Aus dem Jugendschöffengericht

„Gangstergehabe“ im Gerichtssaal: Junge Einbrecher aus Rosenheim verurteilt

Wegen mehrerer Einbrüche – sowohl in Geschäfts- wie auch in Privaträume – mussten sich jetzt zwei junge Männer aus Rosenheim vor Gericht verantworten.
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Wegen mehrerer Einbrüche – sowohl in Geschäfts- wie auch in Privaträume – mussten sich jetzt zwei junge Männer aus Rosenheim vor Gericht verantworten.
  • vonChrista Auer
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Das Jugendschöffengericht verurteilte jetzt zwei Rosenheimer (17, 19) wegen schweren Bandendiebstahls und des Diebstahls mit Waffen zu Jugendstrafen von drei Jahren und vier Monaten beziehungsweise vier Jahren und sechs Monaten. Der 19-Jährige muss zudem in eine Erziehungsanstalt.

Rosenheim – Eine Einbruchsserie im Rosenheimer Stadtgebiet hatte Anfang des Jahres die Behörden alarmiert und schließlich zu den beiden jungen Rosenheimern geführt. Vor dem Jugendschöffengericht Rosenheim kam es nun zu einer zweiten Auflage des Verfahrens, das im August im ersten Anlauf ausgesetzt wurde, weil damals alle Prozessbeteiligten der Ansicht waren, dass es ein medizinisches Gutachten brauche, um die Voraussetzungen für einen Maßregelvollzug beim 19-Jährigen zu prüfen. Zwischenzeitlich ist die psychiatrische Begutachtung erfolgt.

Taten Anfang des Jahres

Den beiden jungen Männern wurden eine ganze Reihe von Einbrüchen und Einbruchsversuchen in Geschäfts- und Privaträume Anfang des Jahres in Rosenheim zur Last gelegt. Auffällig dabei: Ihre anvisierten Objekte lagen weitgehend zentral im erweiterten Umkreis des Max-Josefs-Platzes. Die Anklage umfasste 16 Punkte. Darunter schwerer Bandendiebstahl in zwei Fällen sowie versuchter Bandendiebstahl, versuchter Privatwohnungseinbruchsdiebstahl, Diebstahl mit Waffen und versuchter Diebstahl mit Waffen jeweils in mehreren Fällen.

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Unter Einbeziehung ihrer Vorverurteilungen standen dementsprechend hohe Jugendstrafen im Raum. Doch von Einsicht und Reue keine Spur. Dabei hätten Angaben zu den Beweggründen und zu etwaigen Mittätern ihre Lage durchaus verbessern und sich positiv auf das Strafmaß auswirken können.

Die beiden mehrfach vorgeahndeten Jugendlichen räumten die Anklagepunkte zwar weitgehend aber eher halbherzig ein und machten darüber hinaus aber keine weiteren Angaben zum Tatgeschehen. Als Grund für die Taten gaben sie „chronischen Finanzbedarf“ wegen ihrer Drogen- beziehungsweise Spielsucht an. Die beiden Angeklagten und ein weiterer Mittäter hätten als Bande agiert und Mitte Februar ihre Beutezüge in Rosenheim gestartet, um sich längerfristig eine Einnahmequelle zu verschaffen, lautete jedenfalls der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft.

Vorhaben endeten oftmals frühzeitig

Bereits am 13. Februar soll der 17-Jährige vergeblich versucht haben, in eine Wohnung in der Hoppenbichlerstraße einzudringen. Im Zeitraum von 16. Februar bis zum 27. Februar folgten dann eine Vielzahl weiterer, meist gemeinsam oder mit einem Mittäter verübten, Einbruchs- und Diebstahlsdelikte, wenn auch nicht immer mit Erfolg. Häufig blieb das Vorhaben im Versuchsstadium stecken. Dabei erbeuteten die Täter insgesamt etwa 29000 Euro Bargeld und richteten einen Sachschaden von rund 10000 Euro an. Erstmals aufgefallen waren die jugendlichen Täter einer Polizeistreife am 27. Januar gegen zwei Uhr früh vor dem Eingang eines Rosenheimer Hotels.

Die Polizeikontrolle ließen sich die Angeklagten aber nicht als Warnung dienen. Sie setzten ihre Beutezüge mit einem weiteren Mittäter bis zu ihrer Festnahme Ende Februar unbeeindruckt fort, wie der Sachbearbeiter der Kripo Rosenheim gestellte. DNA-Spuren und Videoaufzeichnungen konnten demnach den Angeklagten zugeordnet werden. Seit Ende Februar befanden sie sich in Untersuchungshaft. Laut der sozialpädagogischen Einschätzung der Jugendgerichtshilfe waren bei beiden Angeklagten schädliche Neigungen nicht auszuschließen.

Beim 19-Jährigen lag, laut dem medizinischen Sachverständigen, ein Betäubungsmittelmissbrauch mit enormen Tagesmengen, aber keine schwere Sucht vor. Dennoch sei die Gefahr indirekter Beschaffungskriminalität gegeben. Der Angeklagte erschien therapiefähig. Somit waren die Voraussetzungen für einen Maßregelvollzug gegeben. Die Unterbringung in der Entziehungseinrichtung soll eineinhalb Jahre dauern.

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Der Anklagevertreter nahm die Anregungen auf und forderte unter Einbeziehung der offenen Urteile Einheitsjugendstrafen: Vier Jahren und neun Monaten den 17-jährigen und sechs Jahre für den 19-Jährigen.

Verteidiger Hans Sachse hatte für seinen Mandanten zwei Jahre und zehn Monate als ausreichend erachtet. Er war der Ansicht, dass dem 17-Jährigen nicht alle Anklagepunkte zuzurechnen seien. Gleiches gelte auch für seinen Mandanten, behauptete Verteidiger Thorsten Hauck, obgleich sich der Sachverhalt hier schwieriger gestalte, weil der 19-Jährige bereits eine noch offene Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten mitbringe. Der Verteidiger sah ein Strafmaß von drei Jahren und sechs Monaten angemessen.

Geständnis mit hohem Stellenwert

Das Schöffengericht blieb im Strafmaß unter dem Antrag der Anklage und räumte dem Geständnis einen hohen Stellenwert ein. Zudem befänden sich die Angeklagten über acht Monaten in Untersuchungshaft, hieß es in der Urteilsbegründung von Richter Wolfgang Fiedler. Allerdings hätten die beiden bei ihren Taten eine hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt und mit ihrem „Gangstergehabe“ im Gerichtssaal einen negativen Eindruck hinterlassen.

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