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Prozess in Traunstein

Mit diesen Tricks sollen mutmaßliche Schockanrufer Geld und Schmuck im Wert von 600.000 Euro ergattert haben

Die Schockanrufer setzen Senioren mit Schauergeschichten unter Druck, um an deren Geld und Wertsachen zu kommen.
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Die Schockanrufer setzen Senioren mit Schauergeschichten unter Druck, um an deren Geld und Wertsachen zu kommen.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Bis Ende September könnte sich der Prozess um Schockanrufe gegen zwei Polen vor der Jugendkammer am Landgericht Traunstein hinziehen. Die Hauptangeklagte (20) soll dabei nicht nur Senioren aus ganz Deutschland, unter anderem aus Rosenheim, um ihr Erspartes gebracht, sondern auch Gewalt angewandt haben.

Traunstein/Rosenheim – Durch Schockanrufe einer international tätigen Bande im Jahr 2021 sollen Opfer, auch im Rosenheimer Raum, Geld und Schmuck im Wert von insgesamt rund 600.000 Euro eingebüßt haben. Zwei mutmaßliche Täter aus dem polnischen Warschau, eine 20-Jährige und ein 33-Jähriger, müssen sich aktuell vor der Jugendkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Heike Will verantworten. Das zunächst auf fünf Tage terminierte Verfahren zieht sich länger als geplant. Zuletzt hatte der Verteidiger einen zusätzlichen Beweisantrag gestellt.

Haupttäterin bei den Schockanrufen nach bekanntem Muster soll die Frau aus Polen sein. Die Staatsanwaltschaft will sie laut Anklage wegen sechsfachen banden- gewerbemäßigen Betrugs sowie wegen Raubs bestraft wissen. Der 33-Jährige soll fünffache Beihilfe geleistet haben.

Hiobsbotschaften am Telefon

Die Methoden krimineller Banden bei Schockanrufen unterscheiden sich zumeist nur in Details. Zumeist präsentieren nur äußerst selten namentlich zu ermittelnde „Keiler“ vom Ausland aus via Telefon Familienangehörigen oder Freunden irgendwelche schlimmen Hiobsbotschaften, zum Beispiel über Verkehrsunfälle von deren Kindern, Bekannten oder Arbeitskollegen. Nur sofortige finanzielle Hilfe mit Geld und/oder Wertgegenständen könne die Unfallverursacher vor dem Gefängnis bewahren, wird behauptet.

Um eine extreme Notlage zu unterstreichen, sind während des Telefonats häufig im Hintergrund schrille Hilfeschreie zu hören. Die Täter bauen einen extremen psychischen Druck auf die Opfer auf. Über Logistiker in der Nähe der Tatorte werden Fahrer und Abholer der Beute aktiv.

Die 20-Jährige, für die wegen ihres Alters noch die Jugendkammer zuständig ist, soll als eine der Abholerinnen fungiert haben. Dabei soll sie mit dem 33-Jährigen als Fahrer am 18. Mai 2021 in Rosenheim zunächst von einer Geschädigten 42.000 Euro und etwas später am gleichen Tag weitere 46.000 Euro von einer anderen Geschädigten in Empfang genommen haben. Vier Tage später wurden ein drittes und viertes Opfer um 23.000 Euro beziehungsweise 10.000 Euro geprellt.

Die größte Einzelbeute machte die Bande in Kassel am 25. Juni 2021 mit kostbarem Schmuck von namhaften Designern und Edeluhren im Gesamtwert von über 295.000 Euro. Der „Keiler“ hatte telefonisch eine „Polizistin“ angekündigt. Als die Angeklagte den Schmuck an der Haustüre kassieren wollte, kamen der Zeugin Bedenken. Sie forderte die angebliche „Polizistin“ auf, sich auszuweisen. Die 20-Jährige weigerte sich. Da ging die Kasselerin zurück in ihre Wohnung.

Mit Gewalt entrissen

Der „Keiler“, immer noch am Telefon, bestand auf der Übergabe des Schmucks. Die Zeugin ging zwar zurück zum Hauseingang, wollte der „Polizeibeamtin“ dennoch nicht ihre Preziosen aushändigen. Da soll ihr die 20-Jährige die Wertsachen unter Anwendung von Gewalt entrissen haben. Folge war ein Bluterguss am Arm der Geschädigten. Die Täterin und der 33-Jährige am Steuer des Fluchtwagens flüchteten.

Zudem soll die 20-Jährige alleine bei mehreren ähnlichen Straftaten im Frühjahr 2021 im nordbayerischen Raum eine Gesamtbeute von 83.000 Euro im Auftrag der Bande entgegengenommen haben.

Die Kammer legte jetzt weitere Prozesstage am 19. und 22. August sowie am 12., 16., 23. und 26. September fest. Die Sitzungen am 22. August und am 12. September werden allerdings nur sehr kurz sein: Es handelt sich um sogenannte „Schiebetermine“, um die gesetzlich fixierten Fortsetzungsfristen einhalten zu können.

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