75. Todestag des Kult-Trachtlers

Rosenheim: Zum Gedenken an Thomas Bacher, den letzten Haberermeister vor dem Treibverbot

Thomas Bacher spielte über Jahrzehnte eine wichtige Rolle bei den Trachtlern des Gauverbandes.
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Thomas Bacher spielte über Jahrzehnte eine wichtige Rolle bei den Trachtlern des Gauverbandes.

Am Samstag, 21. November, jährt sich zum 75. Mal der Todestag von Thomas Bacher, dem letzten Haberermeister und langjährigen Vorsitzenden vom Gauverband I. Corona verhindert das geplante große und öffentliche Gedenken der Trachtler.

Rosenheim/Feldkirchen-Westerham – Thomas Bacher wurd e 21. Dezember 1863 in Traubing geboren. Mit zwölf Jahren wurde er Vollwaise und musste sein Leben in die eigenen Hände nehmen. Fleiß und Bescheidenheit besaß er schon in diesem Alter, so durfte er beim Kainz‘n-Bauern seine Jugendjahre verbringen. Durch die Holzarbeit kam er zum Bräu und brachte es vom Holzknecht bis zum Ökonomie-Baumeister. Der „Bräu-Dammer“ flößte durch seine stattlichen Statur Respekt ein. Für den grundehrlichen, fleißigen Weggefährten galten Lügen und Meineid als schlimmste Verbrechen.

Königstreuer Haberfeldmeister

Kein Kind von Traurigkeit der Überlieferung nach, wurde er mit nur 23 Jahren zum Haberermeister gewählt. Noch heute erschallt ein dreifaches „Vivat“ auf den Prinzregenten Luitpold von Bayern in der Erinnerung an Thomas Bacher, der das Königshaus verehrte. Bacher war der letzte offizielle Haberermeister, ehe das „Haberfeld-Treiben“ untersagt wurde. Wenn der Hafer gemäht war, die Felder also ohne Beschädigung betreten werden konnten, kam man auf Anhöhen zusammen. Von dort aus schallte weit ins Land, was es zu hören gab.

Nur verlässliche, verschwiegene Leute, gute Kameraden mit einwandfreiem Leumund wurden beim Oberländler Habererbund, der zwischen Isar und Inn tätig war, aufgenommen. Sie deckten Unsitten und Ungerechtigkeiten auf – was den damaligen Besatzungsmächten und vermeintlichen Gesetzeshütern missfiel.

Verraten und jahrelang in Haft

Nach Verrat aus den eigenen Reihen wurde Bacher verhaftet und zu fünfeinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Trotzdem verriet er keinen anderen Haberer, wofür er bis heute verehrt wird. Und obwohl Waffenkenntnis gefragt war, legt man bis heute großen Wert darauf, dass durch die Haberer kein einziges Menschenleben vernichtet wurde.

Noch heute wird in Westerham der Stopselhut, 1907 als Festtagshut eingeführt, getragen. „Waxlawa“, Zweige der Stechpalme, schmücken ihn als Ausdruck für Bachers Schmerzen in der Kerkerhaft. Rote Moosröschen symbolisieren das unnütze Blutvergießen. Dazu gehört eine Hahnenfeder des weißen Legkorngockels. Nur der Haberermeister darf seinen Hut mit einer weißen und einer schwarzen Feder schmücken.

Noch heute wird in Westerhamder Stopselhut, 1907 als Festtagshut eingeführt, getragen. RE

Von 1919 bis 1945 lenkte Bacher als Vorsitzender die Geschicke des Gauverbandes I. Die beiden Weltkriege prägten seine unermüdliche Schaffenskraft, zwangen aber auch zum Stillstand. So ist in der Chronik des Gauverbandes I zu lesen: „Erst nach einer unfreiwilligen Pause von sechs Jahren nahm der Verband am 21. April 1919 mit einer Delegiertenversammlung seine Arbeit wieder auf. Auf einer außerordentlichen Delegiertenversammlung Ende Juni in Rosenheim trat August Jüngling zurück. Thomas Bacher aus Westerham wurde neuer Gauvorstand.“

Das erste Gaufest nach dem Ersten Weltkrieg fiel wegen der Maul- und Klauenseuche aus. Finanzielle Schwierigkeiten aufgrund der Geldentwertung und der Versuch der Nationalsozialisten, die Trachtenvereine zu vereinnamen, erschwerten Bachers Arbeit.

Die Einführung des „Gauschlag“ als gemeinsamem Plattler, der Beitritt zu den Oberlandler Gauverbänden – später Vereinigte Trachtenverbände –, die Teilnahme am Trachtenaufmarsch 1930 in Rosenheim und der Beitritt der Vereinigten Weihnachtsschützen Berchtesgaden in den Gauverband I ereigneten sich ebenso in seiner Amtszeit wie ein Preis- beziehungsweise Gausingen. Mit dem Kiem Pauli führte er gemeinsam eine Gesangsveranstaltung in Ruhpolding-Zell durch.

Enge Verbindung zum Kiem Pauli

Sicherlich war es für Bacher und seinen Stellvertreter, Dr. Conrad Adlmaier, keine leichte Entscheidung, 1938 die Ämter niederzulegen. Nach sechs Jahren Stillstand planten Bacher und Adlmaier das Aufleben der Trachtler. Doch bevor sie die Pläne umsetzen konnten, verstarb der „Bacher-Vater“ am 21. November 1945 im Alter von 82 Jahren. Er war 26 Jahre Gauvorsitzender und 20 Jahre Vorsitzender der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände.

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