Rosenheim ein „Corona-Hotspot“ – wie sich die Kliniken und das Gesundheitsamt rüsten

Zur Corona-Station umgewandelt wurde das gesamte Bettenhaus 6 des Romed-Klinikums Rosenheim. Schöne
  • Rosi Gantner
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Zu trauriger Berühmtheit hat es die Region Rosenheim gebracht. Sie gilt als „Corona-Hotspot“ in Bayern. In den Romed-Kliniken geht es offenbar an die Kapazitätsgrenze bei Intensivbetten. Es wird bereits verlagert. Gleichzeitig rüstet sich die Schön-Klinik Vogtareuth – und nimmt Infizierte auf.

Rosenheim – Die Lage ist ernst. Insbesondere in einigen Regionen Bayerns. Das zeigte gestern der bayerische Ministerpräsident Markus Söder auf, als er eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen bis 19. April ankündigte. Dabei lenkte er seinen Blick immer wieder auf den Raum Rosenheim. Denn: Die Region Rosenheim zählt neben Miesbach, Erding und Tirschenreuth zu den bayernweiten „Corona-Hotspots“, mit überdurchschnittlich vielen Infizierten pro 100 000 Einwohner.

Landkreis mit vielen Infizierten

In Zahlen bedeutet das: ImLandkreis Rosenheim sind nach aktuellem Stand (30. März, 10 Uhr) 738 Menschen positiv getestet, was 282,78 je 100 000 Einwohner entspricht. Im Bereich Rosenheim-Stadt: 124 Infizierte, was umgerechnet auf 100 000 Personen einen Faktor von 195,82 ergäbe. Zum Vergleich: Im Nachbarlandkreis Miesbach, ebenfalls „Hotspot“, liegt der Faktor bei 282,77 – also nahezu gleichauf mit Rosenheim. Erding hat 211,39 Infizierte pro 100 000 Einwohner; und Tirschenreuth käme nach diesen Berechnungen auf 573,76. Der bayernweite Schnitt liegt bei 110,40.

Unterstützung für Hotspot-Regionen

Eben diese Regionen sollen nun zusätzliche Unterstützung erhalten, kündigte Söder an: Unter anderem zehn neue Ärzte sollen nach Rosenheim entsandt werden – wovon bis gestern Nachmittag das Staatliche Gesundheitsamt indes noch keine Kenntnis hatte, wie Sprecher Michael Fischer auf Anfrage erklärte.

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Überdies sollen, so die Maßgabe des Ministerpräsidenten, in diesen Regionen mehr Corona-Tests durchgeführt werden, um schneller die Infektionsketten verfolgen zu können. Um das stemmen zu können, will die Staatsregierung die Gesundheitsämter mit mehr Personal ausstatten.

Versorgungsarzt bestimmt

Weitere Neuerungen: In jedem Landkreis soll ein so genannter Versorgungsarzt bestimmt werden, um die niedergelassenen Ärzte vor Ort zu steuern und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Gleichzeitig ist er der örtlichen Katastrophenschutzbehörde unterstellt – und soll so geplante Maßnahmen im Einzelfall auch mittels Anordnung umsetzen können. In Rosenheim wird diesen Part Dr. Fitz Ihler übernehmen, wie Behördensprecher Fischer erklärte. Ihler ist gleichzeitig Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Rosenheim und zählt zu den Initiatoren des Corona-Testzentrums auf der Loreto-Wiese in Rosenheim.

Hilfskrankenhaus: Gespräche laufen

Ebenfalls geplant: der Aufbau von Hilfskrankenhäusern – insgesamt 26 in Bayern, eines je Rettungszweckverband. Der regionale Rettungszweckverband umfasst die Landkreise Rosenheim und Miesbach sowie die Stadt Rosenheim. Wo dieses Hilfskrankenhaus entstehen soll, ist noch offen. Bis Ende der Woche, so die Aufforderung von Gesundheitsministerin Melanie Huml, sollen die Landkreise ein Konzept vorlegen.

Hilfskrankenhaus: Verhandlungen laufen

Von Seiten des Landratsamtes heißt es: „An dem Thema wird mit Hochdruck gearbeitet, die Verantwortlichen sind mit mehreren Betreibern im Gespräch.“

Keine Zeit zu verlieren hat man indes an den Romed-Kliniken Rosenheim. Denn, wie Söder vermeldete: Dort ist die Kapazitätsgrenze an Intensivbetten bereits erreicht.

Das sagen die Romed-Kliniken

Zurückhaltender äußern sich indessen die Romed-Kliniken selbst auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Intensivbetten mit vollwertigen Beatmungsgeräten sind zu 80 Prozent belegt.“ In der Region hätten sich die Kliniken unabhängig vom Träger miteinander vernetzt.

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Der Rettungsdienst hat laut Kliniksprecherin Elisabeth Siebeneicher eine laufend aktualisierte Übersicht, welche Klinik aufnahmebereit ist. So erfolge eine koordinierte Aufnahme.

Verlegungen von Klinik zu Klinik innerhalb des Rettungsdienstbereiches hätten bereits stattgefunden. Es würden erst die Kapazitäten mit den vollwertigen Beatmungsgeräten genutzt, erst dann kämen die weiteren Beatmungsgeräte wie Narkosegeräte und Homecare-Beatmungsgeräte zum Einsatz. „Dies war bisher nicht notwendig“, so die Kliniksprecherin.

Schön-Klinik Vogtareuth rüstet sich

Erste Covid-19-Infizierte aufgenommen hat bereits die Schön-Klinik in Vogtareuth. Dort hat man sich auch ansonsten in Sachen Corona-Krise gerüstet, wie Sprecherin Claudia Rieling mitteilt. Unter anderem wurde am Standort Vogtareuth die Zahl der Intensivbetten mit Möglichkeit zur Beatmung deutlich erhöht: von zehn auf nun 22 Plätze. Zahlreiche Mitarbeiter seien entsprechend geschult worden. „Wir haben alle notwendigen Vorbereitungen getroffen und sind gut für die Corona-Pandemie gerüstet“, sagt Michael Lissat, Klinikleiter der Schön-Klinik Vogtareuth. Und weiter: „Wir sind dabei, weitere Beatmungsplätze aufzubauen und rechnen damit, als Einzelklinik circa 25 Prozent der Beatmungskapazitäten im Landkreis zu stellen.“

Klinik bleibt Spezial-Notfallversorger

In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt ist die Klinik auch weiterhin der Spezial-Notfallversorger für Herz- und Neurochirurgie in der Region und entlastet dadurch andere Kliniken dabei, Kapazitäten für den Ausbau der Behandlung von Corona-Patienten vorzuhalten. „Damit leistet die Schön Klinik Vogtareuth einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung im Landkreis Rosenheim und darüber hinaus“, betont der Klinikleiter.

Schön-Klinik jetzt Notfallambulanz

Bereits seit dem 16. März setzt die Schön-Klinik alle nicht-dringlichen Behandlungen vorerst aus. Als Notfallambulanz wird die Klinik nun auch direkt von Rettungsdiensten angefahren. Das entlastet andere Notaufnahmen in der Umgebung und beschleunigt den Aufnahmeprozess. Die Klinik steht aber auch für die Versorgung akuter Corona-Patienten bereit. Die ersten Patienten wurden bereits aufgenommen. Die Klinik hat zudem drei Isolierstationen mit 70 Betten für Covid-Patienten, die nicht beatmet werden müssen, eröffnet. Auch diese Kapazitäten werden ausgebaut.

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