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Filtern statt Lüften?

Schule: Stadt und Landkreis Rosenheim winken beim Thema Luftreiniger vorerst ab

Einen Luftfilter in jedem Klassenraum will der Freistaat. Doch Stadt und Landkreis Rosenheim sehen von deren Anschaffung für alle Schulen derzeit ab.
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Einen Luftfilter in jedem Klassenraum will der Freistaat. Doch Stadt und Landkreis Rosenheim sehen von deren Anschaffung für alle Schulen derzeit ab.
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Einen Luftfilter pro Klassenraum. Diese Quote hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag (29. Juni) ausgegeben. Dafür will der Freistaat erneut Fördergeld locker machen. Stadt und Landkreis Rosenheim als Kostenträger für die Schulausstattung winken bislang ab. Das könnte sich alsbald ändern.

Rosenheim – Bis zum Start des neuen Schuljahrs will der Freistaat Bayern möglichst in jedem Klassenzimmer ein Luftfiltergerät sehen. Das gab die Staatsregierung am Dienstag während einer Pressekonferenz bekannt. Gleichzeitig schraubt sie an ihrer Förderrichtlinie. Geld vom Freistaat für solche Luftfilter gab es bislang nur, wenn Klassenräume nicht ausreichend anderweitig belüftet werden konnten.

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Und: Ministerpräsident Markus Söder liebäugelt ebenso damit, Kreise und Kommunen zum Aufstellen solcher Geräte zu verpflichten, sollten sie nicht freiwillig nachrüsten. Denn bislang hatten sich viele Kreise und kreisfreie Städte, die für die Ausstattung der Schulen verantwortlich zeichnen, bei der Anschaffung solcher Geräte für alle Lehranstalten zurückgehalten.

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Die Stadt Rosenheim setzt für ihre Schulen bislang auf die Devise „Lüften ist besser als filtern“. Will heißen: Nur für Räume, in denen dies nicht möglich ist, beschafft die Verwaltung entsprechende Luftfilter.

Antrag der Rosenheimer CSU

Das könnte sich ob der neuerlichen Entwicklung nun ändern. Die CSU-Stadtratsfraktion hat auf die Neuigkeiten aus München reagiert und inzwischen einen Prüfauftrag an die Verwaltung gestellt. Sie soll dem Stadtrat nun berichten, inwiefern sie an ihren Ablehnungsgründen aus dem vergangenen Jahr festhalten will. Damals verwies die Verwaltung darauf, dass der Freistaat nur Geräte für Räume fördere, die nicht ausreichend belüftet werden können.

Ungeimpfte als verletzlichste Gesellschaftsgruppe

„Vor dem Hintergrund der stärker infektiösen Virus-Mutation (‚Delta-Variante‘) und der Tatsache, dass die Kinder als ungeimpfte Gruppe nun die verletzlichste Gesellschaftsgruppe darstellen, halten wir es außerdem für dringend geboten, umgehend tätig zu werden und daher, soweit möglich, auf langwierige Ausschreibungsverfahren zu verzichten“, schreiben die Christsozialen in ihrem Antrag.

Lüftungsjacken gegen die Kälte

Auch am Bad Aiblinger Gymnasium ist derzeit nur regelmäßiges Lüften angesagt. Mit sogenannten Lüftungsjacken behilft sich die Adolf-Rasp-Schule in Kolbermoor mangels Luftfiltern: „Jeder unserer 304 Schüler hat so eine Jacke, die er in der Schule lässt und im letzten Winter angezogen hat, wenn wir gelüftet haben“, berichtet Rektorin Carola Vodermaier.

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Für die Schulen in der Gemeinde Tuntenhausen gibt es 14 Luftreiniger, mit denen alle Zimmer der Fritz-Schäffer-Grund- und Mittelschule Ostermünchen ausgestattet sind, die nicht ausreichend belüftet werden können oder die über keine Lüftungsanlage verfügen.

Kreis lehnt Anschaffung ab

Bereits Ende vergangenen Jahres hat das Luitpold-Gymnasium Wasserburg zum ersten Mal beim Landkreis auf die Anschaffung von Luftreinigungsgeräten gedrängt – in einem Antrag von Elternbeirat und Schulleitung, berichtet Schulleiterin Verena Grillhösl. Damals waren die Fördermöglichkeiten noch begrenzt – staatliche Zuschüsse für Luftreiniger gab es nur, wenn ein Raum nicht durchs Fenster gelüftet werden konnte. Als das Kultusministerium diese Förderbedingung gestrichen hatte, wurde das Gymnasium wieder vorstellig beim Landratsamt. Und bekam erneut eine Absage.

Zweite „halbherzige“ Förderrunde

Die Begründung war laut Pressestelle des Landratsamtes, dass die zweite „halbherzige“ Förderrunde lediglich eine 50-prozentige staatliche Bezuschussung vorsehe. Aus Gründen der Gleichberechtigung könne das Landratsamt nicht nur das Wasserburger Gymnasium ausstatten, sondern müsse alle 23 Schulen einbeziehen, verweist die Behörde auf die finanziellen Auswirkungen für den Kreishaushalt.

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Es gebe gegenwärtig keine fundierten wissenschaftliche Erkenntnisse, dass der Einsatz von Luftreinigungsanlagen das im Rahmen-Hygieneplan für Schulen vorgeschriebenen Lüften ersetzen könnte, hieß es im Schreiben an den Elternbeirat vom Februar.

Kombination aus Lüftungsanlage und Luftfilter

Doch insbesondere im Winter sei eine Lüftungsanlage deutlich besser geeignet als nur die Fenster aufzureißen. Das auch, um ein komfortables und lerngerechtes Raumklima sicherzustellen, wie Professor Harald Krause findet. Er lehrt und forscht an der Technischen Hochschule Rosenheim und leitet das Labor für Raumlufttechnik und Raumklimasysteme.

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„Auch über eine Kombination aus Lüftungsanlage und Luftfilter- beziehungsweise Enteisungsanlage sollte man nachdenken“, sagt Krause. Letztere können bei erhöhten Infektionsrisiken hinzugeschaltet werden. Doch bei höheren Inzidenzen empfehle es sich, wieder zur Maskenpflicht während des Unterrichts zurückzukehren.

1000 Kubikmeter Luft pro Stunde

Für die entsprechenden Luftfilteranlagen gibt der Forscher an, dass bei einer durchschnittlichen Klassenraumgröße von 60 Quadratmetern und 25 Schülern die Geräte mindestens 1000 Kubikmeter Luft pro Stunde umwälzen müssten, um das Infektionsrisiko merklich zu reduzieren. So zumindest zitiert er die Empfehlung des Umweltbundesamts.

Hochleistungsgeräte für rund 4000 Euro

Solche Hochleistungsgeräte kosten mitunter 4000 Euro. Für den Landkreis mit seinen 86 staatlichen Schulen würde dies einen Sachaufwand von rund 172.000 Euro bedeuten, allein wenn jede Schule nur einen Filter beantragt. Für die Stadt Rosenheim läge dieser Betrag bei 60.000 Euro.

Derzeit warte der Kreis auf die Rahmenbedingungen des neuen Förderprogramms. Grundsätzlich sei aber zu beachten, dass bei einem Kauf von Luftfiltern die Auftragssumme eine europäische Ausschreibung nötig mache. „Es ist daher völlig ausgeschlossen, dass Luftreinigungsanlagen zu Beginn des kommenden Schuljahres zur Verfügung stehen“, sagt Kreissprecher Michael Fischer.

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Im Kultusministerium ist man zumindest guter Dinge, dass die Sachaufwandsträger der Schulen das neuerliche Förderprogramm annehmen und man nicht auf Zwang zurückgreifen muss: „Wir gehen davon aus, dass auch die zuständigen Schulaufwandsträger die Wichtigkeit von Luftfiltern als bedeutende Maßnahme zum Infektionsschutz erkannt haben und mithilfe unseres Förderprogramms mobile Luftreinigungsgeräte anschaffen“, antwortet ein Ministeriumssprecher auf Anfrage.

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