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Energiekosten explodieren

Rosenheimer Experte erklärt, womit die Wohnung warm wird, wenn Gas knapp wird

Sonne und Wind: Sie sind nötig für einen Energie-Mix, meint Energie-Experte Hardrath. Alleine ausreichend sind sie nicht.
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Sonne und Wind: Sie sind nötig für einen Energie-Mix, meint Energie-Experte Hardrath. Alleine ausreichend sind sie nicht.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die Energiekosten steigen, und es kommt noch ärger, sobald die EU Russland komplett boykottiert. Wie heizen wir, womit fahren unsere Autos? Gerhard Hardrath, Energieberater der Handwerkskammer Rosenheim, gibt Antworten.

Wo kommt künftig unsere Energie her, womit zum Beispiel heizen wir?

Gerhard Hardrath: Man muss schauen, womit und für was man Wärme und Energie erzeugen möchte. In einem Neubau bin ich mit Wärmepumpe und Solar vielleicht gut bedient. Wenn der Bedarf beim Heizen sinkt, der Bedarf nach heißem Wasser aber steigt. Problematisch wird’s im Bestand, bei Häusern, die 25 oder 30 Jahre alt sind. Da brauche ich hohe Temperaturen. Da ist die Wärmepumpe nicht geeignet, da sind Nahwärmenetze besser.

Wie viel Potenzial hat die Energieerzeugung mit Holz?

Hardrath: Holz wächst nach. Man könnte also viel Energie mit Holz erzeugen. Aber das ist auch eine Kostensache. Und wenn man sich einen Baum anschaut, der 80 Jahre lang gewachsen ist, und den räume man dann weg und schiebt ihn in den Häcksler - das tut mir in der Seele weh. Hackschnitzel müssen ein Abfallprodukt sein. Sinnvolle Bewirtschaftung in Wäldern stellt außerdem oft ein Problem dar. Wir haben Gegenden, in denen gibt es kaum Wege, auf denen Sie mit schwerem Gerät kaum vorankommen.

Energieexperte Gerhard Hardrath

Aber Sie sehen es als Teil des Energie-Mix der Zukunft?

Hardrath: Ja. Mit 10 000 Kubikmetern Hackschnitzel versorge ich eine Schule in Götting, das Feuerwehrhaus dort, mehrere Einfamilienhäuser, die Raiffeisen-Filiale, die neue Realschule, Aldi, Altenheim, Wohnanlage am Blumenwinkel und noch mehr – und das zu 100 Prozent. ohne Nahwärmenetz wird es keine Energiewende geben. Eine Ortschaft hat mittlerweile alle Ölheizungen rausgeworfen, Oberlengendorf. Die haben komplett auf Hackgut umgestellt. Finde ich gut. Das ist übrigens keine Erfindung der Firma Hardrath. Schauen S‘ doch mal in Österreich in die Skigebiete.

Wegen der schönen Aussicht?

Hardrath: Da haben die Hotels zu guten Teilen auf Nahwärmenetze mit Biomasseheizkraftwerken umgestellt. Sonst würden Sie nicht zum Aprés Ski ins Tal fahren, sondern in den Smog. Aber man muss sich auch klarmachen, dass wir Öl und Gas nicht innerhalb von paar Wochen durch Holz ersetzen können.

Wo liegt das Problem?

Hardrath: Der Energieträger Holz ist im Winter gut zu verwenden, im Sommer wären thermischen Anlagen für die reine Warmwasserbereitung vernünftig. Sie müssen Energiemenge und Leistung unterscheiden.

Tun Sie das doch bitte mal für uns.

Hardrath: Wenn ich im Winter bei minus 20 Grad Pellets verwende, dann ist das kein Problem. Wenn ich aber die Pellet-Anlage im Sommer anwerfe, um mein Wasser auf Duschtemperatur zu bringen, dann ist das verkehrt. Wenn ich zwischen Mai und September auf Solarstrom setze, dann geht das, weil es dann auf die Menge ankommt, nicht auf die Leistung. Keine PV-Anlage kann dazu beitragen, dass wir ein Atomkraftwerk abschalten können. Die Leistung muss ich vorhalten, die Menge kann man mit PV-Anlagen reduzieren ( vorsorgen). Die Sonne schickt ja keine Rechnungen.

War es ein Fehler, so prompt nach der Katastrophe 2011 in Fukushima in Deutschland auf Atomkraft zu verzichten?

Hardrath: Deutschland ist jedenfalls für Tsunamis nicht gerade prädestiniert. Und wenn ich mir anschaue, von wo wir in Frankreich und der Tschechischen Republik Strom beziehen und was da an Atomkraftwerken im Bau ist – dann weiß ich nicht ob ich nicht lieber Burglengenfeld und Ohu noch am Netz hätte.

Wie kommt Deutschland insgesamt bei den Erneuerbaren Energien voran?

Hardrath: Wenn Sie heute im Winter minus 15 Grad haben und ihr Stromauto laden wollen, während gleichzeitig die Wärmepumpe läuft - dann möchte ich wissen, was künftig ohne Atom-Kraft los ist. In Bayern haben wir die Biogasanlagen abgebaut. Jetzt kommt man auf die Idee, Biogas könnte ja einen Teil der Grundlast abdecken. Weil Biogas unabhängig von Sonne und Wind sehr gut funktioniert. Aber wissen Sie, was der größte Fehler war ?

Ich höre.

Hardrath: Nehmen Sie an, Sie erzeugen Solarstrom. Den speisen Sie für 6 Cent pro Kilowattstunde ein. Und der Stromanbieter verkauft ihn für 30 Cent an Ihren Nachbarn weiter und lacht sich eins. Der größte Fehler war der Verkauf unserer Stromnetze. Und wissen Sie, wem die Wasserkraftwerke am Inn gehören?

Den Rosenheimern?

Hardrath: Den Österreichern!

Rosenheim setzt auf Gas und Blockheizkraftwerke. Ist das zukunftsfähig?

Hardrath: Rosenheim erzeugt mit Gas Energie, und ja, das ist zukunftsfähig. Sie müssen deutschlandweit nach jemanden suchen, der so viel Weitsicht wie Dr. Brühl (Chef der Stadtwerke, Anm. der Red.) hat. Rosenheim kann über Fernwärme auch auf Öl zurückgreifen. Und die haben auch schon mit Holzgas experimentiert. Ich muss dem keinen Honig um den Mund schmieren. Aber Rosenheim dürfte in Deutschland einen der vorderen Plätze belegen.

Könnte sich Rosenheim autark machen?

Hardrath: Speziell in Rosenheim, wo Wasserkraft eine Rolle spielt, könnte das irgendwann funktionieren. Aber noch werden die Blockheizkraftwerke mit russischem Gas betrieben. Aber Holzvergasung ist auch ein Thema. Der Mix wird es ausmachen. Und: Wir werden uns von günstigen Preisen verabschieden müssen, auf absehbare Zeit. Was glauben Sie, wie viele Kunden, die Gasanschluss bestellt hatten, jetzt den Auftrag storniert haben? Die sagen, Gas und Öl kommen nicht mehr in die Tüte, ich will was aus Europa, auch wenn es teurer ist. Die nehmen lieber eine thermische Solaranlage. Allerdings sind damit die Probleme nicht unbedingt vom Tisch. Wenn die Sonne am meisten scheint, benötige ich die Heizung am wenigsten. Innovationen sind gefragt.

Wie sieht es eigentlich mit Geothermie aus?

Hardrath: Geothermie ist auch ein Thema. Bohren Sie heute runter, nach 4 Kilometern kommt Wasser, das 80 Grad hat.

Manche befürchten, dass das für Verwerfungen unter der Erdoberfläche führt.

Hardrath: Hat Bad Endorf Probleme? Ich habe nichts davon gehört. Wir haben so viel Studierte, da werden wir doch rausfinden, ob das Probleme verursachen kann. Da hört bei mir der Humor auf. Sauerlach, Holzkirchen, die Stadtwerke München – die setzen alle auf Geothermie. Das ist teuer. Aber es ist dauerhaft.

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