterziehen.

Nicht getestet geht nicht

Kinder, die an der Schule nicht getestet werden wollen, beziehungsweise, deren Eltern keinen Test machen lassen wollen, können zu Hause getestet werden. Mit PCR-Test hält das Ergebnis 48 Stunden, mit Schnelltest 24 Stunden. Kinder ohne Test können nicht zum Unterricht. „Ähnlich wie für Kinder in Quarantäne kann man entsprechende Online-Formen anbieten, sie etwa digital am Unterricht teilnehmen lassen“, sagt Erich Menacher vom Gymnasium Raubling. „Streamen aus dem Klassenzimmer etwa.“ Denn, das sagt er auch klar, Kinder haben ein Anrecht auf Unterricht.

Für die Grundschüler gibt es einen Lolli-Pool-Test. Dafür lutschen die Kinder einer Gruppe für 30 Sekunden an einem Tupfer. Anschließend stecken alle Kinder ihre Tupfer in ein und dasselbe Röhrchen. Die Proben werden also vermischt, bevor sie ins Labor gebracht werden, somit muss der Inhalt des Röhrchens lediglich einmal analysiert werden. Erst wenn das Resultat der PCR-Analyse positiv ist, werden Einzelproben von jedem Kind der Gruppe vorgenommen.

Was an den Schulen weiter gilt: die Maskenpflicht. Medizinische Masken sind für die weiterführenden Schulen vorgeschrieben, bei den Grundschülern dürfen es auch Stoffmasken sein.

Aufgeweicht wird die Quarantäne-Regelung. Wenn ein Schüler positiv getestet wird, zieht das nicht notwendigerweise die Isolation der gesamten Klasse nach sich, sondern nur noch die Quarantäne von engsten Kontaktpersonen, die sich auch noch nach fünf Tagen freitesten können. Entscheiden soll das Gesundheitsamt.

Genauere Bestimmungen gebe es noch nicht, sagte dessen Leiter Dr Wolfgang Hierl. Er hoffe aber darauf, dass diese Regelungen „klar und einfach handhabbar“ seien. Tatsächlich werde eine differenzierte Prüfung im Einzelfall eine „erhebliche personelle Belastung“ darstellen.

Unklar war am Montag (6. September) auch noch, inwiefern Ministerpräsident Söders Äußerung verbindlich ist: Ein Corona-Fall müsse überhaupt keine Quarantäne nach sich ziehen, sofern ein Luftreiniger im Klassenzimmer steht.

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