Rückkehr aus Coronavirus-Risikogebiet: OVB-Redakteuerin verzweifelt an der 116117

Selbstversuch als Betroffene:Eine OVB-Redakteurin versuchte gestern aufgrund eines Aufenthalts in Südtirol und daraus resultierender Coronavirus-Fragen unter 116 117 anzurufen. re

Als „Patientenservice“ wird sie angepriesen. Auch als „Die Nummer mit den Elfen“. Doch die Wahrheit ist: Die Nummer 116117 für alle Infos und vor allem Kontakte rund um das Coronavirus ist zwar zu erreichen. Doch nicht immer kommt offensichtlich ein Gespräch zustande.

Mühldorf/Rosenheim – Ich muss es wissen. Ich bin Südtirol-Heimkehrerin. Seit meiner Rückkehr aus dem Risikogebiet sitze ich daheim in Mühldorf. Zum Schutz meiner Rosenheimer Kollegen und meiner Umwelt arbeite ich von zuhause aus. Ich fühle mich eigentlich gesund. Gut, der Hals kratzt ein bisschen und die Glieder schmerzen. Aber wer auf über 3000 Metern Höhe bei minus 14 Grad Ski gefahren ist, der kann schon ein paar Zipperlein mitbringen. Oder doch nicht?

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Ich merke, wie ich jeden Morgen in mich hineinhöre. Spüre ich etwas Ungewöhnliches? Schließlich beschließe ich, meinen Hausarzt anzurufen. Der aber ist in Urlaub. Also wähle ich die 116 117. Ein Mal, zwei Mal, drei Mal. Auch ein viertes und fünftes Mal. Am Montag, am Dienstag, am Mittwoch. Morgens, mittags und auch am Abend hänge ich in der Leitung. Minutenlang.

Jedes Mal wird die Verbindung gekappt

Jedes Mal wird die Verbindung gekappt. Beim ersten Mal denke ich noch, ich selbst hätte das Telefonat aus Versehen beendet. Versuche es erneut. Doch dann begreife ich: Es ist nicht mein Fehler. Die „Nummer mit den Elfen“ funktioniert für mich nicht. Sie hat kein anderes Ende, es gibt keinen Gesprächspartner. Lediglich die Blechstimme, die mir immer und immer wieder erklärt, was ich – und vermutlich viele andere Anrufer ebenfalls – längst schon weiß: Grippe läuft ähnlich ab. Ruhe bewahren macht Sinn. In die Armbeuge zu nießen auch. Händewaschen ebenfalls.

Und die mir als Rückkehrerin aus einem Risikogebiet, ungefähr bei Minute 4.48, rät, in der Leitung zu bleiben. Damit ich „in Kürze“ mit dem „nächsten freien Mitarbeiter im Servicecenter“ sprechen kann. Man wolle das Gespräch „aus Gründen der Qualitätssicherung“ aufzeichnen, sagt die Blechstimme noch – ehe ich bei Minute 5:22 aus der Leitung falle. In einer kürzen Version der Verbindung, ohne Tipps, ist immerhin schon bei Minute 2.11 Schluss.

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Das Problem ist bekannt bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB), die die „Elfennummer“ des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes Bayern koordiniert, ebenso wie den Hausbesuchsdienst, um Tests durchzuführen. Der Pressesprecher für Bayern klingt verzweifelt. Die Leitung 116 117 sei funktionsfähig, sagt er. Nur die Zahl der Anrufer sei einfach zu viel.

5000 Menschen pro Tag, zehn Mal mehr als vor Corona. Das sei „eine absolute Ausnahmesituation“. Man habe zwar das Personal in den Vermittlungszentralen in Augsburg, Bayreuth und München um bis zu 30 Prozent aufgestockt. Aber es sei einfach nicht zu schaffen.

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„Manche denken, es ist eine Info-Hotline. Die fragen dann, ob ihr Hund mit dem Virus infiziert werden kann, und blockieren dafür die Leitung“, sagt der Sprecher. Dass es Anrufer wie mich gibt, die gar nicht erst einen Ansprechpartner bekommen – das nimmt er mit einem Seufzer zur Kenntnis. „Gelegentliche Abbrüche lassen sich beim derzeitigen Anrufaufkommen von 5000 Anrufern am Tag nicht vermeiden. Wir müssen hier die Bevölkerung leider um Geduld bitten und auch dazu anhalten, dass die 116117 nur dann kontaktiert wird, wenn jemand wirklich krank ist“, appelliert er an die Bevölkerung. „Unsere Erfahrung aus den vergangen Tagen ist, dass viele Stellen aufgrund der eigenen Überlastung an uns verweisen. Viele Bürger fragen aus Verzweiflung auch nach Informationen, die wir aber nicht immer geben können.“

Mut machen will man mir beim bayerischen Hausärzteverband. Ich müsste mehr Geduld haben, sagt eine Sprecherin. Es könne bis zu einer halben Stunde dauern, bis man bei der 116 117 durchkomme. Ich sage ihr, dass mein Telefon „Anruf beendet“ meldet. Sie antwortet, dass jemand aus der Leitung falle, könne man „so nicht bestätigen“.

Telefonisch krankschreiben lassen

Man rät mir, mich über meinen Hausarzt telefonisch krankschreiben zu lassen und abzuwarten. Es außerdem weiter bei der 116 117 zu versuchen, diese Nummer sei eine „bayernweite Lösung“. Alles andere sei eine Frage der individuellen Regelungen in den Gesundheitsämtern.

Wenn es genügend Schutzanzüge gebe, dann könnte ein Arzt zu mir nach Hause kommen, um zu testen, ob ich mich angesteckt habe. Das aber sei nicht in allen Regionen möglich. Immerhin hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayern ihre Kfz-Flotte aufgestockt, von bisher 50 auf jetzt 215 Fahrzeuge. Für den Fahrdienst, der ebenfalls rund um die Uhr unterwegs sei, hätten sich „Hunderte von Ärztinnen und Ärzten bayernweit freiwillig gemeldet“, teilt die KVB mit.

Bei Atemnot die 112 wählen

Wenn sich mein Befinden in den nächsten Tagen verschlimmern sollte, ich etwa Atemnot bekäme, dann solle ich die 112 wählen, sagt mir die Sprecherin vom Hausärzteverband zum Ende des Gesprächs. „Der Notarzt kommt auf jeden Fall und holt sie.“ bw

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