Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


PROZESS UM TÖDLICHEN VERKEHRSUNFALL

Samerberg-Prozess: Zeuge bekommt Todes-Drama an Miesbacher Straße nicht aus dem Kopf

Der Unfallort: Links der Golf des eigentlichen Unfallverursacher, rechts der BMW eines der Männer, die den Golffahrer provoziert haben sollen. Foto: Reisner
+
Der Unfallort: Links der Golf des eigentlichen Unfallverursacher, rechts der BMW eines der Männer, die den Golffahrer provoziert haben sollen.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
    schließen

Die Neuauflage des Berufungsprozesses von Sebastian M. vor dem Landgericht in Traunstein, fünfter Tag. Ein paar Zeugen können oder wollen sich nicht erinnern. Einer erinnert sich an etwas, was es womöglich nie gab. Und zwei können nicht vergessen.

Traunstein - Nach all den Zeugen, die erhebliche Erinnerungslücken einräumen mussten, kam am fünften Tag der Neuauflage des so genannten Samerberg-Prozesses ein Mann zu Wort, der gerne vergessen würde. Tobias M. hat, wie er mit brüchiger Stimme vor Gericht berichtet, Bilder in seinem Kopf. Es sind Bilder, die ihn den Abend des 20. November 2016 immer wieder erleben lassen.

Eine Szene genügt, ihn an jenen 20. November zu befördern

Einmal sieht er, so erzählt er vor dem Landgericht Traunstein, bei irgendeiner Gelegenheit eine Frau auf einer Terrasse sitzen, leicht  nach vorne gebeugt, die Haare sind nach vorn gefallen und verdecken das Gesicht. Harmlos das alles, doch versetzt ihn die Szene schlagartig in jenen fatalen Herbstabend und damit in einen „Schockzustand“, wie er sagt.

Man trägt Jahre an einer Katastrophe

Genau das war der Anblick gewesen, der sich ihm bot, als er die Fahrertür des grünen Nissan der Frauen aus Samerberg öffnete und die leblose Melanie Rüth vor sich sah: leicht nach vorne gesunken, die Haare vorm Gesicht.

Tobias M.s Aussagen machten deutlich, welche Verwüstungen ein solcher Unfall in den Überlebenden oder auch nur den zufälligen Zeugen anrichten kann. Er habe in einer Therapie an der Bewältigung seiner Eindrücke vom Unfallort gearbeitet, ganz hinter sich lassen könne er sie nicht. Auch eine andere Zeugin, die wohl erste Helferin am Unfallort, äußerte sich angefasst noch im Abstand von viereinhalb Jahren.

„Sind Sie so gleichgültig?“

Andere Zeugen wirkten auf die Vorsitzende Richterin Heike Will bemerkenswert teilnahmslos. Etwa Igor P., Mitglied der WhatsApp-Gruppe „Bandidos“, eine Clique, zu der auch Daniel R., Sebastian M. und ihre Beifahrer gehörten. Er war ursprünglich von der Verteidigung per Beweismittelantrag ins Spiel gebracht worden.

Auch das könnte Sie interessieren: WhatsApp-Gruppe spricht viel und enthüllt wenig

Als derjenige, der den Angeklagten Sebastian M. und den mittlerweile rechtskräftig verurteilten Daniel R. von der polizeilichen Vernehmung nach Hause gefahren habe, sollte er etwas Wichtiges bezeugen können: dass die beiden im Auto beteuert hätten, der Polizei gegenüber die Wahrheit gesagt zu haben.

Eigenwillige Freundschaften bei den „Bandidos“

Gestern sagte Igor P, sich überhaupt an keine Gespräche erinnern zu können. Auch Manuel S., ebenfalls Mitglied der Gruppe, wusste von seinem Besuch an der Unfallstelle nichts Tiefschürfendes zu berichten. „So gleichgültig sind Sie?“, wunderte sich Heike Will. Überhaupt schenkt sie den Versicherungen der WhatsApp-Kumpels, sich zunächst nicht oder kaum über den Unfall kaum ausgetauscht noch gefragt zu haben, nur begrenzten Glauben: „Eigenwillige Freundschaften pflegen Sie.“

Einer will was gehört haben, der andere bestreitet alles

Nicht für jeden ist der Auftritt vor Gericht eine Qual. Dirk-Jürgen E. etwa; er hatte geschildert, wie ihm ein anderer Zeuge, Marcus W., erzählt habe, dass er ein Gespräch der BMW-Fahrer über ihre Mitschuld und über Absprachen angehört hab. Davon sprach E. viel auch am Mittwoch (9. Juni). 

Lesen Sie auch: Tödlicher Unfall in Mühldorf: Ermittlungen laufen weiter in Richtung illegales Rennen

So wortreich der Auftritt des einen, so wirr die Aussage von Marcus W., der E’s Schilderung abstritt. Die Vorladung der beiden stelle sich als so zeitraubend wie ertragsarm heraus. Ob er dazu neige, sich wichtig zu machen, fragte Richterin Will Marcus W. Zeuge E. wiederum betonte auf eine Frage von Nebenkläger Ralf Rüth, „schon verantwortungsvoll“ zu sein. „Ist ja toll, wie Sie sich selbst einen Leumund ausstellen“, sagte trocken Heike Will.

Kommentare