Rosenheimer Erntebilanz: Milchpreis konstant niedrig, Grasernte seit 2019 erholt

Grund zur Freude bei den Holzbauern wie Georg Höhensteiger in Rohrdorf: Der Holzpreis hat sich wieder erholt.
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Grund zur Freude bei den Holzbauern wie Georg Höhensteiger in Rohrdorf: Der Holzpreis hat sich wieder erholt.

Die Landwirte in Stadt und Landkreis Rosenheim blicken auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Eines ist klar: Die Milchwirtschaft bleibt das Sorgenkind. Starke Regenfälle wirkten sich auf den Ertrag aus. Auch die Coronakrise hat die Ernte nicht verschont.

Von Anna Hausmann

Rosenheim/Landkreis –Die Landwirte in Stadt und Landkreis Rosenheim haben ihre jährliche Erntebilanz gezogen: Kreisobmann Josef Bodmaier ist mit dem Milchpreis nicht zufrieden, wie er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erklärte. Ein Trost: Wenigstens der Holzpreis ist gestiegen. Auch die Auswirkungen der Corona-Krise machten sich heuer bemerkbar.

Mehr Niederschlag als in den Vorjahren

Nachdem in den vergangenen beiden Jahren noch Trockenheit die Region geprägt hatte, hat es nun die vom Kreisvorstand langersehnten Regenschauer gegeben. Gerade für den Mais sei es ein gutes Jahr gewesen, so stellvertretender Kreisobmann Klaus Gschwendtner. Der Regen konnte auch die Grasernte nach Einbußen im Vorjahr normalisieren.

Besonders in der Almwirtschaft, die für den südlichen Landkreis einen wesentlichen Teil der Landwirtschaft darstellt, freute man sich über den stärkeren Niederschlag, erklärte Kreisbäuerin Katharina Kern: ,.Für uns wäre ein weiteres trockenes Jahr dramatisch gewesen.“ Die Wasserspeicher seien wieder vollständig aufgefüllt.

Heftige Regenschauer in diesem Jahr

Die Regenschauer seien sehr kurz, dafür umso heftiger gewesen. Das habe besonders im Flachland Probleme bereitet, da der Boden die Wassermengen nicht so schnell aufnehmen konnte, bilanzierte der Vorstand. Beim Getreide sei durch die Feuchtigkeit der Schädlingsdruck deutlich gestiegen. Der Getreidepreis hielt sich konstant zum Vorjahresniveau bei 18 Euro pro 100 Kilogramm. Auch die Obsternte ist heuer laut Angaben des Kreisvorstands durchwachsen gewesen, da das Frühjahr relativ kühl und nass war.

Holzwirtschaft: Boom in der Bauindustrie

Vom vergangenen Jahr erholen konnte sich der Holzpreis: Schuld war der Borkenkäfer. Noch von unter 30 Euro pro Festmeter Schadholz kletterte der normale Schnittpreis auf 60 Euro, Tendenz steigend. Denn: Die Bauindustrie boome, auch der Holzbau, so Bodmaier. „Der Preis ist aber noch nicht dort, wo er sein sollte.“ Die Rosenheimer Landwirte hätten – obwohl sie aus eigener Tasche zuzahlen mussten – das befallene Holz vorbildlich aus den Wäldern herausgearbeitet. Aktuell gebe es fast kein Schadholz mehr.

Lage der Milchbauern unverändert

Weiter auf niedrigem Niveau hält sich laut Kreisvorstand der Milchpreis. Momentan liegt er leicht unter dem Vorjahr, bei 33 Cent pro Liter. Einen Cent teurer ist Milch von Kühen, die kein gentechnisch verändertes Leistungsfutter erhalten. Kurzfristig sei es sogar „zur Depression des Milchpreises“ gekommen: Im Frühjahr fielen einigen Molkereien coronabedingt die Gastronomen als Großabnehmer weg. Selbe Situation bei den Kartoffeln: Die Gastronomie produzierte weniger Pommes, der Kartoffelpreis sank. 100 Kilo Erdäpfel kosten nun 10 Euro, nicht mehr 17 Euro wie zuvor.

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Das Problem mit den Anbindehaltungen

Die Milchwirtschaft ist und bleibt das Sorgenkind der Bauern. Vermehrt würden Betriebe mit Anbindehaltungen vom Handel ausgegrenzt, so Bodmaier. Und das, obwohl sie parallel ihren Tieren meist genügend Auslauf böten. „Einen sofortigen Umbau können sich viele kleinere Betriebe nicht leisten“, meint Gschwendtner. Der Vorstand selbst bevorzugt eine „Kombihaltung“: Jeder Stall erlebe innerhalb von 30 Jahren einen Verschleiß, danach erfordere es ohnehin eine Neuinvestition. Und Ställe mit Anbindehaltungen baue heute eh keiner mehr. „Dann löst sich das Problem von alleine.“ Bis zum Neubau sollten die Landwirte ihren Tieren zusätzlichen Auslauf gewährleisten.

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Schweinepest bremst Export nach China aus

Vor einigen Wochen brachte laut Bodmaier die afrikanische Schweinepest den Schweinefleischpreis zum Einbruch: Seit Weihnachten rutschte er von 1,70 Euro auf 1,35 Euro. China, wohin für gewöhnlich 20 Prozent des deutschen Schweinefleischs exportiert werden, stoppte die Einfuhr. Auch auf dem europäischen Konkurrenzmarkt könnte Deutschland, kostentechnisch nicht mithalten, stattdessen seien elf Millionen Ferkel in die Bundesrepublik importiert worden. Hierzulande brach laut Bodmaier aber die Produktion weg. „Wir müssen schauen, dass diese Entwicklung nicht über die ganze Landwirtschaft rauscht.“

Landwirte appellieren an Konsumenten

Besonders katastrophal sei der Ferkelpreis mit 30 Euro pro Tier, er habe sich seit 2019 halbiert. Die Verbraucher müssten auch bereit sein, für hochwertige Lebensmittel einen entsprechenden Preis zu zahlen. Beim Kauf regionaler Eier funktioniere das schon gut, ist Kreisbäuerin Kern überzeugt. Vermehrt gebe es auch Eierautomaten – eine gute Entwicklung, wie sie findet.

Die Preisentwicklung für den Landkreis Rosenheim von 2019 bis 2020. Grafik: Klinger

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