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Schock in Prien: Schön-Kliniken streichen 90 Stellen und verlagern Zentrale nach München

Das Verwaltungsgebäude der Schön-Kliniken in Prien. Die Zentralverwaltung soll nun nach München verlagert werden. Berger
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Das Verwaltungsgebäude der Schön-Kliniken in Prien. Die Zentralverwaltung soll nun nach München verlagert werden. Berger

Paukenschlag für die Region: Die Schön-Klinik-Gruppe streicht bis zu 90 Arbeitsplätze in der Zentralverwaltung und verlagert den Verwaltungssitz weg aus Prien am Chiemsee nach München. Ziel: ein zukunftsfähiges Unternehmen – und eine Kosteneinsparung von bis zu 10 Millionen Euro. Das steckt dahinter.

Prien – Die Verunsicherung ist groß, viele sind schockiert. Heute Morgen haben es die rund 350 Mitarbeiter am Verwaltungssitz in Prien erfahren: Die Schön-Kliniken wollen sich strukturiell neu ausrichten.

Man will effizienter werden, Entscheidungsprozesse dezentralisieren, heißt es von Seiten der Geschäftsführung – was sich wiederum auf die Zentralverwaltung niederschlagen wird. Hier sollen bis zu 90 Arbeitsplätze eingespart werden.

Und die nächste Hiobsbotschaft folgte auf den Fuß: Die Klinik-Gruppe will ihre Zentralverwaltung aus Prien abziehen und nach München verlagern – in Flughafennähe, zugleich aber gut erreichbar für pendelnde Mitarbeiter aus dem Chiemgau, wie es auf Nachfrage heißt. Das soll in den nächsten zwölf Monaten erfolgen, bis spätestens Ende 2020. Das soll in den nächsten zwölf Monaten erfolgen. Hintergrund für diese Entscheidung: die internationale Ausrichtung des Unternehmens mit inzwischen vier Standorten in Großbritannien.

Die Gründer: Else und Franz-Josef Schön

Blick zurück in die Historie: Die Schön-Kliniken und Prien – seit jeher sind die beiden Namen verbunden. 1985 hatten Else und Franz-Josef Schön, die Großeltern des heutigen Klinik-Chefs Chistopher Schön (30), in dem Chiemsee-Ort ihre erste der inzwischen 26 Kliniken gegründet: die Klinik Roseneck, ein Behandlungszentrum für Menschen mit Essstörungen in Prien-Stock.

Orthopädie seit 1993

1993 kam das Feld Orthopädie hinzu: mit der Schön-Klinik Neustadt. 1994 folgte die Schön-Klinik Bad Aibling; später weitere Kliniken im Berchtesgadener Land, in Vogtareuth (2001), Bad Aibling-Harthausen (2008) und die Schön-Klinik Roseneck Standort Rosenheim (2013). Die medizinischen Schwerpunkte: Psychosomatik, Orthopädie, Neurologie, Chirurgie und innere Medizin.

26 Standorte in Deutschland und Großbritannien

Aktuell ist die Klinik-Gruppe an insgesamt 26 Standorten vertreten – von Bayern über Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein bis nach Großbritannien (London und Birmingham). An die 10 600 Mitarbeiter behandeln nach Angaben der Schön-Kliniken jährlich rund 300 000 Patienten.

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Außerdem: Die Klinik-Gruppe ist nach wie vor familiengeführt und damit die größte dieser Art in ganz Deutschland.

Dritte Generation am Zuge

Aktuell ist die dritte Generation der Gründerfamilie Schön am Zuge: Nach Else und Franz-Josef, die 1996 an ihren Sohn Dieter übergaben, ist nun Gründer-Enkel Christopher Schön als Chief Operating Officer (COO) in der kürzlich verschlankten Geschäftsführung vertreten. Neben Christopher Schön bilden die neue Geschäftsleitung CEO Dr. Mate Ivancic und Sascha Roeber als Finanzchef (CFO). Vier geschäftsführende Direktoren werden das Unternehmen im Zuge der Neuausrichtung zum Jahresende verlassen, hatte kürzlich die Klinikleitung mitgeteilt.

Medizincontrolling und Personalabteilung betroffen

Nun trifft es auch die Verwaltung: In den Bereichen Medizincontrolling, Personal, IT und Kostenträgermanagement sollen, wie heute den Mitarbeitern mitgeteilt wurde, bis zu 90 Arbeitsplätze wegfallen. Die ersten Kündigungsschreiben wurden heute, nach persönlichen Gruppengesprächen, sogleich an die betroffenen Mitarbeiter übergeben – mit Kündigung zum 31. Oktober, wie die Schön-Kliniken auf Nachfrage bestätigten.

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Die neue Geschäftsleitung und Dieter Schön (62) persönlich standen den sichtlich schockierten Mitarbeitern heute nach Eröffnung der Umstrukturierungspläne Rede und Antwort – dem Vernehmen nach ein durchaus konstruktiver Austausch, wenn auch bei gedrückter Stimmung.

Kostenersparnis: bis zu 10 Millionen Euro jährlich

Die geplante Dezentralisierung soll nach Angaben der Geschäftsleitung eine stärkere Kooperation zwischen den Kliniken der Gruppe ermöglichen und bessere Möglichkeiten für den Austausch von Kompetenzen und Know-how schaffen. Überdies werden jährlich Kosteneinsparungen von bis zu 10 Millionen Euro für Investitionen in die Zukunft der Klinik-Gruppe erwartet.

CEO Dr. Mate Ivancic dazu: „Wir sind entschlossen, weiterhin stark in die Zukunft unseres Unternehmens und unserer Mitarbeiter zu investieren und müssen sicherstellen, dass wir die notwendigen Mittel für den zukünftigen Bedarf der Gruppe bereitstellen können.“

Christopher Schön: „Höchstmaß an Respekt“

Christopher Schön ergänzt: „Die geplante Reorganisation trägt wesentlich zu unserem Fokus bei, die höchsten Standards in der Patientenversorgung und Qualität zu gewährleisten. Wir werden die Veränderungen mit einem Höchstmaß an Respekt gegenüber den betroffenen Mitarbeitern umsetzen und wünschen ihnen für ihre Zukunft alles Gute.“

Zurück nach Prien: Von hier aus werden bislang unter anderem Einkauf und Buchhaltung für alle Standorte erledigt sowie sämtliche Bauprojekte organisiert. Die Verwaltung hat heute fast doppelt so viele Mitarbeiter (350) wie noch vor zehn Jahren.

Die Schön-Kliniken und Prien

Die Schön-Verwaltung war auf insgesamt sieben Immobilien im Zentrum von Prien verteilt, die von der Gruppe nacheinander gekauft oder angemietet worden waren. Neben dem Hauptgebäude erwarb die Gruppe seinerzeit zum Beispiel ein ehemaliges Caféhaus und baute es zur Mitarbeiter-Cafeteria um. Dreh- und Angelpunkt ist das frühere Hotel „Chiemsee“ an der Seestraße, das aufwendig saniert wurde.

Nicht betroffen von den Einschnitten ist das älteste Haus der Gruppe. Die Klinik Roseneck in Prien-Stock gilt als bundesweit führend bei der Behandlungen psychosomatischer Erkrankungen, unter anderem von Burn Out und Essstörungen. Gerade wurde damit begonnen, den ältesten Trakt aus den 1980er-Jahren für einen zweistelligen Millionenbetrag zu modernisieren. Weil die Klinik absolut ausgelastet ist, wurde auf einer angemieteten Wiese eigens ein dreigeschossiges Bettenhaus in Modulbauweise als Übergangsquartier gebaut.

MdL Klaus Stöttner: „Bedauerlich für die Region“

Als „ausgesprochen bedauerlich“ für die Region beurteilt der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner (CSU) die Pläne der Schön-Kliniken, insbesondere, weil viele hochqualifizierte Arbeitsplätze aus Prien abgezogen würden. Landrats-Stellvertreter Josef Huber sowie die Agentur für Arbeit in Rosenheim wollten sich nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern.

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