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Prozess um Schießerei am Bahnhof Großkarolinenfeld am Landgericht Traunstein

Schießerei in Großkaro - Opfer: „Dann hab ich nach unten geschaut und habe Blut gesehen“

Schießerei am Bahnhof in Großkarolinenfeld
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Der Bahnhof in Großkarolinenfeld war Schauplatz der Schießerei.
  • Jennifer Bretz
    VonJennifer Bretz
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In der Nacht auf den 26. September 2020 wurde ein junger Mann am Bahnhof in Großkarolinenfeld durch eine Schusswaffe schwer verletzt. Die Polizei konnte kurze Zeit später einen Tatverdächtigen (23) festnehmen. Der muss sich jetzt vor dem Landgericht Traunstein verantworten.

Update, 16.43 Uhr - Verhandlunug unterbrochen

Die Verhandlung wurde für den heutigen Tag unterbrochen. Der Prozess wird am Freitag, 16. April 9 Uhr fortgesetzt. Ein Urteil wird für Montag, 19. April erwartet.

Update, 15.26 Uhr -  Angeklagter zum Opfer: „Es tut mir aufrichtig Leid“

Sowohl ein 23-Jähriger, der bei der Tat ebenfalls anwesend gewesen sein soll als auch eine 20-Jährige Frau, die mit dem Angeschuldigten das Drogengeschäft mutmaßlich abgewickelte, machen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Gegen den 20-Jährigen Geschädigten, den Freund der Frau, wurde ein Strafermittlungsverfahren wegen eines Drogengeschäftes eingeleitet.

Dieser will sich vor Gericht zur Sache aber nur zum Teil äußern. Den Angeklagten kenne er nicht. Unter welchen Umständen er an dem Abend nach Großkarolinenfeld gefahren sei, wisse er nicht mehr. Der Geschädigte habe bemerkt, dass der Angeklagte eine Waffe gezogen hat. „Ich hab mir dann gedacht ‚oh, jetzt wird’s brenzlig‘ und bin dann auf ihn zu und wollte ihn entwaffnen. Dann hat er mir in den Bauch geschossen.“ Zunächst habe er gedacht es wäre eine Schreckschusspistole.

„Dann hab ich nach unten geschaut und habe Blut gesehen. In dem Moment ist der Angeklagte dann weggelaufen.“ Ein Beteiligter habe dann Polizei und Krankenwagen gerufen und der Geschädigte, der derzeit eine Betäubungsmitteltherapie absolviert, wurde im Krankenhaus Rosenheim notoperiert. Zwei Tage lag er in Folge des Schusses im Koma und musste elf Tage im Krankenhaus verbringen.

Wie es zu dem Schuss kam, wisse er nicht mehr genau. „Ich habe gehört, wie er durchgeladen hat. Ob sich der erste Schuss in einer Handbewegung gelöst hat kann sein, aber ich kann es nicht mehr genau sagen.“ Der zweite Schuss sei unmittelbar danach gefallen. „‘Tschuldigung, Tschuldigung, sie kriegt schon ihr Geld‘ hat der Angeklagte gesagt.“

Der Angeklagte richtet sich nun an den Geschädigten und sagt: „Es tut mir aufrichtig und aus voller Seele Leid, ich möchte ein drogenfreies Leben führen.“ Der Geschädigte nimmt die Entschuldigung an. Auch die 4000 Euro Schmerzensgeld, die der Angeklagte dem Opfer anbietet, nimmt er an.

Update, 13.58 Uhr - Schüsse in Großkaro: War Angeklagter nicht vernehmungsfähig?

Der Angeklagte will sich vor Gericht zur Sache nicht äußern, möchte sich aber bei dem Geschädigten entschuldigen und ihm außerdem einen Geldbetrag von 4000 Euro übergeben.

Laut des Gutachtens eines Facharztes für Psychiatrie am Inn Salzach Klinikum in Wasserburg habe der Angeklagte im Laufe seines Lebens viele Drogen konsumiert und würde gerne eine Therapie machen. Seine Jugend sei geprägt gewesen von falschen Freunden und Drogenkonsum. Seine Eltern habe er nicht gekannt. Der aus Odessa stammende 23-Jährige sei mit fünf Jahren nach Deutschland gekommen und dort adoptiert worden. Zuvor habe er in einem Kinderheim in der Ukraine gelebt.

Zu der Tat äußerte sich der Angeklagte gegenüber dem Psychiater dahingehend, dass er sich mit einer alten Freundin treffen wollte, um bei ihr Drogen zu kaufen. Es sei bei dem Treffen zu einem Gerangel gekommen, bei dem sich Schüsse gelöst hätten. Dann sei er geflüchtet und habe sich in einem nahegelegenen Park versteckt, wo er dann ohnmächtig geworden sei. Bei seiner Flucht will der Angeklagte noch beobachtet haben, dass ein ein Schuss gefallen sei.

Ein Sachverständiger des bayerischen Landeskriminalamtes für Schusswaffen berichtet vor Gericht, dass das Modell mit dem geschossen wurde, eigentlich eine Schreckschusswaffe sei, die offenbar manipuliert und auf kleinere Munition umgestellt wurde. „Im Kampfgeschehen kann es durchaus passieren, dass sich ein Schuss versehentlich löst“, so der Gutachter.

Verteidiger Peter Weitzdörfer möchte vor Gericht ein Verwertungsverbot für die Aussagen seines Mandanten bei der Polizei erwirken, da der Angeklagte nach seiner Auffassung von den vernehmenden Beamten nicht ordnungsgemäß belehrt wurde und nicht vernehmungsfähig gewesen sei, da er übermüdet gewesen sei unter Drogen gestanden habe. 

Update, 9.58 Uhr - Wegen fünf Gramm Marihuana und fünf Ecstasy-Tabletten geschossen?

Laut Anklageschrift soll sich der Angeklagte am 26. September 2020 gegen 3.15 Uhr mit einer Frau, die in Begleitung des späteren Geschädigten und einem weiteren Mann Bahnhofsplatz in Großkarolinenfeld getroffen haben, um ein zuvor über den Messenger-Dienst von Facebook vereinbartes Betäubungsmittelgeschäft abzuwickeln.

Der Angeschuldigte und die Frau hatten zuvor vereinbart, dass dem Angeschuldigten fünf Gramm Marihuana und fünf Ecstasy Tabletten zum Preis von 260 Euro übergeben werden sollen.

Der Angeklagte soll kein Geld, dafür aber eine Schusswaffe dabei gehabt haben, versteckt im hinteren Hosenbund, um diese gegebenenfalls einsetzen zu können, wenn es Probleme bei der Übergabe der Betäubungsmittel gibt. Als die Frau dem Angeschuldigten die Tüte mit den Betäubungsmitteln übergab und den vereinbarten Kaufpreis forderte, soll es es zu einem zunächst verbal geführten Streit zwischen den Beteiligten gekommen sein, da der Angeklagte erklärte, er habe keinerlei Barmittel bei sich. Er soll dann, wie von ihm auch zuvor so geplant, die geladene Schusswaffe gezogen und diese gegen die Frau und deren Begleiter, die wenige Meter von ihm entfernt standen, gerichtet haben.

Als der spätere Geschädigte auf den Angeschuldigten zuschritt, um ihn zu entwaffnen, soll es laut Anklageschrift zu einem Gerangel zwischen den beiden gekommen sein und der Angeschuldigte soll in Tötungsvorsatz zumindest zweimal den Abzug der Schusswaffe betätigt und den Geschädigten hierbei aus einer kurzen Distanz von höchstens zehn Zentimetern im Bauchbereich getroffen haben. Bei dem Gerangel habe der Angeschuldigte die Schusswaffe verloren und sei geflüchtet.

Vorbericht

Großkarolinenfeld/Traunstein - In der Nacht von Freitag auf Samstag, 26. September 2020, kam es im Bereich des Bahnhofs in Großkarolinenfeld zu einer brutalen Gewalttat. Ein damals 20-jähriger Mann erlitt dabei eine schwere Schussverletzung und musste noch in der Nacht notoperiert werden. Er befand sich zeitweise in Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat Anklage wegen versuchten Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes gegen den 23-jährigen Tatverdächtigen, der kurze Zeit nach der Tat festgenommen wurde, erhoben. Der sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Treffen soll abgesprochen gewesen sein

Laut Anklageschrift soll das Treffen des Angeklagten und des Geschädigten abgesprochen gewesen sein. Das Opfer sei die Begleitung einer Frau gewesen, die mit dem Angeklagten ein Betäubungsmittelgeschäft vereinbart habe, das in jener Nacht abgewickelt werden sollte. Dabei soll der Angeklagte eine Waffe mitgeführt haben, um diese gegebenenfalls einsetzen zu können, sollte es Probleme bei der Übergabe der Betäubungsmittel geben.

Bei der Übergabe soll es dann zu einem zunächst verbal geführten Streit zwischen den Beteiligten gekommen sein. Die verbale Auseinandersetzung soll schließlich in ein Gerangel zwischen dem Geschädigten und dem Angeklagten übergegangen sein, das darin gipfelte, dass der Angeschuldigte in Tötungsvorsatz den Abzug der Schusswaffe betätigt haben soll.

Bahnhof sei beliebter Treffpunkt für Jugendliche gewesen

Anwohner zeigten sich am Tag darauf im Gespräch mit rosenheim24.de von dem Vorfall nur wenig überrascht. Der Bahnhof sei in letzter Zeit ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche gewesen. Viele von ihnen hätten nach Meinung eines Nachbarn das Potential, in die Kriminalität abzurutschen.

Großkarolinenfelds Erster Bürgermeister Bernd Fessler sieht das jedoch anders. Wie er im Gespräch mit rosenheim24.de sagte, sei der Bahnhof in seiner Gemeinde nie groß aufgefallen. „Die Anwohner, der Wirt und auch die Polizei berichten alle, dass der Bahnhof nie Treffpunkt für zwielichtige Gestalten gewesen sei“, so Fessler.

jb

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