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Covid in der Region Rosenheim

Corona-Herbstwelle: Kliniken unter Druck - Das kommt auf die Patienten zu

Die Herbstwelle rollt auf die Kliniken in der Region Rosenheim zu.
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Die Herbstwelle rollt auf die Kliniken in der Region Rosenheim zu.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Dichter aufeinanderfolgend, höher als in den ersten beiden Jahren der Pandemie - das sind die Corona-Wellen des Jahres 2022. Sie treffen vor allem die Krankenhäuser: In der Region Rosenheim sehen sich Kliniken unter Druck. Mit Folgen für die allgemeine Versorgung.

Rosenheim - Dr. Thomas Schulzki hat zu tun. Im dritten Jahr bereits analysiert sein Medizinisches Labor in Rosenheim Corona-Tests. Routine ist das derzeit aber nicht. Ungefähr ein Drittel der eingesandten PCR-Tests, so sagt er, sei positiv. Die Herbstwelle, die das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim vor zehn Tagen noch im Anrollen gesehen hatte, baut sich auf.

Die Corona-Wellen des Jahres 2022, sie folgen dichter aufeinander und schlagen höher als die der ersten beiden Pandemie-Wellen. Und sie treffen vor allem die Krankenhäuser: In der Region Rosenheim sehen sich Kliniken unter Druck. Wird es wie in Nachbarlandkreisen zu weiter reichenden Einschränkungen kommen?

Romed sieht sich vor großen Herausforderungen

Vor allem der Romed-Verbund mit seinen vier Standorten in Stadt und Landkreis Rosenheim bekommt die Wellen zu spüren. Die Corona-Herbstwelle stelle Romed vor „riesige Herausforderungen“, äußerte Sprecherin Claudia Meyer auf OVB-Anfrage. Es ist die Kombination aus der hohen Zahl von Corona-Patienten und dem hohen Krankenstand beim Personal, die den Verantwortlichen Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Dabei ist die Region Rosenheim diesmal nicht unter den Hotspots zu finden. Der Landkreis mit einer 7-Tage-Inzidenz von 826,6 und die kreisfreie Stadt mit 680,2 haben den herbstlichen Höchststand von über 1000 vor einer Woche hinter sich gelassen. Die Frage ist allerdings, wie lange. Der Landkreis Miesbach in direkter Nachbarschaft zum Landkreis Rosenheim weist mit seiner 7-Tage-Inzidenz von 1567,3 deutschlandweit den vierthöchsten Wert auf. Auch bei den Nachbarn in Ebersberg liegt der Wert über 1000. Und Omikron lässt sich kaum eindämmen - von Landkreisgrenzen schon gleich gar nicht.

Die Zahl der Patienten nähert sich Höchstständen

Bei Romed rüstet man sich jedenfalls für einen harten Herbst. Im vergangenen Jahr gab es erst Mitte November so viele Covid-Patienten wie dieses Jahr bereits Anfang Oktober. Die jüngsten Hochstände in der Covid-Versorgung hatten die Romed-Kliniken im Dezember 2021 mit knapp 120 und Ende März 2022 mit 115 Patienten. Darauf steuert Romed nun zu.

Stand Montag, 17. Oktober, betreuten die Mitarbeiter im Verbund 97 Corona-Patienten. Insgesamt waren in der Region nach Auskunft des Gesundheitsamts 204 Patienten mit Corona zu betreuen - 20 mehr als noch vergangenen Freitag (14. Oktober). Die gute Nachricht dabei: Mit insgesamt sechs Intensiv-Patienten bleibt die Zahl der schweren Verläufe auf relativ niedrigem Niveau.

Nahe den Höchstmarken: Die Bettenbelegung im Romed-Verbund.

Gleichzeitig verzeichnen die Kliniken beim Personal ebenso einen hohen Krankenstand durch Covid, aber auch durch andere Erkrankungen. Derzeit sind laut einer Sprecherin um die 8 Prozent der Mitarbeiter krank geschrieben, im gesamten Verbund summieren sich die Zahlen auf 420.

Höherer Krankenstand als normal

Die Quote ist nach Aussage der Sprecherin „untypisch hoch“. Normal seien in den Jahren zuvor zwischen 5,3 und 5,5 Prozent gewesen. Welcher Anteil dieser Steigerung in erster Linie auf Corona zurückzuführen ist, welche Rolle die Erschöpfung nach zwei zweieinhalb Jahren Pandemie spielt, kann man schätzen, nicht aber genau berechnen.

Schließlich werden nicht alle Corona-Infektionen in der Klinik festgestellt. Und auf der Krankmeldung für den Arbeitgeber ist der Grund nicht angegeben. Allerdings: Im Bereich etwa des Innklinikum-Verbunds mit ebenfalls rund 3000 Arbeitnehmern wird die Zahl der coronabedingt ausgefallenen Mitarbeiter mit 90 angegeben.

Eine Steigerung von 200 Prozent im Nachbarlandkreis

In Mühldorf zogen die Verantwortlichen des Innklinikum-Verbunds auch aus diesem Grund die Notbremse. Aus dem Standort Haag wird derzeit Schritt für Schritt ein Großteil der rund 220 Mitarbeiter nach Mühldorf abgezogen. Man wolle während der „massiven Herbstwelle“ der Corona-Pandemie die Handlungsfähigkeit des Standorts Mühldorf aufrechterhalten können, teilte ein Sprecher mit.

Die Haager werden vorerst für drei Monate abgestellt. Im Bereich des Verbunds werden derzeit 72 Corona-Patienten betreut, davon allein 40 in Mühldorf. Dort waren noch vor drei Wochen nur 13 Infizierte in Behandlung gewesen - eine Steigerung von 200 Prozent.

Rosenheim sagt mehr und mehr planbare Eingriffe ab

Abzug von Mitarbeitern, weitgehende Stilllegung eines Standorts: Ist das auch in Rosenheim denkbar? Romed hat Routine im Improvisieren, setzt immer wieder Mitarbeiter flexibel ein. Dennoch könnte es in den nächsten Wochen eng werden. Die hohen Infektionszahlen führten „aufgrund der äußerst aufwändigen Isolations- und Hygienebedingungen zusammen mit der angespannten Personalsituation zu einer erheblichen Belastung für den Romed-Klinikverbund“, sagt Gesundheitsamtschef Dr. Wolfgang Hierl.

Eine riesige Herausforderung sei es, die Patienten der Zentralen Notaufnahme in der Klinik angemessen unterzubringen, bestätigt Claudia Meyer von Romed gegenüber dem OVB. „Planbare Eingriffe werden bereits wieder zunehmend abgesagt.“ Ob in Rosenheim, Prien, Bad Aibling oder Wasserburg - an allen Romed-Standorten sei die Lage ähnlich. Um die Notfallversorgung zu bewältigen, stimmten sich die Romed-Kliniken untereinander eng ab.

Besserung ist so schnell keine in Sicht. Die Situation sei „sehr dynamisch“, es komme immer wieder vor, dass Dienstpläne nicht eingehalten werden, weil der Ausfall von Kollegen nicht ausgeglichen werden könne. Die Folge: Weitere Betten werden gesperrt. Den Höhepunkt der Herbstwelle hat die Region wohl erst noch vor sich, es werde zunehmend zu Engpässen kommen, sagt daher Claudia Meyer.

Entspanntere Lage bei Schön-Kliniken

Derzeit - Stand Dienstag - können rund 30 Mitarbeiter der Schön-Klinik Vogtareuth ihren Dienst aufgrund einer Corona-Infektion nicht antreten – „das entspricht in etwa 2,5 Prozent unserer gesamten Belegschaft“, sagt Sven Schönfeld, Klinikgeschäftsführer der Schön-Klinik Vogtareuth. „Zudem steigen in letzter Zeit die Personalausfälle auch aufgrund anderer Erkrankungen, was in Summe zu einer Krankheitsquote von knapp über 10 Prozent führt.“ Diese Quote schwanke je nach Abteilung. „Auch wenn dieser Zustand im Klinikalltag deutlich spürbar ist, ist die Patientenversorgung in unserem Haus dadurch nicht gefährdet“, sagt Schönfeld.

Wie gefährlich ist Corona noch?

Thomas Schulzki analysiert derweil weiter PCR-Tests. Und fragt sich, was er von seinen Zahlen, von den vielen positiven Tests halten soll. „Wer lässt sich testen? Meistens wer Symptome spürt oder einen positiven Schnelltest hat“, sagt Schulzki. Die Dunkelziffer, so darf man daher annehmen, ist hoch.

Sehr große Sorgen macht sich Schulzki deswegen aber nicht. Der Laborleiter verweist auf andere Epidemien, die sich nach drei bis fünf Jahren abgeschwächt hätten. Ein Erreger, der starke Symptome nach sich zieht oder seinen Wirt gar tötet, breite sich nicht besonders stark aus, sagt er. Ein weniger schlimmer Erreger setzt sich irgendwann dagegen durch.

Milde Varianten setzen sich durch

Wie das mildere und - was die Symptome betrifft - unauffälligere Omikron. „Und andere Besorgnis erregende Varianten sind zur Zeit zum Glück nicht in Sicht“, sagt Schulzki. Könnte man die strengen Corona-Auflagen auch für Normalstationen also lockern, um so wieder mehr Mitarbeiter einsetzen zu können? Keine Entscheidung, die Schulzki fällen wollte. Dazu bräuchte es ein Gremium unabhängiger Fachleute, sagt er. „Nicht nur Virologen, sondern auch Menschen, die sich beispielsweise mit Krankenhäusern, Wirtschaft und Kultur auskennen.“

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