Mehr Corona-Tote als in ganzen Bundesländern: Stadt und Landkreis Rosenheim schwer getroffen

Die Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus in Rosenheim übersteigen die ganzer Bundesländer.
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Die Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus in Rosenheim übersteigen die ganzer Bundesländer.
  • Rosi Gantner
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Düstere Zahlen hinterlässt die erste Welle der Corona-Pandemie in der Region: Insgesamt 222 Corona-Tote gibt es offiziell in Stadt und Landkreis Rosenheim zu beklagen – so viele wie in kaum einer Region in Bayern und weitaus mehr als in so manch einem Bundesland.

Rosenheim – Deutschlandweit zählt der Raum Rosenheim bei den Corona-Toten zu den traurigen Spitzenreitern. Mit 199 registrierten Todesfällen im Landkreis und 23 im Stadtgebiet von Rosenheim ist die Region mit ihren gesamt gut 324 000 Einwohnern ähnlich stark betroffen wie beispielsweise ganz Berlin (224) und Sachsen (225). Weitaus weniger Tote zu beklagen haben bislang Brandenburg (169), Bremen (56), Mecklenburg-Vorpommern (20), Sachsen-Anhalt (64) sowie Schleswig-Holstein (158), Thüringen (183) und das Saarland (174).

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Die bis dato am schwersten betroffenen Bundesländer sind Nordrhein-Westfalen mit knapp 1800 Corona-Toten, umgerechnet zehn pro 100 000 Einwohner; Baden-Württemberg mit etwa 1860 Sterbefällen, umgerechnet 17 pro 100 000 Einwohner; und an der Spitze Bayern mit knapp 2640 Verstorbenen und damit 20 pro 100 000 Einwohner.

In Bayern wiederum kristallisieren sich ein paar wenige Regionen heraus, die besonders hart von SARS-CoV-2-Infektionen betroffen waren: Neben den Kreisen Tirschenreuth, Wunsiedel und Neustadt/Waldnaab und den aktuell schwer gebeutelten Kreisen Dingolfing-Landau und Straubing sind es im Süden insbesondere Rosenheim und Traunstein. Hier lassen neben den Infiziertenzahlen von knapp 750 je 100 000 Einwohner im Landkreis Traunstein und 900 Fällen pro 100 000 Einwohner im Landkreis Rosenheim vor allem die Covid-19-Sterbefälle aufhorchen.

Vergleich mit den Nachbarlandkreisen

Traunstein ist mit bislang 88 Corona-Toten vergleichsweise schwer betroffen. Mehr Tote haben bayernweit nur der Landkreis München mit 91 Sterbefällen, Tirschenreuth mit 139, die Region Rosenheim mit 222 und letztlich die Stadt München mit 223 Verstorbenen.

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Weitaus geringere Todeszahlen liegen aus den westlichen und nördlichen Nachbarlandkreisen vor: Miesbach hatte seit Beginn der Pandemie lediglich elf Corona-Tote zu beklagen bei gut 600 Positivfällen; Ebersberg fünf Tote bei rund 540 Covid-19-Fällen; und Mühldorf 27 Verstorbene bei gesamt über 520 Erkrankungen.

Höchst unterschiedlich waren die Städte und Gemeinden im Raum Rosenheim von Covid-19 betroffen. Zu den regionalen „Hotspots“ mit überdurchschnittlich vielen Infizierten zählten zu Beginn der Pandemie im Frühjahr insbesondere Nußdorf, Bad Feilnbach und Aschau. In diesen Gemeinden waren zwischen 19 und 20 Fälle pro 1000 Einwohner aufgetreten. Der landkreisweite Durchschnitt lag bei neun Fällen je 1000 Einwohner; in der Stadt Rosenheim: acht Fälle pro 1000 Einwohner.

Ebenfalls stark betroffen waren in dieser Zeit Kiefersfelden (11), Bad Aibling (12), Kolbermoor (10), Riedering (14), Bernau (13) sowie der Raum Wasserburg (12) mit Albaching (12), Edling (13) und Soyen (13).

Die Fallzahlen in die Höhe schnellen ließen in diesen ersten Wochen insbesondere lokale Ausbrüche in Altenheimen – was mit ein Grund für die vergleichsweise hohe Sterblichkeitsrate in der Region sein könnte. Schwer betroffen waren unter anderem das schlussendlich evakuierte Seniorenheim St. Lukas in Bad Feilnbach und das Seniorenheim Priental in Aschau (insgesamt 18 Corona-Tote, wir berichteten).

Der erste Coronatote in der Region war nur 54 Jahre alt

Dies spiegelt sich auch in der Altersstruktur der Corona-Sterbefälle in der Region wieder. Von den Verstorbenen waren lediglich sieben Personen unter 60 Jahren. 145 Tote waren indes über 80 Jahre alt. Wobei das erste offizielle Corona-Todesopfer am 20. März ein Mann mittleren Alters war: Sepp Mangstl, „Musimoasta“ der Höhenrainer Blaskapelle und stellvertretender Dirigent der Dreder Musi, der im Alter von 54 Jahren, wie berichtet, die SARS-CoV-2-Infektion nicht überlebte. Insgesamt 122 Menschen starben allein in den Romed-Kliniken an Covid-19.

Hinzu kommt die Frage nach der Dunkelziffer. Kam es in der Hochphase der ersten Welle zu einer Übersterblichkeit in der Region? In einzelnen Städten und Gemeinden spiegelt sich das zumindest in den Sterbefällen des ersten Halbjahres (Stichtag 30. Juni) wieder. In Aschau beispielsweise waren Ende Juni bereits mehr Menschen verstorben (73) als im gesamten Jahr 2019 (72). Ebenso im Standesamtsbezirk Stephanskirchen, der neben der Großgemeinde noch Prutting, Söchtenau und Vogtareuth umfasst. Hier waren im ersten Halbjahr bereits 79 Sterbefälle zu verzeichnen, im gesamten Jahr 2019 waren es 64.

Die vorläufig letzten Corona-Todesfälle Mitte Juli

Auch die Stadt Rosenheim erklärt mit Blick auf die Sterberate (1. Halbjahr 2020: 614; 2019 gesamt 1114): Im Zeitraum März bis Mai sei es zu einer vergleichsweise erhöhten Anzahl an Sterbefällen gekommen.

Ähnlich das Bild im Raum Wasserburg, wo im ersten Halbjahr bereits 308 Verstorbene zu vermelden sind. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2019 waren in dem Standesamtsbezirk, der neben der Stadt Wasserburg die Gemeinden Albaching, Amerang, Babensham, Edling, Eiselfing, Griesstätt, Pfaffing, Ramerberg, Rott und Soyen umfasst, 441 Sterbefälle zu verzeichnen.

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Die vorläufig letzten Corona-Todesfälle vermeldete das Gesundheitsamt Rosenheim Mitte Juli. Seit rund sechs Wochen ist zumindest auf diesem Gebiet Ruhe eingekehrt, die Zahlen stagnieren – wenn auch die Infektionszahlen an sich seit Anfang August wieder kontinuierlich ansteigen. Auch in den Kliniken befinden sich wieder erste Infizierte in stationärer Behandlung.

Was waren die Gründe?

Über die Gründe, weshalb die Region Rosenheim besonders hart von der ersten Welle betroffen war, kann bislang nur spekuliert werden. Waren es die vielen Skiurlaub-Rückkehrer, anfangs aus Südtirol, dann aus Ischgl und vom Arlberg, die das Virus in die Region brachten? Trugen dann Feste und Feiern, möglicherweise auch das Starkbierfest Rosenheim, und schließlich die Kommunalwahlen Mitte März zur weiteren Verbreitung bei?

Fundierte Erkenntnisse – zumindest für einen der regionalen „Hotspots“ – erhofft man sich nun von der in Bad Feilnbach (Auftakt 23. Juni) durchgeführten Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI), deren Ergebnisse am 25. August präsentiert werden sollen.

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