OVB-SERIE „HERBSTFEST-ERINNERUNGEN“

Herbstfest-Missen 2001-2009: Mütter, Sennerinnen, Liebesflüsterinnen

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  • Ludwig Simeth
    vonLudwig Simeth
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Wie doch die Zeit vergeht. 19 Herbstfest-Missen hat es schon auf der Rosenheimer Wiesn gegeben. Aus vielen Mädchen sind Frauen und Mütter geworden. Manche fliegen um die Welt, andere verbringen jeden Sommer als Sennerin auf der Alm oder retten Ehen auf der Insel.

Rosenheim -Im ersten Teil von zwei Folgen kommen heute die Missen von 2001 bis 2009 zu Wort. 

Hier geht es zum 2. Teil: Herbstfest-Missen 2010-2019: Immer noch Schmetterlinge im Bauch

Miss Herbstfest 2001: Petra aus Tuntenhausen

Petra Murnauer (18) aus Oberrain (Gemeinde Tuntenhausen) ist 2001 die erste Miss Herbstfest – allerdings ohne Regentschaft. Gewählt wird sie erst zum Wiesn-Ende. Zuvor wird täglich eine Tagessiegerin gewählt, nach zwei Wochen dann die Miss gekürt. Und das ist Murnauer, die heute Petra Fritzenschaft heißt, weiter im kaufmännischen Bereich arbeitet und einen Sohn (2) hat. Der Wiesn hält die 37-Jährige die Treue. Ein Bummel ist jedes Jahr Pflicht. „Einfach eine einzigartige Atmosphäre, mein Lieblingsplatzerl ist das Flötzinger: Tradition, Gemütlichkeit und Stimmung.“ Und 2020 ohne Wiesn? „Fad – aber leider unumgänglich. Ich freue mich umso mehr auf 2021 und genieße den Sommer dahoam.“

Lesen Sie hier: Anzapfen am Rosenheimer Herbstfest – keine Wissenschaft für sich

Miss Herbstfest 2002: Sabine aus Hohenthann

Sabine Dörrer (20) aus Hohenthann (Gemeinde Tuntenhausen) ist 2002 die erste „echte“ Miss Herbstfest. Sie kommt aus der Landwirtschaft, arbeitet als Betriebshelferin... Heute heißt sie Sabine Öttl, ist 38 Jahre alt, lebt und arbeitet in Irnkam (Gemeinde Riedering) als Hausfrau und Landwirtin. „Wenn Herbstfest ist – einfach undenkbar für meine Familie, da nicht hinzugehen“, sagt die Mama von drei Kindern (vier, sieben und 15 Jahre). Schmankerl genießen, Lose kaufen, Fahrgeschäfte testen, Aufbrezeln in Tracht – das hätte Sabine auch 2020 gern gemacht. „Aber jetzt frein mia uns hoid auf naxte Jahr – wenn’s Herbstfest dann hoffentlich wieder is“.

Miss Herbstfest 2003: Lisa aus Aising

Lisa Artmann aus Rosenheim-Aising, die Miss Herbstfest 2003, ist dem Herbstfest wohl so verbunden wie kaum eine zweite Ex-Miss: „Ich habe das Amt für die Betreuung der Kandidatinnen und der Missen von Monika Reis übernommen.“ So laufen bei Lisa nach wie vor alle Kanäle zusammen – zum Beispiel, wenn es darum geht, möglichst viele der mittlerweile 19 Regentinnen zu einem Treff zusammenzubekommen. 25 Jahre war Lisa, als sie Schärpe und Krone trug, heute ist sie 42, ist verheiratet, heißt Lisa Bayer und hat eine Tochter (3). „Ich denke noch immer gerne an meine Zeit als Miss Herbstfest zurück und freu mich für alle, die das tolle Amt machen dürfen.“

Miss Herbstfest 2004: Vroni aus Bruckmühl

Zur Miss Herbstfest wird 2004 Vroni Volke (19) aus Bruckmühl gewählt. „Heute heiße ich immer noch so und lebe jetzt auf der Höri am Bodensee“, verrät sie. Mit ihrem Freund hat die 35-Jährige einen gemeinsamen Sohn, den kleinen Silas (15 Monate), zur Patchworkfamilie gehören auch Tochter Miu (13) und Sohn Otis (9). Das Paar hat eine ganz spezielle Firma: Die Beziehungslehre. „Wir sind Coaches im Bereich Beziehungsglück und stehen für ein glückliches Mann- und Frausein“ (www.beziehungslehre.de). Als amtierende Miss war Vroni noch Bankkauffrau, danach bei Paulaner Markenbotschafterin des FC Bayern. Den Job hat Vroni in der Schwangerschaft aufgegeben. „Heuer komme ich durch die Nicht-Wiesnzeit, indem ich mir hier am Bodensee auf unserem Motorboot ein kühles Flötzingerbier aufmache, im Radio STS aufdrehe und in Erinnerungen ans Herbstfest schwelge.“ Also ein Prosit der Gemütlichkeit vom See aus: „Die Wiesn lebt auch dieses Jahr – anders als sonst, aber aber im Herzen präsent.“

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Miss Herbstfest 2005: Michaela aus Bad Aibling

Michaela Kink (24) aus Bad Aibling ist 2005 die fünfte Miss Herbstfest. „Mein Lieblingsplatz ist am Abend die urig-gesellige Tatzlwurmhütte“, sagt sie 15 Jahre später. Die zahnmedizinische Assistentin ist verheiratet, heißt jetzt Michaela Mäscheder-Kink, wohnt in Großkarolinenfeld und hat eine achtjährige Tochter. „Mit Antonia geben wir auf der Wiesn unser Geld für Lose, Karussells und Süßigkeiten aus, bis wir zufrieden und pleite sind“, lacht die ebenso vielseitige wie kinderliebe 39-Jährige. Seit 2018 verkörpert sie den Weihnachtswichtel Wiggerl auf dem Rosenheimer Christkindlmarkt, zudem engagiert sie sich ehrenamtlich für die Familienhilfe der Koki (Koordinierungsstelle Frühe Kindheit).

Miss Herbstfest 2006: Christine aus Stephanskirchen

„Bis zu dem Tag, als das erste Kind kam, war ich jedes Jahr intensiv und am liebsten täglich auf der Wiesn“, sagt Christine Obermüller, die Miss Herbsfest 2006. „In den letzten Jahren war das leider nicht so oft möglich, aber das hole ich in ein paar Jahren hoffentlich wieder rein.“ Christine aus Stephanskirchen, 26 Jahre – das stand damals in ihrem Miss-Herbsfest-Steckbrief. Das Bild links zeigt sie beim Pizzaversteigern für einen guten Zweck mit Landrat Max Gimple – aber es ging auch hoch her, zum Beispiel beim Power Tower, dem höchsten transportablen Freifallturm der Welt, der 2006 die alles überragende Attraktion auf der Loretowiese war. Inzwischen sind bei Christine nicht nur 14 Jahre, sondern auch eine Heirat und drei Kinder (sieben, fünf und ein Jahr alt) dazu gekommen. Die Arzthelferin, aktuell in Elternzeit Hausfrau und Mutter, lebt jetzt mit ihrer Familie im Landkreis Miesbach. Das Herbstfest 2020 hätte die dreifache Mama ohnehin gestrichen: „Wir sind diesmal im Urlaub.“

Miss Herbstfest 2007: Andrea aus Raubling

Bei Andrea Roth, seit der Heirat Andrea Eschbaum, dreht sich derzeit alles ums gerade einmal fünf Wochen junge Töchterlein. Deshalb kann die Raublingerin die Wiesn-Auszeit 2020 verschmerzen: „Ich genieße die Zeit mit meiner Familie, und da wir gerade nochmal Nachwuchs gekriegt haben, unser Bub ist zwei Jahre, haben wir genug zu tun.“ Mit 20 war die Raublingerin die Miss Herbsfest 2007, heute ist die Automobilkauffrau (33) Assistentin der Geschäftsführung. Der Plan für den Wiesn-Neustart 2021: „Unter der Woche mit Kindern und Familie Karussell fahren – die Wochenenden gehören dann mir und meinem Mann mit Freunden im Flötzinger-Zelt.

Miss Herbstfest 2008: Marianne aus Neubeuern

„Zur Wiesnzeit war ich in den vergangenen Jahren nur selten im Lande. Deshalb ist ein Bummel für mich mittlerweile ein ganz besonderes Erlebnis“, sagt Marianne Pichler aus Neubeuern, die Miss Herbstfest 2008, die nun Marianne Heinrich heißt. Sie ist sicher die „weltoffenste“ Miss – ständig auf allen Kontinenten unterwegs. Ihre Reisestationen zuletzt: Neuseeland, Australien, Samoa, Indonesien, Vietnam, Thailand, Malaysia, Singapur, Laos, Kambodscha, Marokko, USA, Panama, St. Barth in der Karibik, Tunesien, Südafrika, Botswana, Malediven, Simbabwe – „und fast jedes Land in Europa“. Damit verdient Marianne jetzt ihr Geld. Mit 20 als amtierende Miss noch Friseurin, ist die heute 32-Jährige nun als Travel-Concierge und Produkt-Managerin bei der Elegant Travel GmbH in Neubeuern häufig auf Achse. Aber nicht immer. 2021 will Heinrich wieder so richtig ins Rosenheimer Wiesnleben eintauchen: „Dann holen wir hoffentlich alle nach, was uns heuer entgeht.“ Dann hoaßt‘s: Hawedere statt Belvedere.

Miss Herbstfest 2009: Kathi aus Kiefersfelden

Viel getan hat sich auch bei der Miss Herbstfest 2009, Kathi Brunschmid (24) aus Kiefersfelden. Heute: Kathi Regauer, 35, seit 31. Dezember 2014 verheiratet und mittlerweile Mama von zwei Buben, geboren am 1. Januar 2017 und 1. März 2018: Ihren Job als Transportmanagerin hat Katharina aufgegeben, nun ist sie Vollzeit-Mama, Bürokraft in der Schreinerei ihres Mannes und verbringt die Sommer als Sennerin auf der Alm. „Ich verstehe jetzt den Begriff Familienwiesn besser als damals. Heute gehe ich am liebsten gemütlich mit all meinen Burschen in den Biergarten.“ Auf der Alm kommt sie ganz gut über die wiesnfreie Zeit. Trotzdem: „Ewig schade, dass nix is in diesem seltsamen Jahr.“

Hier geht es zum 2. Teil: Herbstfest-Missen 2010-2019: Immer noch Schmetterlinge im Bauch

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