Prozess vor dem Landgericht Traunstein

Paar aus Rosenheim kauft in den Niederlanden Drogen zum Dealen - und wird erwischt

Schild Straße Niederlande
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Die Angeklagten waren in die Niederlande gereist, um dort unter anderem Drogen für den Weiterverkauf im Raum Rosenheim zu besorgen.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Die Fahrt in die Niederlande diente einem Paar aus Rosenheim nicht nur dazu, den Geburtstag zu feiern, sondern auch Drogen für den Weiterverkauf im Raum Rosenheim zu erwerben. Doch die Polizei erwischte den 45-jährigen Mann und die 28-jährige Frau. Jetzt wurde ihnen in Traunstein der Prozess gemacht.

Traunstein/Rosenheim – Ein 45 und 28 Jahre altes Paar aus Rosenheim, beide drogensüchtig, wollte bei einer Fahrt nach Holland im März 2020 zum einen den Geburtstag des Mannes feiern, zum anderen Rauschgift erwerben – zum Weiterverkauf im Raum Rosenheim wie auch für den Eigenkonsum. Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler verhängte jetzt Haftstrafen von viereinhalb beziehungsweise drei Jahren gegen die Angeklagten und ordnete für beide die Unterbringung in einer Entzugsanstalt an.

Angeklagter 17-fach vorbestraft

Ursprünglich lagen dem 17-fach vorgeahndeten 45-Jährigen zusätzlich zahlreiche Rauschgiftgeschäfte mit dem Verkauf von Kokain an diverse Abnehmer in Rosenheim zur Last. Diese Vorwürfe stellte das Gericht auf Antrag von Staatsanwalt Dr. Ralf Burkhard mit Blick auf das strafrechtliche Gewicht der Beschaffungsfahrt ein. Bei der 28-Jährigen mit fünf Einträgen im Bundeszentralregister entfielen auf gleiche Weise einige Einzelgeschäfte zusammen mit dem Freund.

Übrig blieb die Reise des Paares am 20. März 2020 nach Amsterdam. Ein weiteres Paar, ein Bekannter des 45-Jährigen und dessen als einzige des Quartetts vorstrafenfreie Freundin, folgte etwas zeitversetzt mit einem Mietwagen. Angeblich von einem „Unbekannten auf der Straße“ kaufte der Rosenheimer knapp 145 Gramm Heroin und nicht ganz ein Gramm Kokain.

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Über die Drogen wollte die 28-Jährige keine Einzelheiten gewusst haben. Die vorstrafenfreie Frau brachte das Rauschgift allein in dem Mietwagen über die Grenze in die Bundesrepublik. Sie stand aber die ganze Zeit in Telefonkontakt mit den anderen drei Personen.

Alle vier trafen sich am 25. März 2020 wieder in einem Hotel in Speyer. Dort tauchten Stunden später am 26. März um 2 Uhr Beamte der Kripo Rosenheim auf. Das Rauschgift konnte sichergestellt werden, darunter eine Kleinstmenge Kokain in einer Tasche der 28-Jährigen. In der Wohnung des 45-Jährigen in Rosenheim fanden die Ermittler 167 Gramm Marihuana, circa 13 Gramm Haschisch und eine Kleinmenge Kokain.

Überwachungsmaßnahmen bestätigen Zeugenangaben

Eine Kriminalhauptkommissarin berichtete, wie die Kripo Rosenheim auf die Spur der Angeklagten und der mutmaßlichen Mittäter kam. Alles begann mit einer Strafanzeige einer weiteren Frau gegen deren Lebensgefährten nach dem Gewaltschutzgesetz. Dabei belastete die Anzeigeerstatterin im Zusammenhang mit Drogen die jetzigen Angeklagten. Überwachungsmaßnahmen bestätigten die Angaben.

Auf diese Weise kristallisierte sich eine bevorstehende Beschaffungsfahrt nach Amsterdam heraus. Dass mit dem anderweitig verfolgten zweiten Paar weitere Personen beteiligt waren, zeigte sich erst auf der Rückreise.

Über ihre Verteidigerin, Julia Weinmann aus München, ließ die 28-Jährige zunächst jegliche Mittäterschaft bestreiten. Die Fahrt nach Holland habe lediglich private Gründe gehabt. Von Drogen habe sie nichts gewusst. Der Verteidiger des 45-Jährigen, Dr. Kai Wagler aus München, beantragte ein Rechtsgespräch über die Strafhöhen im Fall von Geständnissen. Danach unterbreitete die Vorsitzende Richterin den Vorschlag des Gerichts – zwischen drei und dreieinhalb Jahren Haft für die Frau sowie zwischen vier und viereinhalb Jahren für den Mann. Dieses Angebot akzeptierten Verteidiger und Staatsanwalt letztlich.

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Die Anwälte gaben entsprechende Erklärungen namens ihrer Mandanten ab. Weinmann betonte, die 28-Jährige habe den Freund begleitet. Auch wenn sie nichts Konkretes über die Drogen wusste, habe sie alles billigend in Kauf genommen. Das sei ebenfalls strafbar, hob die Vorsitzende Richterin heraus.

Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Josef Eberl vom Bezirksklinikum in Gabersee, attestierte dem Paar volle Schuldfähigkeit bei den Taten. Der Gutachter gelangte bei beiden zu „Hangtaten“. Die Voraussetzungen für Unterbringung zum Drogenentzug seien erfüllt. Die Erfolgsaussichten für eine Therapie seien jeweils hinreichend.

Strafen im vereinbarten Korridor beantragt

Die Verteidiger wie der Staatsanwalt beantragten neben der Unterbringung jeweils Strafen, die sich im vereinbarten Korridor bewegten. Dabei ging der Ankläger eher an den oberen Rand, die Verteidiger an den unteren.

Die Sechste Strafkammer gelangte bei dem 45-Jährigen zu mehreren Rauschgiftdelikten, bei der 28-Jährigen zu Beihilfetaten. Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler gab einem Argument der Verteidiger Recht: „Es handelte sich um eine überwachte Drogeneinfuhr. Das Rauschgift konnte nicht in Umlauf gelangen.“

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Nicht nur für den 45-Jährigen, der in Großbritannien schon mal acht Jahre Freiheitsstrafe wegen Drogeneinfuhr aus Afrika erhielt und in Deutschland mehrere Jahre hinter Gittern verbüßte, sei eine hohe Strafe erforderlich. Die Frau habe ebenfalls zahlreiche Vorstrafen und sei unter offener Bewährung erneut straffällig geworden. Die 28-Jährige sei vielleicht nicht über die Details informiert gewesen. „Aber sie wusste, dass es sich um Drogen handelte. Mit Kokain musste sie rechnen“, so die Vorsitzende Richterin.

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