RÜCKGANG DER KRIMINALITÄT

Polizeipräsident: „Ganoven müssen sich Sorgen machen“ - Das liegt auch an der Corona-Pandemie

Ist mit der Entwicklung zufrieden: Robert Kopp, Polizeipräsident des Präsidiums Oberbayern Süd, präsentiert die aktuelle Kriminalstatistik.
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Ist mit der Entwicklung zufrieden: Robert Kopp, Polizeipräsident des Präsidiums Oberbayern Süd, präsentiert die aktuelle Kriminalstatistik.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Die niedrigste Anzahl an Straftaten seit Bestehen des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd ist das Ergebnis der Kriminalstatistik 2020. Mit insgesamt 54.141 Straftaten ist das gesamte Gebiet laut dem Polizeipräsidenten Robert Kopp so sicher wie nie zuvor. Doch hängt dies auch stark mit der Corona-Pandemie zusammen.

Rosenheim – Der positive Trend sei dabei allerdings mit Vorsicht zu genießen. Denn möglicherweise sind die historisch guten Zahlen lediglich die logische Konsequenz der Corona-Pandemie, aufgrund derer zahlreiche zusätzliche Einsätze auf die Beamten zukamen.

Zahl der Straftaten im Landkreis sinkt

„Auch die potenziellen Straftäter haben sich scheinbar an die Ausgangssperre gehalten“, scherzt Polizeipräsident Kopp, während er auf das Jahr 2020 zurückblickt. Er ist überzeugt, dass sich die aktuelle Sicherheitsbilanz sehen lassen kann und verweist auf die positive Entwicklung in der Region. Demnach sei gerade im Landkreis Rosenheim die Anzahl der Straftaten um 10,4 Prozent auf insgesamt 10  259 gesunken. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote von 77,8 auf 80,5 Prozent. In Mühldorf blieb die Menge der Straftaten mit 4297 dagegen gleich. Allerdings wurden auch hier 72,1 Prozent der Fälle erfolgreich aufgeklärt (im Vorjahr 67,3).

Gerade was Delikte angeht, die außerhalb des eigenen Wohnraums stattfinden, sei die abnehmende Entwicklung zu sehen. „Speziell Straßendelikte, Diebstähle und Einbrüche sind, vermutlich aufgrund der Beschränkungen, deutlich zurückgegangen“, betont der leitende Polizeidirektor Frank Hellwig. Viele Leute wären aufgrund der Ausgangsbeschränkungen vermehrt zuhause, was beispielsweise einen Einbruch in eine private Wohnung erschwerte. Damit das auch so bleibt, hat man unter anderem in Rosenheim und Mühldorf kriminalpolizeiliche Fachberater etabliert, die ein Eindringen in die eigenen vier Wände langfristig verhindern wollen.

Wirbt für mehr Aufklärung: Der Leitende Polizeidirektor, Frank Hellwig, will die polizeilichen Fachberater im Landkreis fördern.

Doch nicht alle Straftaten im Landkreis sind rückläufig. Im Bereich häuslicher Gewalt musste man eine Zunahme um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr feststellen. Auch die Cyberkriminalität und die politisch motivierten Delikte nehmen laut Polizei coronabedingt zu.

Heraursforderung: Demonstrationen

Eine besondere Herausforderung sei in dem Zusammenhang die Handhabung mit Demonstrationen von Corona-Leugnern und Querdenkern gewesen. Zusammen mit den Einsätzen bei großen Versammlungen oder unerlaubten Partys kommt man beim Präsidium Oberbayern Süd auf 335 327 Kontrollen aufgrund von Corona. Da aber gleichzeitig nahezu keine kulturellen oder sportlichen Großveranstaltungen stattfanden, konnte man laut Kopp viele der Beamten seit dem ersten Lockdown für die zusätzlichen Kontrollen einsetzen.

Pandemie belastet Polizei und Bürger

Gleichzeitig merkt man bei der Polizei immer mehr, wie sehr die Stimmung der Einwohner von Tag zu Tag kippt. Da laut dem Polizeipräsidenten viele von der aktuellen Situation genervt sind, müsse man gerade bei der Kontrolle der Infektionsschutzverordnungen mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen.

Insgesamt blickt man beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd zufrieden auf das vergangene Jahr zurück. Auch wenn sich die Zahlen aufgrund der Pandemie nicht mit den Vorjahren vergleichen ließen, sei die Latte beim Thema Sicherheit in der Region extrem hochgelegt worden. „Die Ganoven müssen sich in jedem Fall Sorgen machen“, ist sich Präsident Kopp sicher.

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