Schläge mit Mixer? Mann (25) muss sich in Traunstein wegen versuchten Totschlags verantworten

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Weil er eine Frau in Frasdorf mit einem schweren Küchenmixgerät bis zur Bewusslosigkeit geschlagen haben soll, muss sich ein 25-jähriger Somalier jetzt vor dem Schwurgericht Traunstein verantworten. Die Anklage legt dem Mann versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung zur Last.

Von Monika Kretzmer-Diepold

Traunstein/Frasdorf/München – Ein 25-jähriger somalischer Flüchtling aus München soll nach einem Streit eine Asylbewerberin in deren Zimmer in Umrathshausen mit Händen, Fäusten und einem 1,7 Kilogramm schweren Küchenmixgerät massiv verletzt und bewusstlos liegen gelassen haben. Er muss sich seit gestern wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verantworten.

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Die Tat ereignete sich am 2. Juli 2019 zwischen Mitternacht und ein Uhr während eines Besuchs des Angeklagten bei der Frau. Was in dem Zimmer genau geschah – darüber klaffen die Angaben der Nebenklägerin und des mutmaßlichen Täters weit auseinander.

Zentrale Ermittlungsergebnisse der Rosenheimer Kripo

Die Anklage von Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner stützt sich auf die Aussagen der Frau und zentrale Ermittlungsergebnisse der Kripo Rosenheim. Demnach war der Somalier abends mit der Bahn von München angereist. In der Wohnung machte er der Frau sexuelle Avancen, die die Landsfrau jedoch zurückwies. Das akzeptierte der 25-Jährige nicht, versuchte stattdessen, sie zu entkleiden. Als sich die Frau wehrte, schlug er ihr laut Anklage mit Hand oder Faust einige Male ins Gesicht. Um sich zu verteidigen, packte ihn die Geschädigte am Hoden.

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Nachdem er versprochen hatte, aufzuhören, ließ sie ihn los. Daraufhin soll der Angeklagte zahlreiche Male auf Kopf, Gesicht, Hals und Oberkörper eingedroschen haben – mit Händen, Fäusten und dem schweren Küchengerät. Die Frau verlor das Bewusstsein. Das stabile Metallgehäuse trug eine Delle davon.

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Eine Zeugin wurde gegen Mittag auf ungewohnte, jammernde Geräusche aus dem Nachbarraum aufmerksam und informierte das Personal. Die Helfer einschließlich Polizei, Notarzt und Rettungswagenbesatzung fanden das Opfer hilflos mit dem Rücken zur Wand am Boden sitzend vor. Die Asylbewerberin hatte aufgrund der Verletzungen weder laut um Hilfe rufen noch das Zimmer verlassen können, heißt es in der Anklage.

Brüche im Bereich der Lendenwirbelsäule

Die junge Frau kam per Rettungshubschrauber ins Klinikum Traunstein, wo sie rund drei Wochen stationär behandelt werden musste. Ärzte stellten mehrere Brüche im Bereich der Lendenwirbelsäule fest, zahlreiche massive Blutergüsse und Schwellungen, Riss-Quetsch-Wunden und eine Nasenbeinfraktur. Die Nebenklägerin konnte damals ob der Schwellungen im Gesicht zum Beispiel die Augen nicht mehr öffnen. Der Staatsanwalt geht von potenziell lebensgefährlichen Verletzungen aus.

Der Angeklagte selbst berief sich gestern auf sein Schweigerecht und ließ seinen Verteidiger, Raphael Botor aus Rosenheim, eine Erklärung vortragen. Demnach spielte sich alles ganz anders ab. Man habe seit einem Jahr eine intime Beziehung gehabt. Die Frau sollte Kontakte auch zu anderen Männern gehabt und von ihm für Sex Geld verlangt haben.

Hohen Alkoholkonsum ins Feld geführt

Diese Darstellung tauchte gestern allerdings erstmals auf. Nie zuvor hatte der Angeklagte in Vernehmungen derartiges behauptet. Der Verteidiger erwähnte einen hohen Alkoholkonsum des 25-Jährigen in jener Nacht. Über die Art des Geschlechtsverkehrs sollte ein Streit entbrannt sein. Angeblich wollte die Frau den Besucher nicht gehen lassen. Deshalb soll sie ihn am Hoden gegriffen und fest zugedrückt haben.

In Notwehr und um sich zu befreien wollte der Mann zugeschlagen haben – aber nur mit Händen und Fäusten, vielleicht auch mit einer Dose, aber keinesfalls mit dem Mixer. Zu keiner Zeit sei die Nebenklägerin ohnmächtig geworden, so der Anwalt. Als der 25-Jährige ging, sei die Frau in der offenen Tür gestanden, lautete die Version des Angeklagten. Er sei am Morgen in Umrathshausen in den ersten Zug nach Prien gestiegen und zurück nach München gefahren.

Seit 2014 in Deutschland

Der 25-Jährige stammt aus einem Dorf nahe Mogadischu, besuchte sieben Jahre lang die Koranschule seines Vaters. Nach Schwierigkeiten mit einer militanten Bewegung bat ihn der Vater 2014, Somalia zu verlassen. Über Äthiopien, Libyen und Italien landete der junge Asylbewerber in München. Nach seiner Klage gegen den ablehnenden Bescheid erhielt er subsidiären Schutz in der Bundesrepublik und ging einer geregelten Arbeit nach.

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Gestern kamen die ersten Zeugen zu Wort, darunter mehrere Polizeibeamte aus Rosenheim und Prien. Sie informierten über viele Blutspuren in dem Tatzimmer, über Genmaterial des Angeklagten, auch zum Beispiel an dem Mixer, und weitere Hinweise auf eine Täterschaft des 25-Jährigen.

Telefondaten führen auf die Spur des Angeklagten

Das Handy der Nebenklägerin, der Opferanwältin Heike von Malottki aus Landshut beisteht, fanden Ermittler völlig zerstört in dem Zimmer. Nachdem keine Daten mehr ausgelesen werden konnten, wurden auf anderem Weg bei der Frau eingehende Telefonate überprüft. Dies führte auf die Spur des Angeklagten, der drei Tage später an seinem Arbeitsplatz vorläufig festgenommen wurde und seither in Untersuchungshaft saß.

Der Prozess geht am morgigen Donnerstag, 9. Januar, sowie am 20. und 24. Januar weiter.

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