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Nach Wahldebakel der Union

Rosenheimer CSU-Abgeordnete Ludwig zu Kanzler-Chancen: „Koalition nicht um jeden Preis“

Erneut als Direktkandidatin im Bundestag: Daniela Ludwig. Foto: Kater
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Erneut als Direktkandidatin im Bundestag: Daniela Ludwig.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die Union und mit ihr die CSU stürzt bei der Bundestagswahl auf einen historischen Tiefststand ab. Woran‘s lag, ob sich die Union noch Chancen auf die Kanzlerschaft ausrechnet, wie‘s in den nächsten Tagen weitergeht - darüber sprachen wir mit der CSU-Abgeordneten Daniela Ludwig.

Am Morgen nach der Niederlage, die Markus Söder gerade eingeräumt hat – wie weit ist die CSU beim Aufarbeiten?

Nach 24 Stunden sind wir noch immer mittendrin. Es haben erste Beratungen im Parteivorstand begonnen. Und dort haben wir festgestellt: Ja, es ist eine Niederlage und aus Platz 2 leitet sich kein Anspruch auf einen Regierungsauftrag ab. Das heißt, wir verschließen uns Gesprächen zwar nicht, die in eine Koalition führen könnten, aber nicht um jeden Preis.

Sie verzeichneten ein Minus von zehn Prozent im Vergleich mit 2017. Sie sind gewählte Direktkandidatin: Fühlen Sie sich wie eine Siegerin, wenn auch auf niedrigem Niveau, oder wie eine Verliererin, wenn auch als Wahlkreiskönigin?

Nun, wir waren ja vorbereitet. Wir wussten, dass das Ergebnis nicht glanzvoll werden würde. Viele hatten uns ja sogar noch schlechter eingeschätzt. Deswegen ist klar: Man kann noch so engagiert im Wahlkreis unterwegs sein, von Bundes- und Landestrend aber kann man sich nicht abkoppeln. Alle haben verloren, und so haben das auch wir in Rosenheim gespürt.

Es ist klar, dass mich das nicht freut. Es freut mich aber, dass ich einen Vorsprung auf die Partei und einen deutlichen Abstand zur Zweitplatzierten herausgeholt habe. Wir als Gesamtpartei müssen nun darüber nachdenken, wie wir uns künftig aufstellen.

„Der Kandidat hat nicht für allzuviel Zustimmung gesorgt“

Sie sprachen vom Bundestrend. Woran lag’s da?

Da gab es mehrere Ursachen. Der Kandidat hat nicht für allzu viel Zustimmung gesorgt. Und bei dem einen oder anderen Thema ist es uns nicht gelungen, als CSU und CDU erkennbar zu werden. Es ist uns nicht gelungen, den Menschen deutlich zu machen, dass wir in Fragen der Wirtschaft stark sind und was wir beim Klimawandel anders machen wollen. Es geht um Erkennbarkeit, ganz klar. Und wir dürfen unsere Kernklientel nicht vernachlässigen. Auch die Landwirte waren mit unserer Politik nicht immer einverstanden. Wir müssen hier wieder stärker den Dialog suchen.

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Vom Landestrend sprachen Sie auch. Wo fehlte es da?

Der Landestrend hängt am Bundestrend. Wir konnten uns nie vollständig abkoppeln, das konnten wir aber übrigens auch bei der letzten und vorletzten Wahl nicht. Im Vergleich zu Landesverbänden der CDU sind wir als CSU in Bayern aber immer noch sehr stark.

„Wir haben doch den Stimmungsumschwung herbeigeführt“

Viele Unionswähler finden aber auch, dass Markus Söder mit seinen Sticheleien gegen Armin Laschet mitverantwortlich fürs Scheitern ist.

Das würde ich nicht so sehen. Ehrlicherweise muss man doch sagen, dass wir mit dem Parteitag am 11. September den Stimmungsumschwung erst herbeigeführt haben. Mit unserer Kampagne gegen den Linksruck und dem Rückenwind durch den tollen Parteitag ist es erst gelungen, eine Aufholjagd zu starten. Wenn wir das nicht geschafft hätten, wäre es noch schlechter geworden.

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2017 wurden magere 38 Prozent Horst Seehofer als bayerischem Ministerpräsidenten zum Verhängnis. Söder war einer der ersten, die auf einen Neubeginn gedrängt haben. Wie wird sich die CSU nach diesem Debakel neu aufstellen?

Es ist zu früh, drüber zu sprechen. Wir haben einen sehr starken Ministerpräsidenten, der in Bayern eine hohe Zustimmung genießt. Daran möchte ich nichts ändern. Wenn man Befragungen von Wählern vertrauen darf, dann waren es weniger die Kandidaten als vielmehr die Inhalte, die interessiert haben. Unsere ursprüngliche Stärke, eigene Themen zu setzen, müssen wir wieder verinnerlichen. Wir dürfen nicht auf andere schielen, sondern müssen die Meinungsführerschaft übernehmen. Das können wir mit Söder ausgezeichnet.

Wähler haben Anspruch auf eine schnelle Regierungsbildung

Wie geht’s nun weiter?

Ich entnehme den Medien, dass Christian Lindner (FDP) und Annalena Baerbock (Grüne) Gespräche über die Frage aufnehmen wollen, ob sie zusammenarbeiten können. Wir werden unsere Gremien in Berlin konstituieren. Morgen kommt die Landesgruppe zusammen, danach die Fraktion. Ich bin mir sicher, dass danach fraktionsintern Gespräche stattfinden, wie es weitergeht. Ich habe die Hoffnung und Erwartung, dass die Frage der Koalitionsbildung nicht lange dauern wird. Die Wähler haben den berechtigten Anspruch darauf.

Also keine 17. Weihnachtsansprache von Angela Merkel?

Ohne Frau Merkel nahetreten zu wollen: Das hoffe ich nicht. Die Regierungsbildung müssen Parteien innerhalb einer vertretbaren Frist schaffen, egal, wer am Ende das Ruder übernimmt. Wir stehen vor zu großen Herausforderungen.

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Egal wer es wird? Hat die Union den von Laschet am Wahlabend formulierten Regierungsanspruch aufgegeben?

Ums es deutlich zu machen: Im Parteivorstand haben wir ganz klar gesagt, dass wir nur auf dem zweiten Platz gelandet sind. Wir stehen zur Verfügung. Wir machen also ein Angebot, aber keine Anbiederung. Wir werden uns nicht verbiegen.

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