Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Schöne Schlagworte – wenig Konkretes“

Rosenheimer Bauern äußern sich skeptisch zum neuen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir

Was kommt auf die Bauern in der Region zu? Die Rosenheimer Landwirte geben sich mit Blick auf den neuen Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir skeptisch.
+
Was kommt auf die Bauern in der Region zu? Die Rosenheimer Landwirte geben sich mit Blick auf den neuen Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir skeptisch.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
    schließen

Die deutsche Landwirtschaftspolitik ist ab sofort in der Hand von den Grünen. Mit der Ampelkoalition übernimmt Cem Özdemir für die kommende Legislaturperiode den Posten des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft. Doch die Bauern aus dem Landkreis Rosenheim sind skeptisch.

Rosenheim – Bei seinem Amtsantritt erklärte der Nachfolger von Julia Glöckner (CDU), sich zum „obersten Tierschützer des Landes“, der sich um die Vereinigung von Umwelt und Landwirtschaft kümmern wolle. Die Landwirte aus der Region reagieren verhalten auf die ersten Ideen des Bundesministers, die sich aus dem Koalitionsvertrag herauslesen lassen. Auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen bezweifeln einige der Bauern, ob sich die hohen Ansprüche auch in der Praxis umsetzen lassen.

In der Praxis ist der Markt entscheidend

„Am Ende wird es immer der Markt entscheiden“, ist sich Josef Bodmaier, Rosenheimer Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, sicher. Dementsprechend verkörperten die Ziele, welche im Koalitionsvertrag für die Landwirtschaft festgesetzt wurden, zwar schöne Schlagworte, ob und wie diese aber konkret umgesetzt werden können, sei etwas völlig anderes.

Josef BodmaierKreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes

Ein Beispiel dafür ist laut Bodmaier der Tierschutz. Bei den Bauern in der Region seien in diesem Bereich die Standards jetzt schon deutlich höher als bei großen internationalen Firmen, die Massentierhaltung betreiben. Setzte man noch höhere Maßstäbe an, würde das bei der aktuellen Marktlage wenig helfen, da dann noch mehr Fleisch, Milch oder Eier importiert werden würden. „Da helfen nur europaweite Vorgaben, an die sich alle halten müssten“, meint Bodmaier. Dass sich das unter Özdemir durchsetzen lässt, glaubt der Kreisobmann jedoch nicht. „Das wird alles noch deutlich länger dauern als eine Legislaturperiode“.

Lesen Sie auch: Elf Prozent weniger Bauernhöfe in der Region Mühldorf – Strukturwandel setzt sich weiter fort

Da im Rahmen der Ampelkoalition nicht nur das Landwirtschafts-, sondern auch das Umweltministerium durch Steffi Lemke „grün“ besetzt ist, ist auch Klaus Gschwendtner, stellvertretender Rosenheimer Kreisobmann des des Bayerischen Bauernverbands, gespannt auf die kommende Entwicklung. „Ich bin der Letzte, der sich nicht für den Tierschutz einsetzt“, meint er. „Dennoch habe ich Angst, dass vielleicht zu hochrangige Ziele verfolgt werden, die nicht praktikabel sind“. Der Bauer aus Rins am See weiß, dass sich höchste Standards mit dem billigsten Preis ausschließen und erhofft sich daher staatliche Unterstützung.

Lesen Sie auch: Neues Lagerhaus in Neumarkt bekommt „Hofladen“ - Stadtrat beschäftigt sich mit Raiffeisen-Bauvorhaben

Ein weiteres Beispiel für „schöne Schlagzeilen“ ist für Bodmaier das Pflanzenschutzmittel Glyphosat, das aufgrund der Umweltschädlichkeit laut Koalitionsvertrag bis 2023 vom Markt genommen werden soll. „Das Mittel ist sowieso seit Jahren tot und wird nicht mehr verwendet“, betont der Kreisobmann. Eine Debatte darüber ist dementsprechend eigentlich gar nicht mehr notwendig. Kritisch sieht der Bauer aus Tuntenhausen auch das Ziel des Ministeriums, in Deutschland 30 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030 zu erreichen. „Da wir bisher bei noch nicht einmal zehn Prozent liegen, finde ich das extrem sportlich.“

Das Problem mit dem Wolf

Ein brennendes Thema, über das sich laut der Kreisbäuerin Katharina Kern aus Oberaudorf sowohl Umwelt- als auch Landwirtschaftsministerium Gedanken machen sollten, ist das Problem mit dem Wolf. Nachdem aktuell wieder zwei erlegte Rehe im Inntal gefunden wurden, fordert sie die Regierung zum Handeln auf. „Wir züchten hier schließlich kein Wolfsfutter.“ Sie hofft, dass mit einem Landwirtschaftsminister von den Grünen in den kommenden Jahren nicht nur beim Thema Wolf überlegter gehandelt und keine voreiligen Entscheidungen getroffen werden. Bis 2025 ist laut Kern genug Zeit, um etwas zu verändern. „Da bin ich auf jeden Fall gespannt, wo die Reise hingeht.“

Die Ziele für die Landwirtschaft: Das steht im Koalitionsvertrag

• EU-weite Standards beim Thema Tierschutz setzen

• Eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung einführen

• Emissionen aus Ammoniak und Methan unter

Berücksichtigung des Tierwohls mindern

• Glyphosat bis Ende 2023 vom Markt nehmen

• 30 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030 erreichen

• Agrarpolitik zur Mitte der Legislaturperiode überprüfen

Kommentare