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Durchbrüche, Genveränderung und Omikron

Rosenheimer RoMed-Expertin beantwortet die wichtigsten Fragen zur Corona-Impfung

Pieks und durch? Zumindest kann man sich durch Zweitimpfung und Booster besser schützen, sagt Dr. Birgitt Mergen.
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Pieks und durch? Zumindest kann man sich durch Zweitimpfung und Booster besser schützen, sagt Dr. Birgitt Mergen.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Rosenheim - Was spricht dafür, was dagegen? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema „Impfen gegen Covid-19“ gibt Dr. Birgitt Mergen, Ärztliche Leiterin Krankenhaushygiene für den RoMed-Verbund: Woher Impfdurchbrüche kommen. Was der Booster bringt. Und ob Bayern-Star Kimmich recht haben könnte.

Kommt das Boostern noch rechtzeitig, um die vierte Welle zu brechen?

Dr. Birgitt Mergen:Um eine Welle zu brechen, braucht es Kontaktbeschränkungen. Aber auch dafür, dass sich die Welle nicht weiter ausbreiten kann, dass wir geschützter in die nächsten Monate gehen können, ist das Boostern absolut notwendig. Es gibt Daten aus Schweden. Sie besagen, dass der Impfschutz nach vier, fünf Monaten abnimmt.

Dr. Birgitt Mergen, Ärztliche Leiterin der Abteilung Krankenhaushygiene

Welche Haltbarkeit dürfen wir dann vom Booster erhoffen?

Mergen: Dazu ist es noch zu früh, wir haben noch keine Studien, die uns sicher Aufschluss darüber geben, wie lange der Schutz der Auffrischungsimpfung anhält. Aus Israel dürfen wir erste Berichte erwarten, die sind mit der Auffrischungsimpfung sehr weit. Die haben schon im Juli angefangen zu boostern und sofort gegengesteuert, als die Ansteckungszahlen stiegen.

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Kann man sich die Auffrischungsimpfung auch zu früh geben lassen, also zu nah am Termin der zweiten Impfung?

Mergen: Die Zulassungsstudien wurden mit Teilnehmern durchgeführt, die die Zweitimpfung vier bis acht Monaten zuvor erhalten hatten. Seitens der Ständigen Impfkommission ist die Auffrischimpfung ab sechs Monaten offiziell empfohlen, das Bayerische Staatsministerium übernimmt die Haftung aber nach fünf Monaten. Das erscheint mir als ein guter Zeitpunkt. Immunsupprimierte Menschen sollte man gegebenenfalls früher impfen, die Entscheidung sollte der behandelnde Arzt treffen.

Gibt es Vorgaben für die Auffrischung, je nachdem, mit welchen Impfstoffen ich ursprünglich geimpft worden bin?

Mergen: Als Booster-Impfstoff gibt es Moderna und Biontech. Wenn möglich sollte die Auffrischimpfung mit dem Impfstoff erfolgen, mit dem die Grundimmunisierung stattgefunden hat. Es kann aber auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff verwendet werden.

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Die Deutschen bevorzugen Biontech. Wie groß sind die Unterschiede zu Moderna?

Mergen: Was Moderna angeht, sind die Daten sogar besser. Laut der schwedischen Studie hält die Effektivität länger. Moderna hat eine größere mRNA-Menge als Biontech – vermutlich wirkt es deswegen länger.

Gibt es Menschen, für die Boostern nichts ist?

Mergen: Pauschal kann man das nicht sagen, das muss der behandelnde Arzt im Einzelfall entscheiden. Ein Hinderungsgrund kann zum Beispiel sein, wenn jemand auf eine Impfung allergisch reagiert.

„Inzidenz bei Kindern ist extrem hoch“

Sollte man Kinder ab fünf Jahren impfen?

Mergen: Die Inzidenz bei Kindern zwischen fünf und 14 ist extrem hoch. Kinder erkranken meistens nicht so schwer, können aber auch einen schweren Verlauf von Covid-19 erleben, ebenso wie sie unter Long Covid leiden können. Sobald ein Impfstoff bei uns zugelassen ist, ist es daher aus Gründen des Eigenschutzes der Kinder sinnvoll, sie zu impfen.

Was sind die Totimpfstoffe, auf die viele Skeptiker nach ihren eigenen Worten warten?

Mergen: Das ist ein Impfstoff mit angezüchteten und dann abgetöteten Viren. Bestandteile des Virus werden in den Wirkstoff gepackt. Das ist das klassische Verfahren. Die mRNA ist kein Lebendimpfstoff, eingesetzt wird hier vielmehr eine Gensequenz, die nachgebaut wurde.

Gefahr einer genetischen Veränderung gibt es nicht

Wie groß die Gefahr einer genetischen Veränderung durch die Boten-RNA?+

Mergen: Die Gefahr ist nicht vorhanden. Dem Mensch fehlt die Möglichkeit, mRNA in die DNA einzubauen.

Was muss ich mir überhaupt unter dieser mRNA vorstellen?

Mergen: Die Abkürzung steht für messenger-Ribonukleinsäure, also eine Boten-RNA, die Ribosome dazu bringt, ein Eiweiß, ein Protein, nach einer gewissen Bauanleitung zu produzieren. In diesem Fall geht es um das das Spike-Protein des Corona-Virus, das nach der Impfung von Immunzellen erkannt werden kann.

Joshua Kimmich erregte mit seiner Äußerung Aufsehen, sich vorerst nicht impfen zu lassen. Er sprach von „Langzeitfolgen“. Was könnte der FC-Bayern-Star gemeint haben?

Mergen: Die Diskussion wird in der Presse seit längerer Zeit geführt. In dem Sinne gibt es die Langzeitfolgen nicht. Es gibt Nebenwirkungen, aber die treten in engem zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung auf. Langzeitfolgen – damit meint man die Folgen einer Impfung, die man wegen ihrer Seltenheit erst nach sehr vielen Impfungen und damit so spät wahrnimmt, dass man sie zuerst gar nicht in einen Zusammenhang mit der Impfung bringt. Dadurch, dass man aber allein in Deutschland schon 100 Millionen Dosen verimpft hat, sind aber keine neuen Impffolgen zu erwarten, die nicht schon bekannt sind, wie etwa Müdigkeit oder Kopf- und Muskelschmerzen.

Ist der Vorwurf richtig, es handle sich beim Impfen mit mRNA-Wirkstoffen um eine kaum erprobte Gentherapie?

Mergen: Es wird ein Protein produziert, das Antikörper hervorruft. Aber die Wirkstoffe greifen nicht in einen Zellprozess ein, sie verändern die DNA nicht.

Und ist Biontech wirklich kaum erprobt, wie Impfgegner behaupten?

Mergen: Es gab eine große Zulassungsstudie initial vor einem Jahr mit 44 000 Probanden. Mittlerweile haben Hunderte von Millionen Impfstoffe erhalten, man kann nicht sagen, dass sie schlecht erprobt seien.

„Nach Auffrischimpfung ein Schutz von 90 Prozent“

Zunächst wurden Zweifel an Astrazeneca geäußert, dann hieß es wieder, Auffrischungsimpfungen sollten nur an Ältere gegeben werden. Haben Stiko und Politiker nicht auch durch Verunsicherungen Zweifel am Impfen gemehrt?

Mergen: Im Nachhinein bewertet man die Lage oftmals anders. Aus meiner Sicht hätten wir aber mit dem Boostern eher beginnen sollen.

Impfgegner sagen, dass die gigantischen Infektionszahlen trotz zwei Drittel durchgeimpfter Menschen in Deutschland die Unwirksamkeit des Impfens beweisen.

Mergen: Die Wirksamkeit der Impfung ist durch Studien belegt. Um die Weitergabe des Virus von Mensch zu Mensch zu unterbrechen, müssen aber ausreichend viele Menschen geimpft sein. Wie groß der Anteil der Geimpften sein muss hängt unter anderem von der Ansteckungsfähigkeit des Virus ab. Spanien beispielsweise hat einen Anteil von 90 Prozent Geimpften in der Bevölkerung. Dies spiegelt sich nun in niedrigen Infektionszahlen wieder. Auch in Deutschland sieht man in Ländern mit höherer Impfquote geringere Infektionszahlen. In Bayern unterscheidet sich die 7-Tageinzidenz zwischen Ungeimpften und Geimpften erheblich. Derzeit liegt diese bei den Geimpften bei 112, bei den Ungeimpften bei 1726.

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Und die vielen Impfdurchbrüche?

Mergen: Je länger die Impfung zurückliegt, je älter Geimpfte sind und je schlechter die eigene Immunsituation ist, desto häufiger kommt es zu Impfdurchbrüchen. Dies zeigt, wie wichtig die Auffrischimpfung ist. Damit kann wieder ein Schutz von über 90 Prozent erreicht werden. Impfstoffe schützen vor Erkrankung, schwerem Verlauf und auch Infektionen, die unbemerkt ablaufen. Allerdings ist der Schutzgrad unterschiedlich hoch. Nach erfolgter Auffrischimpfung sowie in den ersten Monaten nach der Zweitimpfung liegt die Schutzwirkung in allen Bereichen im Durchschnitt bei über 90 Prozent.

Werden die Impfungen auch gegen die Omikron-Variante wirken?

Mergen: Das ist noch nicht klar. Derzeit gibt es in Europa und auch bereits in Deutschland bestätigte Fälle. Die Variante wird von der WHO als besorgniserregende Variante eingestuft. Es zeigen sich im Vergleich zu dem ursprünglichen Virus viele Veränderungen. Vermutlich ist die Variante ansteckender als Delta. Wie schnell und in welchem Umfang sie sich in Deutschland und Europa ausbreiten wird, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Ebenso wird in wenigen Tagen laut Biontech geklärt sein, ob der aktuelle Impfstoff gegen die neue Variante wirksam ist.

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