Rosenheimer Sonderplan für den Super-Stau

Acht Stunden lang Stillstand: Ein quer liegender Lkw sorgte am 10. Januar. 2019 auf der A8 für die Aktivierung aller Koordinierungsgruppen des „Sonderplan Autobahn“.
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Acht Stunden lang Stillstand: Ein quer liegender Lkw sorgte am 10. Januar. 2019 auf der A8 für die Aktivierung aller Koordinierungsgruppen des „Sonderplan Autobahn“.

Der Katastrophenschutz rüstet sich mit den Vertretern regionaler Hilfsorganisationen für den kommenden Winter. In Extremsituationen soll der „Sonderplan Autobahn“ für Entlastung auf der A8 und A93 sorgen. Zukünftig bekommen die zahlreichen Helfer dafür spezielle technische Unterstützung.

Von Korbinian Sautter

Rosenheim – Extreme Wetterbedingungen, ein großer Unfall, eine blockierte Autobahn und verstopfte Umleitungswege. Das ist das Szenario, für den der „Sonderplan Autobahn“ von Raubling bis zum Irschenberg entwickelt wurde. Denn wenn ein Stau von mehreren Stunden droht, bedarf es einer guten Koordination und einiger Hilfsorganisationen, um die schwierige Situation zu lösen. Um für den kommenden Winter gut gerüstet zu sein, beschloss der Katastrophenschutz mit allen Beteiligten den Einsatz neuer Technik. Sechs Quads und ein spezieller Geländewagen sorgen künftig für mehr Sicherheit in der Region.

In der Not helfen Alle zusammen

Aufgrund von Corona trafen sich die Vertreter von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Bayerischem Roten Kreuz, Bergwacht, Staatlichem Bauamt, Abschleppdiensten, sowie von den Landratsämtern aus Rosenheim und Traunstein diesmal in einer Videokonferenz. Das Ziel ist laut dem Pressesprecher des Rosenheimer Landratsamtes, Michael Fischer, mittlerweile seit 18 Jahren dasselbe: „Den Sonderplan zu verbessern, um für das nächste auftretende Ereignis noch besser vorbereitet zu sein.“

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Das letzte Großereignis datiert dabei zurück auf den 10. Januar 2019. Am späten Nachmittag löste auf der A 8 ein quer auf der Fahrbahn liegender Lkw Alarm aus und sorgte dafür, dass auf der Autobahn acht Stunden lang kein Fahrzeug mehr vorbeikam. Gepaart mit Schneefall und frostigen Temperaturen entstand eine gefährliche Lage für die zahlreichen Autofahrer. In solchen Situationen kommen der Leiter der Verkehrspolizei Raubling, ein Ansprechpartner des Katastrophenschutzes und ein örtlicher Einsatzleiter zusammen, um die Lage zu beurteilen und bei Bedarf den Sonderplan zu aktivieren.

Nahezu alle Wege waren blockiert

Der örtliche Einsatzleiter ist dabei zumeist Rosenheimer Kreisbrandrat Richard Schrank, der sich noch genau an den Einsatz an diesem besonderen Tag erinnert. „Wir hatten extrem viel Schnee und einen nicht enden wollenden Strom an Autos, die sich hinter dem verunglückten Lkw aufreihten.“ Zudem sei im Laufe des Abends auch noch die Umfahrung für Pkws durch einen weiteren Unfall blockiert worden. Es dauerte daher bis in die Morgenstunden, bis der Verkehr wieder in seine geregelten Bahnen gelenkt werden konnte.

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Damit die Fahrer bei einem solchen Schneechaos in Zukunft besser versorgt werden können, hat die Bergwacht bei der digitalen Zusammenkunft einen Vorschlag unterbreitet. „Wir können innerhalb kürzester Zeit sechs Quads mit Schneeketten zur Verfügung stellen“, erzählt Geschäftsführer Florian Lotter im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. „Damit gelangen wir auch von außen über die Felder zu den wartenden Autos und können die Fahrer mit Treibstoff, Essen und Trinken beliefern.“

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Auch Harald Feckel vom Technischen Hilfswerk Rosenheim will auf eine ähnliche Weise unterstützen. Ein neuer Unimog, ein vielseitig einsatzbarer Geländewagen, soll dabei helfen, möglichst schnell an die Unfallstelle zu gelangen, um die Fahrzeugeinsätze von dort aus zu koordinieren.

Neue Flyer sollen im Stau stehende Fahrer informieren

Ein weiteres Ergebnis der Konferenz war die Gestaltung von Flyern. „Im Ernstfall soll die Verteilung der Informationsblätter über die Einsatzteams direkt auf der Autobahn erfolgen“, erklärt Pressesprecher Fischer. Auf diese Weise sollen die Autofahrer über die aktuelle Situation aufgeklärt und auf die optimale Verhaltensweise aufmerksam gemacht werden. Neben allgemeinen Hinweisen sollen die Flyer daher auch Informationen zur derzeitigen Lage sowie Telefonnummern für den Notfall bereitstellen.

System für extreme Wetterlagen

So entsteht ein modifiziertes System für extreme Stauaufkommen bei brütender Hitze oder eisiger Kälte, die laut Kreisbrandrat Schrank ungefähr einmal alle zwei Jahren auftreten. Mittlerweile sei man aber bereits „ein eingespieltes Team“, das die Lage bereits bei Staulängen ab zwei Stunden beobachtet, um im Notfall alle Koordinierungsgruppen innerhalb von circa 20 Minuten zusammenrufen zu können. Für den kommenden Winter sei man dementsprechend mit dem neuen Sonderplan Autobahn „bestens gerüstet“.

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