Krisenmanager hinter den Kulissen – Otto Lederer zieht nun ins Landratsamt ein

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Otto Lederer legt bei Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner sein Landtagsmandat nieder – ein Akt, verbunden mit etwas Wehmut, aber auch viel Vorfreude, wie er bekennt. 
  • Rosi Gantner
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Der Wahlkampf: abrupt beendet. Die gewonnene Stichwahl: ohne Wahlparty und Schulterklopfen. Und nun: der Sprung vom Landtagsabgeordneten zum Landrat des Landkreises Rosenheim – in der Corona-Krise. 

Rosenheim – Doch Otto Lederer (CSU) steckt bereits mitten drin in der Herausforderung. Denn er ist längst eingebunden und gefragt: als Krisenmanager hinter und vor den Kulissen.

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Ende März hatte sich Otto Lederer in der Stichwahl gegen die Grünen-Kandidatin Ursula Zeitlmann durchgesetzt und tritt zum 1. Mai nun die Nachfolge von Wolfgang Berthaler als Landrat an – doch von behutsamem Einarbeiten in die neue Aufgabe war inmitten der Corona-Krise keine Spur. Ganz im Gegenteil: Lederer war in den vergangenen Wochen auf allen Ebenen ein gefragter Mann – wenn es auch immer nur um ein Thema ging: die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Sorgen und Nöte. 

Organisationstalent gefragter denn je

Unzählige Bürgeranliegen, Anfragen, Hilfegesuche liefen und laufen noch bis heute, Donnerstag, bei ihm als Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis Rosenheim-West auf. Gleichzeitig galt es, sich in den vergangenen Wochen auf den Posten Landrat vorzubereiten – und im Katastrophenfall, ausgerufen im Zuge der Corona-Pandemie, bereits aktiv zu sein. Und auch im Landkreis war die Not groß, insbesondere in Sachen Schutzausrüstung. Masken, Schutzkittel und Handschuhe, alles Mangelware – da waren Kontakte und Organisationstalent gefragt. „Das bringt man sich natürlich ein“, gibt sich Lederer bescheiden. 

Unter anderem hatten er und sein MdL-Kollege Klaus Stöttner, wie berichtet, die Beschaffung von einer Million Schutzmasken zum Preis von 1,87 Millionen Euro eingefädelt. Die Lieferung wird dieser Tage erwartet. 

10.000 Schutzmasken pro Tag

Wie sieht die aktuelle Lage in Sachen Schutzausrüstung aus im Landkreis? Entspannter als noch vor ein, zwei Wochen, kann Lederer Entwarnung geben. „Uns ist es zwar immer gelungen, an Materialien zu kommen, aber wir mussten teils schon haushalten“, gibt er zu. 

Inzwischen würden regelmäßig Lieferungen in der Region ankommen, ob von Seiten des Bundes oder aus selbst erschlossenen Quellen. „Das läuft. Wir sind aber noch weit entfernt davon, sie wie andere Länder an die Bürger verschenken zu können.“ Denn: Der Bedarf ist beträchtlich in Stadt und Landkreis Rosenheim: Allein an die 10 000 Schutzmasken werden Lederer zufolge pro Tag benötigt – in Kliniken, Pflegeheimen, von Ärzten. 

Eine Herausforderung, die so schnell nicht enden wird. Die Gesamtlage im Landkreis Rosenheim hat Lederer bereits im Blick – obwohl er offiziell erst zum 1. Mai sein Amt antritt. Täglich lässt er sich von der Führungsgruppe Katastrophenschutz, die den kleinen Sitzungssaal im Hauptgebäude des Landratsamtes an der Wittelsbacherstraße in Beschlag genommen hat, auf den neuesten Stand bringen. Einmal die Woche ist er zudem in Sitzungen – natürlich mit entsprechendem Sicherheitsabstand – eingebunden. 

Die Themen? Corona – und die Auswirkungen, die die Pandemie mit sich bringt. 

„An vorderster Stelle steht die Beschaffung von Schutzmaterial“, berichtet Lederer. Dann kommt viel Organisatorisches. „Zum Beispiel ganz aktuell der Schulbeginn für die Abschlussklassen. Der Landkreis ist mit 23 Schulen betroffen, hier gilt es die Schulleitungen zu unterstützen.“ 

Direktes Feedback fehlt

Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen betreffen Lederer auch ganz persönlich: Der Wahlkampf endete Mitte März abrupt, keine Infostände mehr, keine persönlichen Gespräche – „eigentlich alles, was einen Wahlkampf ausmacht. Das war eine große Umstellung, man bekommt keine Stimmung mehr mit, kein Feedback.“ Seitdem: keine Wahlparty, kein Händeschütteln, kaum mehr Termine – und ein Leben auf Abstand. 

Otto Lederer, seit dem Sommer in doppelter Mission, als Landtagsabgeordneter und Wahlkämpfer, stets durchgetaktet unterwegs, erfuhr eine Vollbremsung. Die komplette Entschleunigung. Von 100 auf null. „Was aber auch seine positiven Seiten hat“, meint Lederer. „So bleibt an den Abenden und Wochenenden Zeit für die Familie, aber auch, um sich in die neuen Aufgaben einzuarbeiten.“ 

Sein Amt tritt Lederer in Katastrophenzeiten an, die Krise schlägt sich in vielen Bereichen nieder, die florierende Wirtschaft könnte ins Trudeln kommen – könnte es einem da nicht angst und bang werden? Ganz und gar nicht, verneint, Lederer. Er ginge mit einem sehr guten Gefühl in dieses Amt: „Denn ich weiß mich von vielen guten Mitarbeitern im Landratsamt umgeben, aber auch von vielen fähigen Bürgermeistern und Kreisräten, die mich bis jetzt schon positiv begleitet haben.“ Und er ist überzeugt: „Wir sind im Großen und Ganzen gut aufgestellt.“

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