Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Rohrdorfer Schulleiterin mit „schlechtem Gewissen“

Zwischen Zuversicht und Angst: Das sagen Rektoren aus dem Landkreis über Lehrermangel und Corona

In der Schule gibt es keine strengen Corona-Richtlinien mehr
+
Ohne Maske und ohne Tests: In der Schule gibt es keine strengen Corona-Richtlinien mehr. (Symbolbild)
  • Paula L. Trautmann
    VonPaula L. Trautmann
    schließen

Unter den Erstklässlern sind Kinder aus der Ukraine, Lehrer fehlen vielerorts in Bayern und die Corona-Pandemie ist immer noch nicht vorbei. Doch wie ist die Situation an den Grundschulen im Rosenheimer Landkreis? Drei Rektoren beschreiben die Lage vor Ort.

Rohrdorf/Großkarolinenfeld/Prutting - An der Grundschule Rohrdorf starten dieses Jahr 69 Erstklässler. Der Rektorin Beate Irle zufolge ist davon nur ein Kind aus der Ukraine. Fünf waren angemeldet, doch einige seien umgezogen. Auf die Frage, ob es aufgrund der Sprache schwierig sei, ukrainische Kinder aufzunehmen, antwortet Irle: „Das ist nichts anderes für uns als sonst. Wir haben regelmäßig Kinder aus anderen Ländern.“ Drei Schüler seien aus Afghanistan, einige kämen aus den Balkanländern. Obwohl es eine gewohnte Situation für die Lehrer ist, sei es „ganz schwierig“ für sie aufgrund der großen Verantwortung.

An der Grundschule Prutting wird heuer kein Kind aus der Ukraine eingeschult, aber eines aus Bulgarien. Rektorin Claudia Pelzl zufolge spricht das Kind kein Deutsch. Sie glaube dennoch, dass es die Sprache schnell lernt. Es sei zwar eine Herausforderung, aber das Kind werde ins kalte Wasser mit seinen Mitschülern geworfen - ein „Sprachbad“ nennt Pelzl das. Da nur ein Schüler ohne Deutschkenntnisse in die erste Klasse komme, sei es ohnehin einfacher für die Lehrer.

Entsteht ein „Lehrertourismus“?

Auch an der Rohrdorfer Grundschule bemühen sich die Lehrer Rektorin Irle zufolge sehr um die Schüler aus dem Ausland. „Und die Kinder machen das bestimmt prima“, sagt Irle. Besonders von den anderen Kindern lernten sie viel. Dennoch wäre es laut der Rektorin besser, wenn es Förderkräfte an der Schule gäbe. Es sei jedoch nur der Pflichtunterricht abgedeckt. Zwei der Lehrer müssten sogar Stunden an anderen Schulen übernehmen. „Es entsteht so eine Art Lehrertourismus“, sagt Irle. Denn vor allem an den Mittelschulen mangele es an Kräften, die Grundschullehrer müssten einspringen.

„Ich habe ein schlechtes Gewissen allen Kindern gegenüber“

Die Schülerschaft an der Grundschule Rohrdorf sei sehr heterogen. Deshalb wäre es optimal, wenn die Lehrer im Unterricht differenzieren könnten. Gäbe es zusätzliche Kräfte, könnten diese manche Kinder aus dem Unterricht nehmen, um sie speziell zu fördern. In der aktuellen Situation ist das laut Irle nicht möglich.

Auch Arbeitsgruppen (AGs) für Mathe, Musik, Umwelt oder Schüler mit Lese- und Rechtschreibschwäche könne sie nicht anbieten. „Ich habe ein schlechtes Gewissen allen Kindern gegenüber“, sagt die Rektorin. Die aktuelle Lage sei unbefriedigend, weil jedes Kind Talente habe und ein vielfältiges Angebot verdiene. Die persönliche Zuwendung der Lehrer sei besonders am Schulanfang wichtig.

An der Grundschule Prutting beginnen 30 Kinder ihre Schulkarriere. Im Gegensatz zu Irle hat Rektorin Pelzl kein schlechtes Gewissen ihren Schülern gegenüber: „Wir tun unser Bestes im Rahmen des Möglichen.“ Einen Lehrermangel gebe es bereits länger, der reguläre Unterricht sei an ihrer Schule jedoch abgedeckt. Nur Stunden zur Förderung von Kindern mit Legasthenie, Dyskalkulie und sprachlichen Problemen gibt es nicht. Auch AGs für Musik, Kunst oder Sport könne die Schulleiterin nicht anbieten. Weil der Pflichtunterricht jedoch nicht ausfällt, ist Pelzl nach eigenen Angaben „sehr zufrieden“.

Keine AGs seit fünf bis sechs Jahren

Rektor Sven Friedel zufolge gibt es an der Max-Josef-Schule in Großkarolinenfeld seit fünf bis sechs Jahren keine Arbeitsgruppen mehr. Dafür habe er nicht genügend Lehrer. Dieses Jahr seien jedoch alle Klassen für den Regelunterricht besetzt, einen Lehrermangel gibt es an der Großkarolinenfelder Schule demnach nicht. Heuer starten 63 Schüler in drei ersten Klassen. Kinder aus der Ukraine werden nach Angaben von Rektor Friedel dieses Jahr nicht eingeschult.

Angst, Zuversicht und Ungewissheit

In Bezug auf den Corona-Herbst hält sich der Schulleiter bedeckt: „Was kommt, kann keiner sagen.“ Rektorin Pelzl ist nach eigenen Angaben zuversichtlich. Schließlich hätte die Pruttinger Schulfamilie auch die vergangenen drei Jahre geschafft. Die Rohrdorfer Schulleiterin Irle sorgt sich hingegen: „Ich habe auf jeden Fall Angst, dass es wieder so schlimm wird.“ Besonders nachdem die Corona-Zahlen den Volksfesten in der Region nun in die Höhe schnellten. Zudem gibt es weder Test- noch Maskenpflicht an den Schulen. Irle zufolge können Erziehungsberechtigte Tests an der Schule abholen. „Ich vertraue darauf, dass Eltern ihre Kinder testen“, sagt die Schulleiterin.

Kommentare