Schutz fürs Klima und gefährdete Arten

Rosenheimer Stammbeckenmoore als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung ausgewiesen

Die Sterntaler Filze, die zu den Rosenheimer Stammbeckenmoore gehören, sind nun als „Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung“ ausgewiesen worden.
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Die Sterntaler Filze, die zu den Rosenheimer Stammbeckenmoore gehören, sind nun als „Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung“ ausgewiesen worden.
  • Barbara Forster
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Der Landkreis Rosenheim setzt sich laut Landrat Otto Lederer schon seit über 20 Jahren für den Schutz und die Renaturierung der heimischen Moore ein. Nun sind die Rosenheimer Stammbeckenmoore als „Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung“ ausgewiesen worden.

Rosenheim/Inntal/Bad Feilnbach – Moore speichern Wasser, verbessern die Wasserqualität und schützen vor Überschwemmungen. Der Landkreis Rosenheim setzt sich laut Landrat Otto Lederer schon seit über 20 Jahren für den Schutz und die Renaturierung der heimischen Moore ein. Nun sind die Rosenheimer Stammbeckenmoore als „Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung“ ausgewiesen worden.

Einer der größten Moorkomplexe Süddeutschlands

Das Gebiet sei Teil eines der größten Moorkomplexe Süddeutschlands und beherberge gefährdete Arten des Sonnentaus und vom Aussterben bedrohte Libellen-, Schmetterlings- und Heuschreckenarten sowie Schwarz-, Braun-, Blau- und Rotkehlchen. Deswegen wird es auch das „Vierkehlchenland“ genannt, teilt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit mit. Intakte Moore leisten zudem einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Klimas.

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Mit der Ausweisung im Rahmen der Internationalen Feuchtgebietskonvention (Ramsar-Konvention) verpflichtet sich Deutschland, dieses Feuchtgebiet dauerhaft zu erhalten und zu fördern. Die Unterzeichnung der Ramsar-Konvention jährt sich nun zum fünfzigsten Mal. Die Rosenheimer Stammbeckenmoore sind das 35. deutsche Ramsar-Feuchtgebiet.

Landrat Otto Lederer freut sich „außerordentlich“, dass gerade am 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Ramsar-Konvention die Stammbeckenmoore als das 35. deutsche Ramsar-Gebiet in die Riege der international bedeutsamen Feuchtgebiete aufgenommen wurden. „Mit dem Chiemsee gibt es nun in der Region zwei Ramsar-Gebiete.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sieht Moorschutz als zentralen Baustein für Klimaschutz und den Erhalt der Artenvielfalt an: „Die Rosenheimer Stammbeckenmoore sind ein weiteres gutes Beispiel, wie Moore in ihren natürlichen Zustand gebracht und damit als wichtige Lebensräume für seltene Arten wiedergewonnen werden können.

Die Sterntaler Filze sind laut Bürgermeister Anton Wallner beliebte Ausflugsziele.

Diese Moore gehören damit nun zur Riege der international bedeutsamen Feuchtgebiete – neben der französischen Camargue, dem einzigartigen Donaudelta in Rumänien und vielen mehr. Dadurch wird die Bedeutung dieses Alpenvorlandmoores gestärkt. Die langjährigen Bemühungen vieler Akteure vor Ort, die Ökosystemleistungen dieses Moores zu verbessern, haben sich ausgezahlt.“

Erhalt der Moore sei für Bad Feilnbach eine große Errungenschaft

Auch Anton Wallner, Bürgermeister von Bad Feilnbach, und Olaf Kalsperger, Rathauschef von Raubling, sind stolz auf die Auszeichnung der Stammbeckenmoore: Durch die erfolgreiche Umsetzung der Renaturierung der Moore leiste man einen „wichtigen Beitrag“ zum Klimaschutz, findet Wallner. Der Erhalt der Moore sei für Bad Feilnbach eine große Errungenschaft: „Man merkt auch an den vielen Besuchern bei den Sterntaler Filzen, dass unsere Moore sehr geschätzt werden.“

Sie bieten vielen Pflanzen und Tieren wichtigen Lebensraum, sagt Kalsperger: „Das zeigt nur, dass wir bisher auf dem richtigen Weg waren mit der Renaturierung der Nicklheimer Filzen. Durch diese Auszeichnung wird diese Erfolgsgeschichte nochmals untermauert.“

Die Nicklheimer Filze bieten vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum.

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Insbesondere vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung habe die Wiederherstellung von Mooren in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, sagt Professor Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz: „Mehr als 90 Prozent der Moorböden in Deutschland sind heute entwässert und werden land- oder forstwirtschaftlich genutzt.

Protest gegen den Frästorf-Abbau in den 90er Jahren

Lebendige, naturnahe Hochmoore sind in Deutschland auf circa ein Prozent ihrer ursprünglichen Ausdehnung zurückgedrängt worden. Umso erfreulicher ist es, dass es in Bayern gelungen ist, großflächig Hochmoorflächen der Rosenheimer Stammbeckenmoore wieder zu vernässen und das Gebiet zu renaturieren.“

Peter Kasperczyk, Vorsitzender der Bund Naturschutz-Kreisgruppe Rosenheim, berichtet auf Nachfrage, dass der Bund Naturschutz in den 90er-Jahren mit Unterstützung gegen den Frästorf-Abbau protestiert habe: „Ein geschütztes Moor leistet einen intensiven Beitrag zum Klimaschutz, denn ein Hektar Moor speichert etwa sechsmal so viel CO2 wie ein Hektar Wald.“ Umso mehr freut es den Vorsitzenden, dass die Stammbeckenmoore nun internationalen Stellenwert erreicht haben.

Gemeinden Raubling und Bad Feilnbach waren eingebunden

Noch bis 2005 sei in den Rosenheimer Stammbeckenmooren großflächig Torf für Blumenerde abgebaut worden, teilt das Bundesumweltministerium mit. Seitdem werde nur auf kleinen Flächen, in Übereinstimmung mit den Naturschutzzielen, Torf für Heilzwecke abgebaut.

Außerdem habe es Projekte gegeben, zum Teil auf europäischer Ebene, mit dem Ziel, die Hochmoorflächen zu renaturieren.

An der Ausweisung seien die Gemeinden von Anfang an beteiligt gewesen. Während die bayerischen Behörden und das Bundesamt für Naturschutz fachliche Unterstützung leisteten, habe das Bundesumweltministerium den Ausweisungsprozess gefördert.

Die Rosenheimer Stammbeckenmoore:

Die Rosenheimer Stammbeckenmoore sind laut Bundesumweltministerium das 35. Ramsar-Gebiet. Das Gebiet (1039 Hektar) ist Teil einer der größten Moorkomplexe Bayerns und Süddeutschlands, welcher bedrohte Feuchtlebensräume beherbergt und damit besonderen, zum Teil stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum ermöglicht.

Aufgrund des Vorkommens von Schwarz-, Braun-, Blau- und Rotkehlchen wird das Gebiet auch als „Vierkehlchenland“ bezeichnet. Mehrere Projekte bemühen sich um die Wiederherstellung des Gebiets. So wurde zum Beispiel im Rahmen eines LIFE-Natur Projekts die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts in 400 Hektar abgebauten und trockengelegten Hochmooren erreicht. Unter dem Klimaprogramm Bayern 2050 Moore läuft derzeit ein weiteres Moorrenaturierungsprojekt.

Ramsar-Konvetion:

Die Ramsar-Konvention wurde am 2. Februar 1971 in der iranischen Stadt Ramsar von damals 18 Vertragsstaaten unterschrieben. Deutschland trat der Konvention im Jahre 1976 bei. Jährlich wird am 2. Februar mit dem „Weltfeuchtgebietstag“ auf die Bedeutung von Feuchtgebieten und das Bestehen dieses Abkommens hingewiesen. Mittlerweile zählt die Konvention 171 Mitgliedsstaaten. Weltweit konnten bisher 2415 „Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung“ ausgewiesen werden.

Mit einer Ausweisung von Ramsar-Feuchtgebieten verpflichten sich die Mitgliedsländer der Ramsar-Konvention zugleich, dafür zu sorgen, dass auch die übrigen Feuchtgebiete innerhalb ihrer Grenzen nachhaltig genutzt werden. Weiterhin sind die Vertragsstaaten zur internationalen Zusammenarbeit aufgefordert. Alle drei Jahre muss eine ausführliche Berichterstattung erfolgen.

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