Wegen Sportplatz-Plänen zerstritten

Schmähbriefe gegen Bürgermeister in Ramerberg: Wirbel um Ermittlungen der Kripo

Auch hinter Scheibenwischer wurden die Schmähzettel gehängt. Seitdem die Kripo ermittelt, ist es jedoch in Ramerberg zu keinen Vorfällen mehr gekommen.
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Auch hinter Scheibenwischer wurden die Schmähzettel gehängt. Seitdem die Kripo ermittelt, ist es jedoch in Ramerberg zu keinen Vorfällen mehr gekommen.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Wenn die Kripo anruft, klingeln die Alarmglocken: So auch beim Sportverein (SV) Ramerberg, der sich zu Unrecht ins Visier von polizeilichen Ermittlungen gedrängt fühlt. Es geht um anonyme Schmähschriften gegen Bürgermeister Manfred Reithmeier.

Ramerberg – Vorstandsmitglieder des SV Ramerberg haben Anrufe vom Staatsschutz bei der Kriminalpolizei erhalten. Hintergrund: ein „Satirebladl“, das im vergangenen Jahr im Dorf ausgelegt wurde. Die Schmähschriften verunglimpfen Bürgermeister Manfred Reithmeier und seine Stellvertreter und widmen sich dem Streitthema Nummer eins im Dorf: dem vom SV geplanten und sehr kontrovers diskutierten Neubau des Sportplatzes in Zellereit.

Kripo hat noch keine richtig heiße Spur

Manfred Reithmeier.

Reithmeier hatte nach wiederholtem Auftauchen der Pamphlete und zuletzt eskalierender Wortwahl in den Schreiben Anzeige bei der Polizei Wasserburg erstattet. Die Kripo übernahm die Ermittlungen. Laut Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, „gibt es noch keine richtig heiße Spur“. Der Staatsschutz sei mit der Aufklärung beauftragt worden. Dass strafbare Inhalte wie Beleidigungen und Verleumdungen in den Pamphleten verbreitet worden seien, sei unstrittig.

Dass sich die Kripo in diesem Zusammenhang ein Bild vor Ort mache und mit vielen Auskunftspersonen und Zeugen spreche, „ist gängige Arbeit der Ermittler“ und lässt sich nicht vermeiden, sagt Sonntag. In der Tat ist seit Langem bekannt, dass Ramerberg über den geplanten Neubau des Sportplatzes zerstritten ist.

Gemeinderat Ramerberg ist in der Frage gespalten

Zwei Lager stehen sich unerbittlich gegenüber: Der Sportverein, der gerne in Zellereit bauen möchte, und Gegner, zu denen Anlieger sowie um das Landschaftsbild besorgte Bürger gehören. Auch der Gemeinderat ist zu diesem Thema gespalten. Reithmeier sucht derzeit nach Alternativen für den vom Sportverein gewünschten Standort. Der SV sorgt sich angesichts schwieriger Verhältnisse am Alt-Standort um seine Zukunft.

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Diese Thematik greifen die Schmähbriefe auf, die sich vor allem gegen den Bürgermeister und seine beiden Stellvertreter wenden. Auch der SV Ramerberg erhielt im Rahmen der Ermittlungen deshalb Anrufe der Polizei. Vorsitzender Andreas Baumgartner sagt, das Gespräch sei sehr höflich verlaufen, „alles okay“. Doch der Vorstand schreibt in einem Brief, der am Wochenende an alle Haushalte verteilt wurde: „Laut der Kriminalpolizei wurden die Ermittlungen in Richtung des SV Ramerberg durch Aussagen des Bürgermeisters gelenkt. Konkret soll Herr Reithmeier gegenüber der Kriminalpolizei geäußert haben, dass der SV Ramerberg die Gemeinde spalte“. Durch diese Aussagen seien Amtsträger des Vereins ins Visier der Ermittlungen geraten.

Andreas Baumgartner.

„Wir empfinden es als Unverschämtheit, mit diesem Thema in Verbindung gebracht zu werden.“

Vorstand des SV Ramerberg zu den Schmähschriften gegen den Bürgermeister

Der SV Ramerberg habe weder Satireschriften verfasst, noch verteilt oder veröffentlicht, wehrt sich der Vorstand. „Wir empfinden es als Unverschämtheit, mit diesem Thema in Verbindung gebracht zu werden.“

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Reithmeier betont auf Anfrage der Wasserburger Zeitung, er habe keine Aussage mit dem Tenor, der SV Ramerberg würde die Gemeinde spalten, bei der Polizei gemacht. Gegen diesen Vorwurf verwahre er sich. Er habe den Ermittlern lediglich berichtet, „was so läuft in der Gemeinde, ganz neutral, ohne jemanden zu beschuldigen. Denn herauszufinden, wer die Schriften verfasst hat, ist Aufgabe der Polizei.“ Für Hinweise, die zur Ermittlung des Unbekannten führen, hat Reithmeier eine Belohnung von 2000 Euro ausgesetzt.

Nach wie vor keine Ruhe im Dorf

Einen Anruf von der Polizei erhielt auch sein Vorgänger im Amt, Georg Gäch, der bei der Kommunalwahl im März knapp unterlegen war und als Befürworter eines neuen Sportplatzes in Zellereit gilt. Gäch hat nach eigenen Angaben nach einem Telefonat mit der Kripo auf eigenen Wunsch „eineinhalb Stunden lang beim Staatsschutz gesessen“ und sich zur Sachlage geäußert. Auch er sagt, trotz der Tatsache, dass er im Dorf sehr gut vernetzt sei: „Ich weiß nicht, wer hinter den Schmähschriften steckt – und ich bin froh, dass ich es nicht weiß.“

Gäch verurteilt die Pamphlete, die nach Einschätzung der Polizei absichtlich in schlechtem Deutsch mit vielen Rechtschreibfehlern geschrieben wurden und keinen Verfasser nennen. „Wenn ich etwas zu kritisieren habe, muss ich mit meinem Namen dazu stehen“, bezieht sich Gäch auf die Anonymität der Verfasser.

Wer ist verantwortlich für die schlechte Stimmung im Dorf?

Trotzdem könne er den Wirbel um die Schmähschriften nicht nachvollziehen. Konkrete Drohungen gegen seinen Nachfolger seien aus den Schreiben nicht heraus zu interpretieren, findet er. „Wer austeilt, muss auch einstecken können“, wirft Gäch seinen Amtsnachfolger vor, die schlechte Stimmung im Dorf gefördert zu haben.

Reithmeier wiederum schießt der Ball zurück. Er sei „sehr enttäuscht“ darüber, dass der SV Ramerberg mit dem Schreiben an die Haushalte erneut Öl ins Feuer gegossen und ihn persönlich mit Namensnennung öffentlich angegriffen habe, findet er. „So kriegen wir nie Ruhe im Dorf“, meint der Bürgermeister. Er und der Gemeinderat seien dran an einer vernünftigen Lösung für den Sportplatz. Dieses Bemühen werde durch Schreiben wie jenes des Sportvereins untergraben.

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