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Mega-Sprint der aktuellen Variante

Die fünfte Welle: Wie Omikron die Region Rosenheim überrannte

Coronavirus - Patientenverlegung in Deutschland
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Abverlegungen in der vierten Welle: So schlimm kam es während Omikron nicht mehr. Doch warnen Experten vor bösen Überraschungen.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die Fachleute schütteln den Kopf über die Lockerung der Corona-Regeln. Denn die Infektionszahlen auch in der Region Rosenheim sind hoch. Nun ist Omikron milder als andere Corona-Typen. Vor bösen Überraschungen ist man aber nicht gefeit.

Rosenheim – „Ein schwerer Fehler“, so wettert Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Hierl, für „zu recht“ kontrovers diskutiert hält sie Romed-Chef Dr. Jens Deerberg-Wittram: Die Lockerungen der meisten Corona-Regeln zum Sonntag stoßen bei Experten in der Region Rosenheim auf Bedenken. Denn Omikron sorgt nach wie vor für extrem hohe Infektionszahlen. Und es ist so agil, dass es stets für Überraschungen gut zu sein scheint.

Wie schon kurz nach seiner Premiere im November. Bereits wenige Wochen nach der ersten Sichtung von Omikron hisste das Landesamt für Gesundheit in Erlangen die weiße Fahne. Die Behörde stellte ihre Berichterstattung über besorgniserregende Varianten, so genannte VOCs, ein. kein Informationswert mehr, hieß es aus Erlangen. Omikron habe eh schon alles übernommen.

Omikron zeigte sich in der Region als extrem ansteckend

Wildtyp, Alpha, Delta: Was allein das Tempo der Ausbreitung angeht, waren alle Varianten vor Omikron Anfänger. Im November 2021 war Omikron erstmals in Südafrika festgestellt worden. Ende November noch beherrschte Delta die Region Rosenheim mit einem Anteil von 99 Prozent unangefochten. Ende Dezember war dieser Anteil auf 50 Prozent gefallen.

Mehr Ansteckungen als alles Vorgänger zusammen: Omikron infizierte über 60 Prozent der Menschen in der Region Rosenheim.

Einen Monat später hatte der Omikron-Typ BA.1 Delta fast gänzlich verdrängt, um seinerseits Boden an den noch ansteckenderen Omikron-Subtypen BA.2 zu verlieren. Ergebnis: Omikron infizierte binnen drei Monaten in der Region Rosenheim weitaus mehr Menschen als die vier, fünf Varianten zuvor innerhalb 20 Monaten. Irgendwann im März kletterte Omikron über die 50-Prozent-Marke, mittlerweile liegt der Anteil dieser Variante bei 61,5 Prozent aller Corona-Infektionen überhaupt in Stadt und Landkreis Rosenheim.

Allerdings: Omikron sorgt sehr viel seltener für schwere Verläufe als seine Vorgänger. 77 Menschen starben bislang in der fünften Welle, so lautet die jüngste Zählung des Gesundheitsamtes Ende vergangener Woche. Das wären 0,11 Prozent der Infizierten. Und Ärzte betonen, dass nicht wenige der Patienten, die mit Corona auf der Intensivstation liegen, eigentlich wegen anderer Krankheiten eingeliefert worden waren. „Die Omikron-Variante führt zu leichteren Krankheitsverläufen und damit zu einer geringeren Sterblichkeit und geringeren Intensivpflichtigkeit“, sagt denn auch Deerberg-Wittram.

Der Wildtyp war bislang der tödlichste Corona-Typ

Zum Vergleich: Der Wildtyp kostete 7,98 Prozent der offiziell als infiziert festgestellten Menschen das Leben. Noch in der zweiten Welle während des November 2020 starben 2,75 Prozent der Infizierten.

Allerdings: Es wurde seinerzeit einfach viel weniger getestet, die Dunkelziffer war dementsprechend sehr hoch. Wie hoch die Spielräume für Irrtümer in der ersten Welle waren, zeigte im Sommer 2020 das Robert-Koch-Institut. Das RKI testete für eine Studie in Bad Feilnbach über 2000 Menschen. Zuvor waren insgesamt 160 Menschen positiv getestet worden. Die Studie ergab: Der Anteil der tatsächlich infizierten Menschen war über zweieinhalbmal so hoch.

Die Delta-Variante herrschte während der vierten Welle vor. In Stadt und Landkreis Rosenheim zählte das Staatliche Gesundheitsamt 238 Tote im Zusammenhang mit der Pandemie. 0,92 Prozent der Infizierten starben also. Besorgniserregend war vor allem die Auslastung der Krankenhauskapazitäten. Auch der Romed-Verbund musste Patienten verlegen.

Kliniken weiterhin von Personalausfällen geplagt

Die Gefahr für die kritische Infrastruktur sei längst nicht gebannt, hört man aus dem Romed-Verbund. „Mit den beschlossenen Lockerungen ist zum jetzigen Zeitpunkt zumindest eine Zunahme der infizierten Menschen und eine weitere Belastung der Kliniken zu befürchten“, sagt Deerberg-Wittram. Diese Belastung treffen auf eine ausgelaugte Belegschaft. Die im übrigen selbst von Ansteckungen und Quarantäne-Maßnahmen betroffen ist. Bei knapp zehn Prozent bewegten sich nach offiziellen Angaben die Ausfälle im März. „Es müssen geplante Eingriffe weiterhin in hohem Maße verschoben werden“, sagt der Romed-Chef.

Mittlerweile hat jeder Dritte in der Region irgendeine Corona-Variante bereits gehabt. Aber auch da ist Omikron voller Überraschungen. Wer sich mit dem Subtyp BA.1 infiziert hatte, kann sich mit BA.2 nochmals anstecken. Und auch gegen andere Varianten scheint eine Omikron-Infektion nicht besonders gut zu schützen.

In der Region starben weit mehr Menschen als anderswo

Niemand will mehr an Corona denken, und die milderen Wirkungen machen die Verdrängung leicht. Dass sich das Virus an das Ende der Corona-Infektionsschutzmaßnahmen halten wird, ist allerdings nicht zu erwarten. Stadt und Landkreis Rosenheim waren immer mal wieder unter den Gebieten mit den höchsten Ansteckungszahlen zu finden und haben bereits jetzt mehr Tote zu betrauern gehabt als Bayern und Deutschland im Durchschnitt: 0,25 Prozent der 323 Einwohner insgesamt in der Region starben im Zusammenhang mit Corona – das heißt an dem Virus oder zumindest positiv auf ihn getestet.

In Bayern waren es 0,17 Prozent, 0,15 waren es im deutschen Schnitt. Den Streit zwischen Bund und Ländern hält Gesundheitsamtsleiter Wolfgang Hierl daher für „inakzeptabel“. Er fragt vielmehr: „Wo wenn nicht in Stadt und Landkreis Rosenheim wäre eine Hotspot-Regelung denn angebracht?“