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Chefarzt Prof. Dr. Stephan Budweiser im OVB-Interview

Corona, Grippe & RS-Virus: Rosenheimer Experte über Krankheits-Wellen und wie man sich schützt

Erkältung, Grippe und Co: Chefarzt Prof. Dr. Stephan Budweiser vom Romed-Klinikum weiß, was zu tun ist.
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Erkältung, Grippe und Co: Chefarzt Prof. Dr. Stephan Budweiser vom Romed-Klinikum weiß, was zu tun ist.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Corona, Grippe und RS-Virus - eine Welle jagt die nächste. Experte Prof. Dr. Stephan Budweiser von den Romed-Kliniken gibt einen Überblick für die Region Rosenheim und gibt Tipps, wie man sich schützt. Er weiß auch, warum man Grippe und Corona besser nicht in eine Schublade steckt.

Rosenheim - Corona, Grippe, RS-Virus - die Region scheint von Krankheitswellen gebeutelt. Aktuell hat das RS-Virus die Romed-Kliniken im Griff, wobei man hofft, dass die Welle in den nächsten Wochen abklingt. Die Zahl der stationären Aufnahmen ist Stand 9. Dezember nach wie vor hoch. Insbesondere die Eltern-Kind-Station für Kinder zwischen Säuglings- bis Einschulungsalter im Romed-Klinikum Rosenheim ist voll belegt (14 Betten). Ebenso voll belegt ist die Station für größere Kinder ab Einschulungsalter (15 Betten/15 belegt).

Im OVB-Exklusivinterview geht der Rosenheimer Experte Prof. Dr. Stephan Budweiser, Chefarzt Pneumologie am Romed-Klinikum, auf Corona, Grippe & Co ein. Zudem geht es um die Frage: Kommt Erkältung von Kälte? Auch dazu hat er eine klare Aussage. Und er hat Tipps für Sportler, wie sie besser durch den Winter kommen.

Herr Prof. Dr. Budweiser, so langsam müsste der Schnee kommen. Und da sollte man vielleicht wieder vorsichtiger sein. Aber - hat die Erkältung ihren Namen überhaupt zurecht?

Prof. Dr. Stephan Budweiser: Mein Vater hat immer gesagt, wenn man ein kaltes Bier trinkt, dann bekommt man Halsweh. Das lässt sich wissenschaftlich aber nicht erhärten. Auch vom Eis-Essen bekomme ich keine Atemwegserkrankung. Gut, man sieht in Wirtshäusern Bierwärmer, aber die sind nicht als Vorbeugung gegen Erkältungen gedacht, sondern aus Geschmacksgründen da: Weil der eine oder andere sein Bier halt lieber warm trinkt.

Aber ich kann mich erkälten, wenn ich mit nassen Haaren im Winter auf die Straße gehe, oder?

Budweiser: Auch das lässt sich so kategorisch nicht behaupten. Es gibt Studien, in denen an Probanden der ganze Körper runtergekühlt wurde. Und - das Risiko einer so genannten Erkältung stieg nicht. Das Entscheidende sind die Schleimhäute. Sie dürfen nicht auskühlen, kalte Nasen sind also wirklich ungünstig. Eine der Maßnahmen, die in verschiedenen Abhandlungen empfohlen wird, besteht darin, einen Schal vor die Nase zu binden. Das Einmummeln wie beim Skifahrern zeigt einen Effekt. Vor allem für die oberen Atemwege sind die Schleimhäute der zentrale Punkt. Wenn die kalt werden, dann werden sie weniger durchblutet, es werden weniger Immunzellen transportiert, und die Gefahr einer Erkältung wächst. 

Weniger Durchblutung, leichteres Spiel für Viren

Rhinoviren haben‘s dann leichter?

Budweiser: Genau so ist es.

Soll man dann bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt Tätigkeiten wie Joggen einstellen?

Budweiser: Diese Empfehlung habe ich in den Studien so nicht gefunden. Aber es ist vorstellbar, dass das leichte Auskühlen bei Sport im Winter einen ähnlichen Effekt auf die Schleimhäute hat. Was man weiß: Sportler wie Langläufer und Radfahrer, die bei kalter Witterung trainieren, haben häufiger chronische Atemwegsentzündungen wie Asthma.

Radprofis vor allem früherer Zeiten hatten auffällig oft Asthma. Skeptiker behaupten, dass sie sich solche Diagnosen gerne ausstellen ließen, damit sie verbotene Substanzen wie Ephedrin zu sich nehmen durften.

Budweiser: Ja, bei Spitzensportlern ist mancher skeptisch, wegen dieser Berechtigung, sich bestimmte Medikamente verschreiben zu lassen. Es sind vielleicht auch tatsächlich schwarze Schafe darunter. Aber 60 Prozent der Spitzensportler, die an Asthma leiden, sind schon eine Ansage. Die verstärkte Ventilation unter Belastung kann Entzündungen an den Atemwegen auslösen. Nicht direkt Erkältungen - aber es gibt Hinweise, dass sich Sporteln an kalter, trockener Luft nicht immer günstig auswirkt. Wenn man bei frostigen Temperaturen laufen möchte, dann vielleicht mit Tuch vor Mund und Nase.

Zurückhalten beim Heizen: Trockene Luft ist ein Problem

Ich mag‘s halt nicht, einen feuchten Lappen vor der Nase zu haben

Budweiser: Feuchtigkeit ist aber der wichtige Punkt. Die Schleimhäute dürfen nicht zu trocken sein. Die Überlegung, dass Räume nicht zu trocken sein sollten, ist wichtig. Weil trockene Schleimhäute nicht mehr gut durchblutet werden und der Schleim als Schutzschicht wegfällt. Bei Trockenheit sind die Effekte ähnlich wie bei Kälte. Also, die Luftfeuchte sollte nicht zu niedrig sein. Natürlich auch nicht zu hoch, wegen der Schimmelgefahr. So zwischen 40 und 60 Prozent würde ich sagen.

Trotz der Gefahr ausgetrockneter, unterkühlter Nasen - ist Training im Winter zu empfehlen?

Budweiser: Sport ist grundsätzlich gut fürs Immunsystem - aber in Maßen. Extremer Sport ist nicht gut fürs Immunsystem. Ich bin selber viel gelaufen, und wenn die Gruppe so schnell lief, dass ich an meine Grenzen ging und richtig kaputt war, bin ich auch leichter krank geworden. Extremsport ist ähnlich wie Stress nicht günstig. Moderater Sport aber ist gut. Dasselbe nimmt man auch von Sauna an. Der Körper hat da sozusagen Gelegenheit, Durchblutung und Regulation zu üben. Dass der Wechsel von kalt und warm einen Effekt hat, darüber findet man im wissenschaftlichen Sinne so gut wie nichts. Aber: Mit Erkältung in die Sauna gehen, bringt nichts.

Die Kinderstationen sind vielerorts überfüllt, das RS-Virus hat Corona aus den Schlagzeilen verdrängt. Ist Corona im dritten Jahr endlich auf den Status einer ordinären Grippe abgestiegen?

Budweiser: Ich würde sagen, für den Großteil der Patienten ja. Gerade bei jungen Patienten mit hoher Immunkompetenz kann man das so sehen. Mein kleiner Sohn hatte gerade Covid-19, der war nach zwei Tagen wieder fit. Also, für die ganz Kleinen und Jugendlichen scheint Corona seinen Schrecken verloren zu haben. Für viele andere Patienten aber nicht. Wenn ich‘s von den Zahlen her vergleiche: Ich hatte niemals eine ganze oder halbe Station besetzt mit Influenza-Patienten. Auf der Intensivstation hatte ich überhaupt nur sehr wenige Influenza-Patienten.

Ist die Grippe also harmlos?

Budweiser: Na ja, da ist auch eine gewisse Unschärfe zu beobachten. Eine ganz normale Erkältung wird im alltäglichen Sprachgebrauch oft als „Grippe“ bezeichnet. Und eine Erkältung, die ist harmlos. Wobei - selbst eine Erkältung kann bei 80-jährigen Menschen schlimme Folgen haben. Erst ist da ein Schnupfen, auf einmal wird eine Pneumonie draus. Man sollte das nicht verallgemeinern.

Eine besonders frühe Grippewelle überrollt Rosenheim

Die Grippe-Welle ist heuer früher eingetreten, oder täusche ich mich da?

Budweiser: Nein, das stimmt schon. Das mag auch daran liegen, dass die Menschen mit Masken und Ausgangseinschränkungen über die letzten Monate und Jahre geschützt vor Erregern waren. Damit könnte das Immunsystem runtergefahren worden sein. Aber das erklärt nicht ganz, dass diesmal die Grippe schon im Oktober eingesetzt hat. Eigentlich wäre die eher Ende Dezember zu erwarten gewesen.

Bei dieser Welle: Ist eine Grippeimpfung ratsam? 

Budweiser: Absolut, auf jeden Fall für Menschen über 60 und Risiko-Patienten.

Wie oft?

Budweiser: Jedes Jahr.

In der Gesamtbilanz: Haben wir Grippe zu leicht und Corona zu schwer genommen? 

Budweiser: Wir haben es genau richtig gemacht. Man kann im davor nicht viel sagen, weil es doch jeweils von der jeweiligen Variante abhängt. Schauen wir uns die Grippe an: 2009 hatten wir eine schlimme Welle. Oder schauen Sie sich die Spanische Grippe nach dem Ersten Weltkrieg an, die viele Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Man sieht, das hängt vom Subtyp ab, wie gefährlich die Krankheit im Moment ist. Bei Corona war seinerzeit Delta eine hoch maligne Variante, und die Sterblichkeit war entsprechend hoch. Wir müssen überhaupt sagen, dass Covid-19 2020 auf eine Bevölkerung stieß, die keine Immunität hatte. Es gab keinen Impfstoff. Jeder Vierte, der in die Klinik kam, ist anfangs gestorben, gar jeder Zweite, der in die Intensivstation kam. Nun haben wir erstens einen hohen Grad der Immunisierung, zweitens haben wir medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, drittens herrscht eine Variante vor, die nicht mehr so aggressiv ist. Also, die Corona-Lage hat sich auch entwickelt. Aber Vorsicht: Ich würde Corona und Grippe weiterhin nicht in eine Schublade stecken. 

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