Schüsse auf 20-Jährigen: „In über 50 jahren sowas nicht gesehen“

Wo genau sich die Tat am Bahnhof in Großkarolinenfeld abgespielt hat, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben.
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Wo genau sich die Tat am Bahnhof in Großkarolinenfeld abgespielt hat, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben.

Großkarolinenfeld. – Schüsse am Bahnhof Großkarolinenfeld: Ein Mann ist in den frühen Morgenstunden des Samstags angeschossen und schwer verletzt worden.

Die Polizei hat einen dringend Tatverdächtigen, der am Sonntag dem Ermittlungsrichter vorgeführt wurde.

Die Polizei war um 3.30 Uhr durch den Anruf einer Anwohnerin alarmiert worden, die Schüsse gehört hatte. Eine Streife raste zum Schauplatz und fand einen schwer verletzten Mann mit einer Schussverletzung. Der 20-Jährige wurde sofort in eine Klinik gebracht und notoperiert. Nur gut eine Stunde später, gegen 4.45 Uhr, nahmen Polizeibeamte in Großkarolinenfeld einen dringend Tatverdächtigen fest: einen 22-jährigen Deutschen. Genauere Angaben zur Herkunft der Beteiligten machte die Polizei auf Nachfrage nicht.

In über 50 Jahren so etwas nicht gesehen

Der Verdächtige wurde zur Kriminalpolizei nach Rosenheim gebracht, wo er von den Ermittlern des zuständigen Fachkommissariats K1 vernommen wurde. Parallel dazu laufen in dem Fall umfangreiche Ermittlungen sowie weiterführende kriminaltechnische Untersuchungen. Am späteren Samstagvormittag konzen trierten sich die Untersuchungen der Polizei offenbar auf das Gelände zwischen Bahnhofsgebäude und Unterführung. Eine Anwohnerin berichtet von sechs Polizeiautos und mindestens einem Dutzend Polizisten. „Ich wohne bereits seit über 50 Jahren hier, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagt die Frau, die anonym bleiben möchte. Obwohl sie in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof wohnt, hat sie keine Schüsse vernommen, da Schallschutzfenster in ihrem Haus verbaut sind. Am Bahnhof seien oft junge Leute unterwegs, vor allem in den Abendstunden, und tränken Alkohol. Früher habe es öfter Schwierigkeiten gegeben, doch der Bahnhof werde seit einiger Zeit abends geschlossen. Randale oder Polizeieinsätze seien aus ihrer Sicht selten.

Eine andere Anwohnerin, die in der Gegend oft mit ihren Hunden spazieren geht, hat ebenfalls nichts von den Schüssen gehört. Sie sei erst am Samstagvormittag durch die zahlreichen Polizeibeamten vor Ort auf das Geschehen aufmerksam geworden. Von einem lauten Knall um etwa halb 4 Uhr morgens berichtet eine andere Passantin, die in der Nähe des Bahnhofs wohnt.

Jugendliche treffen sich öfter im Umfeld

Von dem Geräusch sei sie aufgewacht. „Am Bahnhof geht es schon immer recht zu“, sagt sie. Viele Jugendliche würden sich dort öfter treffen, um Alkohol zu konsumieren. Dass es gegen halb 4 Uhr morgens zu lauten Geräuschen kam, bestätigte eine weitere Dame, die gegenüber des Bahnhofs wohnt. Zweimal habe sie einen Knall gehört.

Bürgermeister Bernd Fessler zeigte sich am Sonntag betroffen von der Gewalttat, äußerte aber auch seinen Ärger über Aussagen, dass man am Bahnhof mulmige Gefühle entwickle.

Die Gemeinde habe eigenes Geld und Fördermittel in die Hand genommen, um das Bahnhofsgebäude zu kaufen und mitsamt dem Gelände zu sanieren. Für Sauberkeit sorge auch der Wirt, der den Pendlern schon morgens Brotzeit anbiete. „Es ist sauber dort“, sagt Fessler, „wir haben uns da viel Mühe gegeben.“

Warum schoss der 22-Jährige auf den 20-Jährigen? Die Polizei hüllt sich noch in Schweigen. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne man zum Motiv und zu weiteren Hintergründen der Tat zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen.

Anwohner berichteten, dass die Polizeibeamten am Samstagmorgen vor allem in der Nähe des Eingangs zur Unterführung aktiv waren.

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