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Ein Gigant wartet auf Besucher

Rosenheims Super-Dino: Wie der Lokschuppen Sauriergeschichte schreibt

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Der Entdecker von Rosenheims aktuellem Top-Model: Dr. Nizar Ibrahim mit einem Duplikat eines Dino-Rückenwirbels vor dem Spinosaurus-Modell.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Saurier des Meeres präsentiert der Lokschuppen in Rosenheim. Und ein Superstar der Echsen-Szene soll nun auf der Schlussgeraden noch mehr Besucher anziehen: Der Spinosaurus. Er ist ein gigantischer Räuber. Und ein Mythos. Wie der Lokschuppen mit ihm Geschichte schrieb.

Rosenheim – Die Menschen liebten den Großen schon zuvor. Vielen Besuchern der Saurier-Ausstellung im Lokschuppen diente der Spinosaurus mit seinem weit aufgerissenem Maul, den spitzen Zähnen und tannenzapfengroßen Klauen als Fotomotiv. Am liebsten, so hört man, stellen sich die Menschen fürs Foto zwischen die Pranken des Riesenraubtiers, als seien sie des Drachens kecke Beute.

Dabei kommt es doch auf dessen Schwanz an. Auf ihn werden die Fachleute unter den Lokschuppen-Gästen künftig blicken. Weil er der Beweis für die Einzigartigkeit des Spinosauriers ist. Der Beweis dafür, dass der Paläontologe Dr. Nizar Ibrahim Recht hat, wenn er sagt: „Der Spinosaurus ist unser Superstar.“

Auf der Spur eines Mythos

Der Schwanz des Spinosaurus in Rosenheim ist kein Dinoschweif wie jeder andere. Er sieht aus wie der Schwanz eines Krokodils, wirkt fast wie ein hochgestelltes Paddel. Und so belegt er, dass der Spinosaurus die einzige Riesenechse war, die „im Wasser glücklicher war als auf Land“, wie Nizar Ibrahim am Donnerstagvormittag im Lokschuppen erklärte.

Aus diesem Grund, wegen des Schwanzes, waren Ibrahim und sein italienisches Team aus Künstlern und Handwerkern nach Rosenheim gereist. In der Nacht auf Donnerstag bauten sie den Dino um und setzten ihm statt des ursprünglichen konventionellen Schweifs das Riesenpaddel an. Um den Besuchern der „Giganten der Meere“-Ausstellung im Lokschuppen noch bis zum Ende der Schau im Dezember etwas Besonderes zu bieten: die einzige Figur eines Spinosauriers weltweit, die akkurat nach dem Stand der Wissenschaft gefertigt ist.

Eine der wichtigsten Entdeckungen des Jahrzehnts

Man habe die Sauriergeschichte umgeschrieben, hatte es schon vor der Präsentation seitens des Lokschuppens geheißen. Der Autor dieser Neudeutung ist der Paläontologe Nizar Ibrahim. Er war auf 2014 auf die Spur des Spinosaurus gelangt. Und damit belebte er einen Mythos neu. Das erste Spino-Exemplar hatte der Nürnberger Paläontologe Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach in Ägypten entdeckt.

Ebenfalls interessant: Woher kommt das Wissen über Meeressaurier?

Anhand der Skelettteile, die er gefunden hatte, stellte er sich einen Raubsaurier vor, der ähnlich wie der Tyrannosaurus Rex auf den Hinterbeinen stand. Die Fragmente gingen 30 Jahre nach ihrer Entdeckung unter: Ein Luftangriff auf München zerstörte 1944 das einzige bekannte Fossil eines Spinosauriers. Dessen Erforschung machte eine lange Pause. Bis Ibrahim in Marokkos Wüstenboden neue Fossilien der schwimmenden Riesenechse entdeckte und bei der Gelegenheit herausfand, dass sie mit 15 Metern Länge sogar noch größer als der Tyrannosaurus Rex war.

Die Rückenwirbel verraten das Talent zum Schwimmen

Der nächste Schritt folgte 2020, als Ibrahim und sein Team am Fundort in der Sahara in Schwerstarbeit 30 Schwanzwirbel zu Tage förderten. Ihre Form bewies, dass der Spinosaurier mit dem Schwanz gepaddelt hat. Bei der Jagd nach Fischen und Krokodilen muss er sich so munter wie ein Fischsaurier im Wasser gefühlt haben. Es war eine der Entdeckungen, die über die Gemeinschaft der Paläontologen hinaus Wellen schlug. National Geographic zum Beispiel zählte Ibrahims Funde zu den zehn wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckungen des Jahrzehnts.

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Die Ausgräber setzten auch anderweitig Maßstäbe: Die Originalknochen ließen sie, eingedenk der Diskussionen um Herkunft und Rückgabe von Museumsstücken, in Marokko. In Rosenheim sieht man in den Vitrinen Duplikate aus dem 3 D-Drucker. Dazu war eine digitale Kopie der Fossilien erstellt worden. Der Spinosaurier wird also nicht nochmal durch eine Katastrophe zerstört werden können. Der Lokschuppen wiederum unterstützte das Projekt: Es war ein Fotograf des Ausstellungszentrums, der die Grabungen in Marokko dokumentierte.

Zuschauerziel noch in weiter Ferne

Mit zehn Metern Länge sei das Sauriermodell das eines Teenagers, sagte Ibrahim bei der Präsentation. Bis zum 12. Dezember soll er dennoch viel Zugkraft entwickeln – zur Pandemie-Schadensbegrenzung. Mit 290 000 Besuchern hatte Peter Lutz, Geschäftsführer der Veranstaltungs- und Kongress-Gesellschaft (VKR) gerechnet. Damit wären 85 Prozent der 3,1 Millionen Euro gedeckt gewesen, die die Gesellschaft investiert hatte.

Davon aber ist man weit entfernt, die Pandemie verzögerte nicht nur den Umbau des Museums-Sauriers, sondern verhagelte den Ausstellungsmachern auch die Rechnung mit den Besuchern. Bei rund 185.000 ist man angelangt. Den Corona-Rückstand wird bis zum Ende der Ausstellung am 12. Dezember womöglich auch der Superstar des Lokschuppens nicht mehr ganz wettmachen können.

Entspannter Besuch des Lokschuppens

Tickets für einen Besuch des Lokschuppens müsse nicht mehr online bestellt werden, sondern können auch an der Kasse erworben werden. Es gelten für erwachsene Besucher die 3 G-Regeln: Sie müssen entweder genesen oder getestet sein oder die vollständige Impfung nachweisen können. Entspannt ist der Besuch für Schüler: Sie gelten dank der regelmäßigen Reihentests an den Schulen bereits als hinreichend getestet.

Sie erwartet eine Ausstellung, die nach den Aussagen der Ausstellungsmacher Maßstäbe setzt. Zu sehen sind unter anderem 150 Originale, 19 Abgüsse, 23 Modelle, überwiegend exklusiv gefertigt, 25 Medienstationen. Das größte digitale Paläo-Aquarium lässt Besucher in die Ära der gigantischen Meeres-Reptilien eintauchen. Bis 12. Dezember ist die Ausstellung noch täglich geöffnet.

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