Rosenheim: Polizei entdeckt Kokain im Wert von knapp einer Million Euro im Kofferraum

Auf einem Rastplatz bei Bad Feilnbach kontrollierten die Schleierfahnder das Auto des Angeklagten (45). Dabei stießen sie auf das Kokain-Versteck.
+
Auf einem Rastplatz bei Bad Feilnbach kontrollierten die Schleierfahnder das Auto des Angeklagten (45). Dabei stießen sie auf das Kokain-Versteck.

Ein kleiner Inbusschlüssel führte aufmerksame Schleierfahnder der Grenzpolizei Raubling bei einer nächtlichen Kontrolle zu einem enormen Drogenfund. Der Schlüssel passte zu einem verriegelten Schmugglerversteck im Kofferraum des Pkw Toyota Avensis.

von Monika Kretzmer-Diepold

Traunstein/Rosenheim– Darin waren neun Pakete mit rund neun Kilogramm Kokain verstaut. Den Fahrer des Wagens, einen 45 Jahre alten Albaner aus Dortmund, verurteilte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs jetzt zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren.

Dortmunder Kennzeichen

Ein 25-jähriger Polizeibeamter und seine Kollegin waren in der Nacht des 7. November 2019 mit einem Zivilfahrzeug als Schleierfahnder auf der Autobahn A 8 unterwegs. Der Wagen mit Dortmunder Kennzeichen fiel der Streife nahe Bad Feilnbach in Fahrtrichtung Salzburg auf. Sie lotste das Fahrzeug auf den Parkplatz Eulenauer Filz.

Das könnte sie auch interessieren:Polizei hebt Drogenlager in Prien: Kokain, Amphetamine und Ecstasy in der Regentonne

Der Pkw-Lenker verneinte gegen 3 Uhr morgens, etwas Verbotenes dabei zu haben. In der Fahrertüre stießen die Beamten auf den Inbus-Schlüssel. Bei der Untersuchung des Autos fiel den Fahndern eine Unregelmäßigkeit im Kofferraum auf: Der Teppich unterschied sich von dem Belag im übrigen Fahrzeug. Nach dem Entfernen des Teppichstücks war ein Deckel zu sehen – der sich bei der genaueren Durchsuchung in der Dienststelle mit dem Inbus-Schlüssel öffnen ließ. „Der Hohlraum ist eigentlich bauartbedingt. Er war jedoch zusätzlich innen ausgekleidet und verschließbar“, erklärte der Polizeizeuge auf Frage des Vorsitzenden Richters.

Lesen Sie auch: Weitere aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite

Der Angeklagte trug damals außerdem 1450 Euro Bargeld und einen Zettel mit Nummern und dem Vermerk „Amsterdam“ bei sich. Der 25-Jährige wollte bei der Kontrolle wissen, ob der Pkw-Fahrer in Holland gewesen sei. Das wies dieser zurück. Er komme aus Dortmund, wolle nach Meran, dann nach Albanien und zurück nach Dortmund. Daraus wurde nichts: Die Fahrt endete mit der vorläufigen Festnahme und Untersuchungshaft seither. Wie sich im Zug der Ermittlungen zeigte, war das Kokain von bester Qualität. Im üblichen Maß gestreckt, hätten die Drogen einen Marktwert von knapp einer Million Euro gehabt.

Kurierlohn betrug 1500 Euro

Der zur Tatzeit arbeitslose Angeklagte mit Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim gab gestern zu, doch zweimal in Holland gewesen zu sein, aber aus anderen Gründen. Das Kokain sei in seiner Gegenwart in Oberhausen nahe Dortmund eingebaut worden. Er habe das vollgetankte Auto dort übernommen und vorab 1500 Euro Kurierlohn erhalten. 500 Euro hätte er noch kriegen sollen. Selbst drogenabhängig war er nicht. Der psychiatrische Sachverständige, Oberarzt Rainer Gerth vom Bezirksklinikum in Gabersee, attestierte dem Albaner volle Schuldfähigkeit.

Gericht sieht keine Einfuhr

Staatsanwalt Josef Haiker plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und drei Monaten. Der Verteidiger, Harald Baumgartl aus Rosenheim, hielt sechseinhalb Jahre Haft für ausreichend. Das Gericht ging letztlich von der Version des Angeklagten mit Übernahme der Drogen in Oberhausen aus. Das bedeutete im Schuldspruch „Besitz von und Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“. Der Vorwurf der „Einfuhr“ entfiel.

Kommentare