Polizei ehrt Bankmitarbeiterin aus Bruckmühl, weil sie älteren Kunden vor Gaunern beschützt hat

  • vonAnna Hausmann
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35.000 Euro für eine Cousine? Dieser Wunsch eines älteren Kunden kam einer 55-jährigen Bankangestellten aus Ostermünchen komisch vor. Ihr Bauchgefühl war richtig. Nicht zum ersten Mal.


In Kürze

  • Polizeipräsident Robert Kopp hat eine Bankmitarbeiterin aus Bruckmühl geehrt 
  • Die Frau verhinderte Ende 2019, dass ein 82-Jähriger Opfer des sogenannten Enkeltricks wurde 
  • In der Region hat in der Region zuletzt mehrere für Betrugsfälle verantwortliche Menschen festgenommen

Rosenheim/Tuntenhausen – Ohne Angelika Fordermeyer hätte ein Senior wahrscheinlich 35.000 Euro verloren: Im November vergangenen Jahres wollte er Geld für eine angebliche Cousine abheben – die Angestellte der Volksbank Raiffeisenbank in Ostermünchen wurde hellhörig. 

Denn der 82-Jährige fiel auf einen sogenannten Enkeltrickbetrüger herein. Diese geben sich am Telefon als Familienangehörige aus und versuchen, den Geschädigten Geld abzunehmen. Am Mittwoch ehrte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim die Bankangestellte für ihr couragiertes Eingreifen.

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Am Telefon: Die angebliche Cousine

Es war ein Vormittag, als das Telefon des Pensionärs klingelte. In der Leitung: Angeblich seine Cousine aus München. Er möge ihr doch bitte schnellstmöglich 35.000 Euro zahlen. Kurz vor Schalterschluss in der Mittagspause sei der Bankkunde zu ihr in die Ostermünchener Filiale gekommen, erzählt Angelika Fordermeyer. Die Summe ließ sie hellhörig werden. 

„Der Mann erzählte mir, er sei selbst stutzig. Seine Cousine hätte am Telefon ganz anders geklungen, irgendwie belegt.“ Die 55-jährige Bankangestellte aus Bruckmühl riet ihm, die Cousine unter der Nummer zurückzurufen, die er von ihr hatte. Vielleicht erfahre er so noch mehr. 

Das Geld gab sie ihm nicht mit – die richtige Entscheidung, denn ihr Kunde war einer Betrügerin aufgesessen. Fordermeyer rief sofort die Polizei. Doch die Betrügerin war nicht mehr zu fassen.

Trickbetrüger schon einmal gefasst

Nicht zum ersten Mal verhinderte Angelika Fordermeyer einen Trickbetrug: Vor drei Jahren wollte eine Kundin 8.000 Euro abheben. Sie hätte einen Perserteppich gekauft, erzählte diese damals stolz. Der vermeintliche Verkäufer stand bereits vor der Filiale. 

Dort hätte sich die Übergabe abspielen sollen, eine beliebte Masche der Verbrecher. Die Täter seien skrupellos, warnt die Polizei. Mit ihrer kommunikativen Art könnten sie selbst argwöhnische Menschen überzeugen.

Betrüger agieren aus dem Ausland

Die Polizei machte die Bekämpfung der Trickbetrüger zur „Chefsache“: Präsident Robert Kopp rief 2016 eine spezielle Ermittlungsgruppe ins Leben, die noch weiter ausgebaut wird. So möchte man das Bewusstsein für die Verbrechen schärfen. 

Im vergangenen Jahr konnte die Polizei zwölf Täter festnehmen, im Jahr zuvor waren es acht. Doch die Kriminellen seien vernetzt, handelten selten allein. Die Anrufe kämen aus Callcentern im Ausland, vorrangig aus der Türkei. Von dort aus organisierten die Drahtzieher über Mittelsmänner die Übergabe vor Ort.

Täter machen Coronapause

Nach einer Coronapause von etwa drei Monaten wurden viele Verbrecherbanden erst nach Pfingsten wieder aktiv. Denn die Ausgangsbeschränkungen erschwerten die Übergabe des Geldes.

„Der Fantasie der Täter sind keine Grenzen gesetzt“, weiß Andreas Guske, Experte für Kriminalitätsbekämpfung. Eine weitere Betrugsmasche, zielt auf ältere Menschen ab: „Falsche Polizisten“ erklärten den potenziellen Opfern, der Bank sei nicht zu trauen. Meist möchten sie Wertgegenstände wie Goldbarren vermeintlich in Sicherheit bringen, die Besitzer sehen diese nie wieder. „Dieses Phänomen ist geeignet, Menschen komplett arm zu machen.“

Auf ihr Bauchgefühl war Verlass: Polizeipräsident Robert Kopp (links) ehrte die Bankangestellte Angelika Fordermeyer für ihr Eingreifen, das einen Enkeltrickbetrug verhinderte. Die VR-Bank schule ihre Mitarbeiter für solche Fälle, so Sprecher Mirko Gruber.

Seelische Belastung für die Senioren

Fallen Senioren auf Trickbetrüger herein, bedeute das nicht nur eine große finanzielle Belastung, so Guske. Die Straftäter bauten stunden-, gar tagelang Druck auf die Geschädigten aus. „Es ist vor allem ein großer seelischer Schmerz für die älteren Menschen.“ Die Psychologie spiele dabei eine große Rolle, weiß Guske. 

Ältere Menschen versuchten, sich selbst Zusammenhänge zu erschließen. Ein unbekannter Verwandter? Statt womöglich senil zu wirken, reimten sich Senioren lieber eine Geschichte zusammen. Im Nachhinein schämten sich viele Senioren für ihre Fehler, trauten sich nicht, mit ihrer Familie darüber zu sprechen. Genau darauf setzten die Betrüger. „Die Mitarbeiter in der Bank sind die letzte Hürde, die den Schaden verhindern können.“ Sie seien oftmals der einzige Kontakt des potenziellen Opfers, bevor es zur Übergabe kommt.

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Mitarbeiter sensibilisieren Kunden

Deshalb schule die VR-Bank ihre Mitarbeiter für diese Fälle, so Mirko Gruber, stellvertretender Vorstandssprecher der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee. „Unsere Mitarbeiter können die Kunden sensibilisieren. Sie kennen die gängigen Tricks.“

Um den Trickbetrügern das Handwerk zu legen, hat die Polizei über 30 Banken in der Region um ihre Unterstützung im Kampf gegen die Trickbetrüger gebeten. Seit zwei Jahren warne die Einsatzzentrale, sobald sie in einem Ort mehrere Hinweise zu Trickbetrüger-Aktivitäten erhalten habe, Filialen vor Ort per Mail. Die Bankmitarbeiter sind somit alarmiert und können aktiv werden. Tatendrang bewies auch Angelika Fordermeyer. Sie zeigt sich ganz bescheiden: „Für mich ist es selbstverständlich, dass ich geholfen habe.“

Schäden in Millionenhöhe

Allein im vergangenen Jahr vermerkte das Präsidium Oberbayern Süd 1314 Betrugsfälle, 651 Fälle mehr als im Jahr 2018. 90 Prozent der Betrügereien blieben allerdings im Versuchsstadium stecken. Dennoch waren 141 Betrüger im vergangenen Jahr erfolgreich. Die Schadenssumme stieg von einer knappen Million im Jahr 2018 auf 3,8 Millionen im Jahr 2019. Die Dunkelziffer sei wahrscheinlich noch deutlich höher, schätzt die Polizei.

So schützen Sie sich vor Trickbetrug am Telefon

Tipps der Polizei zum Phänomen „Enkeltrick“ und „falsche Polizeibeamte“:

• Setzen Sie bitte Familienangehörige und Nachbarn über diese Masche in Kenntnis!

• Reden Sie offen in der Familie, insbesondere mit älteren, möglicherweise alleinstehenden Angehörigen über dieses Phänomen!

• Geben Sie am Telefon niemals Auskünfte über persönliche Verhältnisse!

• Staatliche Stellen fordern niemals auf diese Art Bargeld oder Wertgegenstände!

• Rufen Sie Ihre örtliche Polizei zurück und erkundigen Sie sich! Verwenden Sie hierfür niemals die im Display angezeigte Rufnummer, sondern die Ihnen bekannte.

• Rufen Sie beim geringsten Zweifel den Polizeinotruf 110. Haben Sie keine Angst anzurufen!

Die Polizei weist explizit darauf hin: „Lieber einmal zu oft den Notruf genutzt, als Opfer der Betrüger zu werden!“

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