Livestream auf Youtube am 17. und 18. Oktober

Region Rosenheim/Mühldorf kommt für Atommüll-Endlager in Frage: Fachkonferenz startet

Deutschland braucht Atommüll-Endlager. Laut Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) kommen dafür unter anderem Gebiete bei Mühldorf am Inn, Rosenheim und im Chiemgau in Frage. Am 17. Oktober startet zur bundesweiten Suche eine Fachkonferenz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Weite Teile der Landkreise Rosenheim und Mühldorf werden laut Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) in die Suche nach einem Atommüll-Endlager einbezogen.
  • Mehr als die Hälfte des gesamten Bundesgebietes zählen im ersten Untersuchungsschritt zu den potenziell geeigneten Standorten.
  • Am 17. und 18. Oktober findet eine Online-Fachkonferenz zur Endlager-Suche statt, die live bei Youtube gestreamt wird.

Update 16. Oktober

Online-Fachkonferenz zur Endlagersuche am 17. und 18. Oktober

Bei einer Fachkonferenz stellt die Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE) ihren Zwischenbericht zur Diskussion. Ein Zwischenbericht, der auch in der Region Rosenheim, Mühldorf und Chiemgau für viel Wirbel gesorgt hat. Sind doch einige Gebiete in der Region dabei, die nach einer ersten groben Einschätzung als Endlager für Atommüll in Frage kommen.

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Der Zwischenbericht der BGE gibt der Öffentlichkeit erstmals einen Einblick in den Stand der Arbeiten des bundeseigenen Unternehmens zur Endlagersuche. An der Fachkonferenz nehmen teil: Bürger, Vertreter von Gemeinden, Kreisen und Bezirken, Vertreter gesellschaftlicher Organisationen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Die Auftaktveranstaltung findet am Wochenende vom 17. bis 18. Oktober 2020 online statt. Die BGE streamt die Konferenz auf ihrem Youtube-Kanal live ins Netz. Dabei wird zunächst der Zwischenbericht Teilgebiete durch die BGE mbH vorgestellt. Ziel ist es nach Darstellung der BGE, eine einheitliche Informationsgrundlage für alle Teilnehmenden zu schaffen.

Nach der Auftaktveranstaltung beginnt dann an drei Terminen im Februar, April und Juni 2021 die Beratung über die Zwischenergebnisse der BGE. Aufgrund der derzeit sich entwickelnden Pandemie-Lage muss der Auftakt der Fachkonferenz als Online-Veranstaltung durchgeführt werden. Ausrichtung und Programm bleiben laut Veranstalter unberührt. Weitere Informationen zum Ablauf der Auftaktveranstaltung gibt es auf der Themenseite BGE zur Fachkonferenz.

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Update 28. September, 15.12 Uhr

Ludwig hat „große Zweifel an der Qualität des Zwischenberichts“

„Die Bayerische Staatsregierung hat bereits angekündigt, diesen Zwischenbericht kritisch zu prüfen. Das begrüße ich sehr, denn für eine kritische Überprüfung gibt es genug Anlass“, sagt die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU). Nach diesem Zwischenbericht sind 54 Prozent des Bundesgebietes theoretisch geeignete Teilgebiete. „Daran erkennt man, dass ein sehr großes Raster angelegt wurde“, so Ludwig.

Sie sieht in dem Zwischenbericht der BGE auch keinerlei abschließende Beurteilung, ob ein Gebiet für ein Atommüll-Endlager geeigenet ist. „Ich merke aber in aller Deutlichkeit an, dass ich große Zweifel an der Qualität des Zwischenberichts habe. Dass man ausgerechnet eines der ältesten Schutzgebiete in Bayern – so etwa die Eggstätter-Hemhofer-Seenplatte – als grundsätzlich geeignet beurteilt, kann ich nicht nachvollziehen und ist nicht akzeptabel.“

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Es sei deshalb richtig, dass die Bayerische Staatsregierung eigene wissenschaftliche Untersuchungen angekündigt hat. Ludwig: „Die Suche nach möglichen Endlagerstätten für radioaktive Abfälle darf keine Frage der Ideologie sein, sondern muss auf Erkenntnissen zu Geologie, Umwelt und Naturschutz beruhen.“ Die CSU-Bundestagsabgeordnete ruft dazu auf, dass die Bürger nun auf den vorgesehenen Wegen ihre Stellungnahmen zur Endlagersuche abgeben sollten und aufzeigen, „warum ein solches Endlager bei uns nicht denkbar ist“.

Winhart kritisiert Endlagersuche in der Region und Ausstieg aus der Kernernergie

Der Rosenheimer AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart zeigt sich in einer ersten Reaktion entsetzt über den Bericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die Region Süd-Ost-Oberbayern in die Suche für ein Atommüll-Endlager einzubinden. Dass der Salzstock Gorleben, der einmal für ein Endlager gedacht war, nun aus der Untersuchung herausgenommen werden, darin sieht Winhart „ideologische Gründe".

„Ein Endlager in der Region Rosenheim, Mühldorf, Altötting wäre für die Region nicht nur touristisch der Todesstoß, auch Immobilienbesitzer und Investoren stehen mit einer Weiterverfolgung eines Endlagers in unserer Region vor einem großen Problem, da die Preise erdrutschartig sinken", sagt Winhart. Er befürchtet schon negative Auswirkungen durch die jetzige Diskussion.

Winhart kritisiert auch die grundsätzliche Entscheidung zum Ausstieg aus der Kernenergie. Der AfD-Abgeordnete sagt: „Persönlich präferiere ich statt einer Endlagersuche verstärkte Investitionen in die Kerntechnikforschung, um neue Technologien wie den Dual-Fluid-Reaktor, welcher beispielsweise ermöglicht, hochradioaktives Material quasi bis zum letzten Atom aufzubrauchen.“

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung erklärt die Endlagersuche in Deutschland

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Update 28. September 13.15 Uhr

München (dpa) - Der Zwischenbericht zur Endlagersuche stößt bei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf große Skepsis. Von Bayern gebe es im Verfahren jetzt «keine Totalblockade», der Freistaat werde das Verfahren aber «sehr konstruktiv und kritisch begleiten», sagte er am Montag in München. Dazu werde die Staatsregierung auch auf eigene wissenschaftliche Expertisen zurückgreifen. Bayern werde sich auch auf allen politischen Ebenen «seriös» einbringen.

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Kritik, dass Gorleben nicht mehr im Verfahren ist

Söder betonte, die Vorgabe, ein Endlager für eine Million Jahre sicherstellen zu können, erlaube keine Alternative zu geologischen Barrieren. Dies sei für den zerklüfteten Granit in Bayern etwa nicht ohne technische Maßnahmen machbar. Söder kritisierte ausdrücklich, dass der Salzstock Gorleben aus dem Verfahren herausgenommen wurde.

Kritisch bewertete Söder auch das breit angelegte Suchverfahren. Fast Zweidrittel von Bayern seien nun zu Teilgebieten erklärt worden. Das werde viele Menschen verunsichern. Unterfranken, Oberfranken, Mittelfranken, die Oberpfalz, und Niederbayern seien komplett in der Auswahl, Schwaben etwa zur Hälfte und auch Oberbayern sei massiv betroffen.

Harsche Kritik von Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber

Die für das Suchverfahren zuständige Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) weist in ihrem am Montag in Berlin vorgestellten ersten Zwischenbericht sieben sogenannte Teilgebiete in Bayern aus, die 76 Landkreise und eine Fläche von fast 42.000 Quadratkilometern umfasst. Insbesondere für das Wirtsgestein Granit werden weite Teile des Landes als potenziell geeignet ausgewiesen, aber auch Regionen mit Tonvorkommen sowie ein kleiner Abschnitt mit Salz.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hatte den am morgen vorgestellten Zwischenbericht der BGE harsch kritisiert. Dieser sei auf dem Niveau der Untersuchung eines Geologie-Studenten im dritten Semester. Mehr als die Hälfte des Bundesgebietes in einem ersten Schritt als potenziellen Endlager-Standort zu untersuchen, mache aus seiner Sicht keinen Sinn.

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Die Erstmeldung vom 28. September, 11.39 Uhr

Berlin - Nach Jahrzehnten der Endlagerforschung im niedersächsischen Gorleben wurde der Salzstock nun aus dem Verfahren gestrichen. Dafür wurden 90 Regionen im Bundesgebiet als prinzipiell geeignet identifiziert.

Geologische Mängel haben den Salzstock Gorleben aus dem bundesweiten Suchverfahren für ein Atomendlager ausgeschlossen. «Gorleben ist nicht der bestmögliche Standort», sagte Steffen Kanitz, Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am Montag in Berlin. Unter anderem weise der Salzstock ein nicht intaktes Deckgebirge vor, auch die Gewässerchemie spreche gegen den Standort. Er betonte auf Nachfrage, dass die Entscheidung rein wissenschaftlich erfolgt sei, es habe keinen politischen Druck gegeben. Gorleben habe bei der ersten Prüfung der Geologie die Hürde genommen, weise aber keine «günstige Gesamtsituation» auf.

Die im Bericht markierten Gebiete bei Rosenheim und im Chiemgau , die sich für Endlager eignen würden

Standort für Endlager soll bis 2031 gefunden sein

Davon unabhängig erlaube die Geologie in Deutschland aber in jedem Fall den Bau eines Endlagers für hoch radioaktiven Atommüll. «Die Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West so günstig, dass sich ein Standort wird ermitteln lassen», sagte Stefan Studt, BGE-Geschäftsführer. Mit Blick auf den zuvor vorgelegten ersten Teilbericht zur Endlagersuche seien die nun ausgewählten Regionen aber «noch lange kein Endlagerstandort».

Die im Bericht markierten Gebiete bei Mühldorf am Inn , die sich für Endlager eignen würden

Ziel der Endlagersuche, die bis 2031 abgeschlossen sein soll, sei es, einen bestmöglichen Standort zu finden. «Ich würde nicht von Perfektion reden, wir haben die Aufgabe, im Rahmen der Möglichkeiten den bestmöglichen Standort zu finden», sagte Kanitz. Ob es am Ende eine perfekten Standort geben werde, könne erst nach dem Verfahren gesagt werden. «Niemand ist perfekt, weder wir noch die Natur.» In jedem Fall sei nun klar, dass Deutschland anders als andere Länder «gesegnet mit ausreichend guter Geologie» sei. Alle drei in Frage kommenden Wirtsgesteine - Salz, Ton und Granit - seien vorhanden.

Pressekonferenz zur Suche eines Atomendlagers

Die im Bericht markierten Gebiete bei Rosenheim, im Chiemgau und bei Mühldorf am Inn, die sich für Endlager eignen würden

Der Bericht definiert 90 Gebiete in Deutschland, die nach Erkenntnissen der BGE günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager vorweisen. Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Teilgebiete liegen etwa in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch in den ostdeutschen Ländern.

Am heutigen Montag, 28. September 2020, um 12 Uhr wollen Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Umweltminister Thorsten Glauber in einer Pressekonferenz über die aktuelle Entwicklung zur Suche eines Atomendlagers informieren.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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