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Schlimmstes Hochwasser seit 1899

Kurz vor dem Überlaufen: Die Mangfall gestern Abend in der Kolbermoorer Innenstadt.  Fotos reisner, Gantner, richter, heck, ammelburger, dpa, neumeier
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Kurz vor dem Überlaufen: Die Mangfall gestern Abend in der Kolbermoorer Innenstadt. Fotos reisner, Gantner, richter, heck, ammelburger, dpa, neumeier

2010 war es knapp, 2005 fehlten nur wenige Zentimeter zur Katastrophe - doch gestern kam es schlimmer als befürchtet. Über die Region brach eine Jahrhundertflut herein: das schlimmste Hochwasser seit 1899. Vor allem an der Mangfall spielten sich am Nachmittag und abends dramatische Szenen ab. In Rosenheim und Kolbermoor drohten Dämme zu brechen, wurden Menschen evakuiert, das Wasser drückte in Häuser und Keller. Dabei wurden die höchsten Pegelstände erst für Mitternacht erwartet. Die Kreise Rosenheim und Traunstein lösten Katastrophenalarm aus, bei Grabenstätt wurde die meterhoch unter Wasser stehende A8 gesperrt.

Rosenheim/Traunstein - Während sich die Krisenstäbe in den Landratsämtern auf das Schlimmste gefasst machten, meldeten zahlreiche Kommunen im Raum Rosenheim und im Chiemgau schon gestern Morgen "Land unter". Teilweise war es schon in der Nacht auf Sonntag zu Rettungsaktionen gekommen - zum Beispiel bei Prien, wo ein Ehepaar mit Booten aus einem unter Wasser stehenden Bauernhof geholt werden musste.

Am Nachmittag spitzte sich die Lage vor allem an der Mangfall zu. Einsatzkräfte kamen von überall her und schafften Sandsäcke heran. Allein Feuerwehrler aus Ottobrunn, Taufkirchen und Unterschleißheim brachten 10 000 Stück nach Bad Aibling, wo sich Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber gegen 14 Uhr bei Willing ein Bild von der höchst angespannten Situation machte und von einem "hundertjährigen Hochwasser" sprach.

Gut eine Stunde später brachen Einsatzkräfte den Damm bei Feldolling (Gemeinde Feldkirchen-Westerham) auf - etwa 60 Meter unterhalb der Mangfallbrücke. Das sollte die Ortschaften und Städte weiter flussabwärts vor Überflutungen verschonen. Die Wassermassen liefen auf eine landwirtschaftliche Fläche, die vom Wasserwirtschaftsamt schon seit 15 Jahren als Hochwasserüberlaufbecken ins Auge gefasst wird. Nach den Worten von Konrad Moritz, Leiter des Hochwassernachrichtendienstes beim Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, haben heftige Widerstände verschiedener Bürgerinitiativen bisher das Ausweisen des Polders verhindert.

Nach dem Deichdurchstich - abgeflossen sind eine Million Kubikmeter - stieg der Mangfallpegel weiter. Gegen 17 Uhr lag er in Kolbermoor nur noch 38 Zentimeter unter der Überlaufkante, mit immer stärkerer Fließgeschwindigkeit. Um 17.30 Uhr lag der Abfluss bei 280 Kubikmeter pro Sekunde, erwartet wurden in den folgenden Stunden 300 - normalerweise sind es acht Kubikmeter pro Sekunde.

Konrad Moritz ließ schon zu diesem Zeitpunkt keinen Zweifel daran, dass es sich um das größte Hochwasser in der Region seit 1899 handelt.

Den ganzen Tag über waren an vielen Stellen Hilfskräfte zur Deichverteidigung im Einsatz. Das Überlaufen der Mangfall in Kolbermoor konnten sie nicht verhindern. Auch im Süden von Rosenheim kam es in den Stadtteilen Schwaig und Aisingerwies zu großflächigen Überschwemmungen. In Kolbermoor, in der Schwaig und später auch in Oberwöhr wurden ganze Straßenzüge evakuiert. In Oberwöhr wurde gegen 21.45 Uhr der erste Dammbruch auf Höhe der Kirche gemeldet.

Alle betroffenen Bewohner wurden aus den Evakuierungszonen in die Pauline-Thoma-Schule und in die Volksschule Rosenheim-Fürstätt gebracht, wo Notlager eingerichtet wurden.

In allen staatlichen Schulen in Stadt und Landkreis Rosenheim sowie im Kreis Traunstein fällt heute der Unterricht aus. Das betrifft auch die für heute angesetzten Abiturprüfungen. Die Krones AG, die im Rosenheimer Werk 1000 Mitarbeiter beschäftigt, bleibt wegen der Flut ebenfalls geschlossen.

Die Rettungsleitstelle zählte bis zum Nachmittag rund 800 Feuerwehr-Einsätze in Stadt und Landkreis Rosenheim. Pausenlos legten die Wehrmänner Sandsäcke, Pumpen und mobile Wasserrückhalteschläuche aus. Die Mangfall-Anwohner wurden durch Feuerwehr und Ordnungsamt mit Lautsprecherdurchsagen gewarnt, kostbares Hab und Gut in Sicherheit zu bringen und Autos zu entfernen.

Ab Sonntagvormittag war auch die Autobahn A8 bei Grabenstätt wegen Überflutung in beiden Richtungen total gesperrt. Es kam zu langen Staus - zumal auch die örtlichen Umleitungsstrecken nicht befahrbar waren.

Sprunghaft stieg am Abend die Zahl der überfluteten Straßen an. Straßenmeistereien, Autobahnmeistereien und Feuerwehren waren unablässig damit beschäftigt, überflutete Straßen zu sperren und zu kennzeichnen.

Im Chiemgau traf es vor allem Prien und Marquarstein. Dort waren die Feuerwehren schon am Samstagabend ab 20 Uhr im Dauereinsatz. Zwischen Grassau und Bergen kam es zu einem Murenabgang. Teilweise überflutet wurde am Samstagabend ein Campingplatz in Inzell. Dort mussten Camper auf Notbetten im Aufenthaltsgebäude untergebracht werden.

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