Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Leiter des Gas-Speichers Inzenham-West gibt Einblick

Die Gas-Speicher in der Region Rosenheim sind gut gefüllt - doch die Sorgen bleiben

Horst Geier, Betriebsführer des Nafta-Speichers Inzenham West in Schechen, kümmert sich um einen der größten Erdgasspeicher Europas.
+
Horst Geier, Betriebsführer des Nafta-Speichers Inzenham-West in Schechen, kümmert sich um einen der größten Erdgasspeicher Deutschlands.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
    schließen

Die Gasspeicher in der Region Rosenheim sind aktuell gut gefüllt. Horst Geier, der Betriebsführer des Nafta-Speichers Inzenham-West, weiß jedoch genau, mit wie viel Gas zu rechnen sein wird. Er warnt nicht nur vor einem kalten Winter. 

Schechen - Im Sommer diesen Jahres hat Horst Geier eine klare Anweisung von der Bundesregierung bekommen. Gemäß dem neuen Gasspeichergesetz sollten alle Speicher im Oktober zu 80 Prozent, im November bereits zu 90 Prozent gefüllt werden.

Speicherstand sogar höher als 2021

Diese Herausforderung konnte der slowakische Betreiber Nafta zunächst auch ohne russische Beteiligung lösen: „Im Moment sind wir nahezu komplett gefüllt”, meint Geier. Obwohl der Stand laut der europäischen Gasspeicher-Datenbank „Aggregated Gas Storage Inventory“ damit sogar um 30 Prozentpunkte höher ist als im November des Vorjahres, ist der Betriebsleiter aber alles andere als beruhigt.

Denn der hohe Füllstand sei lediglich eine Momentaufnahme. „Die üblichen Pipelines aus Russland fehlen uns. Diese Menge können Anbieter aus anderen Ländern nicht so schnell ersetzen.” Das bedeutet: Wenn das Gas wirklich knapp werden sollte, ließe sich das Gestein in rund 700 Meter Tiefe bei weitem nicht mehr so schnell befüllen. 

Die tonnenschwere Gasturbine treibt die Anlage im Erdgasspeicher Inzenham West an.

Ein Indiz, dass die trügerisch ruhige Lage bald zu Ende sein könnte, ist für Geier die Preisentwicklung nach dem milden Wetter im Oktober. Laut den Daten der Bundesnetzagentur ist der Gaspreis im November von rund 30 Euro pro Megawattstunde auf knapp 150 Euro pro Megawattstunde gestiegen. 

Diese hohe Nachfrage auf dem Markt bekommt auch Geier zu spüren. Die Gasverteiler, die jeden Tag zwischen 18 und 19 Uhr ihre Anweisungen zur Befüllung oder Entnahme an den Speicher übermitteln, ließen eine klare Tendenz erkennen. „Einpressen will aktuell keiner unserer Kunden mehr”, stellt der Schwaberinger fest. 

Ausnahmesituation nicht nur in Schechen

In all seinen 37 Jahren in der Branche habe Geier noch nie solch eine Ausnahmesituation erlebt. Es habe zwar immer wieder Engpässe gegeben. Ein solche Preisexplosion aufgrund des fehlenden Angebots aus Russland sei aber mit nichts zu vergleichen. 

Ein weiteres Problem für den Ernstfall sieht der Betriebsleiter im zwangsweise sinkenden Druck der sich leerenden Speicher. Um das Gas, das in dem aus Sandstein bestehenden Porenspeicher eingepresst wird, zu entnehmen, bedarf es eine gewisse Menge an Gasvolumen. Je geringer dieses Volumen ist, desto niedriger ist auch der Druck, um das Gas herauszupressen. „Schon bei einem Füllstand unter 50 Prozent bekommen wir schon deutlich weniger raus”, erklärt Geier. Dementsprechend kann und darf der Speicher nicht komplett geleert werden. 

Ob die Gasversorgung bei einem kalten Winter letztendlich reichen wird, könne Geier nicht mit Bestimmtheit sagen. Gemäß den Vorgaben der Bundesregierung sollen alle Lager im Februar noch mindestens 40 Prozent voll sein. „Wir werden dahingehend unseren Job machen“, betont der Schwaberinger.

Er spreche damit für rund 70  Mitarbeiter, die einen rund um die Uhr geführten Betrieb an den drei Standorten ermöglichen. Die Speicher in Schechen, Breitbrunn/Eggstätt und Ebersberg decken laut dem Betreiber mit rund 1,8 Milliarden Kubikmeter Gasvolumen rund 60 Prozent der Reserven in ganz Bayern ab. Damit das künftig auch so bleibt, sieht Geier eigentlich nur zwei Möglichkeiten. „Wir müssen alle zusammen Energie sparen und zusätzlich weitere Fördermöglichkeiten in der Region nutzen.” 

Lage für kommende Winter ungewiss

Mit einem Blick über den aktuellen Füllstand hinaus kann Geier kein genaues Datum nennen, ob und wann es mit dem Gas eng werden könnte. Zwar könnten die aktuellen Lieferanten aus Belgien, Niederlande oder Norwegen vielleicht diesen Winter, wenn auch zu hohen Preisen, den Bedarf zunächst abdecken. Ob der Stand aber auch im nächsten November wieder bei 100 Prozent liegt, um irgendwie durch die kalte Jahreszeit zu kommen, wage der Betriebsführer zu bezweifeln.

Kommentare