Pop-Up-Biergärten sind der Renner

Rosenheims neue Pop-up-Bars: Gin-Garten und mehr Platz am Salzstadel für die Bermuda-Insel

  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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  • Janina Sgodda
    Janina Sgodda
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Die Rosenheimer Nachtgastronomie hat die Corona-Krise besonders hart getroffen. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, haben die Betroffenen aber gemeinsam Ideen fürs Feiern unter freiem Himmel erarbeitet. Sie verändern das Party-Leben in der Stadt. 

  • Mit der Bermuda-Insel und dem Gin-Garten hat Rosenheim zwei neue Biergärten
  • Die Nachtgastronomen hoffen so, zumindest einen Teil der Einnahmen, die ihnen weggebrochen sind, wieder wettzumachen 
  • Bisher werden beide Treffpunkte gut angenommen – auch die Corona-Regeln hält das Partyvolk laut Polizei ein

 

Update 3. Juli: 

Noch mehr Platz für die Bermuda-Insel am Salzstadel

Das zweite "Weekend in Tracht" in Rosenheims Pop-Up-Biergarten steht bevor. Wie die Veranstalter auf Facebook bekannt geben, steht nun der gesamte Salzstadel fürs Trinken und Essen unter freiem Himmel zur Verfügung. Das Konzepte werde gut angenommen. Das Rosenheimer Partyvolk war auch bereits letztes Wochenende zu einem großen Teil in Tracht auf den Bierbänken in der Innenstadt zusammengekommen – unter Einhaltung der noch geltenden Corona-Regeln, wie die Polizei bestätigte.

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Fast alle Plätze reserviert im Gin-Garten

Der am 12. Juni auf der Rosenheimer Loretowiese eröffnete "Gin-Garten mit Streetfood" muss sich über fehlenden Andrang auch nicht beschweren. Schnell haben die Veranstalter rund um Korbinian Vogl (Flötzinger Bräustüberl, Hans Wurst und I'm Irish) auf Reservierungen umgestellt. Updates zur Wetterlage verschicken sie fast täglich, unter anderem über Instagram.

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Update 23. Juni, 16.45 Uhr: 

Stadt unterstützt Freischank

Oberbürgermeister Andreas März begrüßt die Idee der Clubbetreiber den Salzstadel zu beleben. Die Stadtverwaltung steht zu ihrem Wort und unterstützt die Gastronomen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. 

Konkret heißt das: Unkomplizierte und schnelle Erlaubnis zur Erweiterung der Freischankflächen der teilnehmenden Clubs und Bars. Die Auflagen zur Einhaltung der Maskenpflicht und zur Wahrung des Mindestabstands gelten natürlich auch auf der „Bermuda-Insel“ am Salzstadel.

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Update 23. Juni, 15.45 Uhr: 

Salzstadel beleben

Sascha Khayat (41) hat viel zu tun. Der Inhaber des „P2 Club“ in der Ruedorfferstraße in Rosenheim hat in den vergangenen Tagen, gemeinsam mit Tom Ottisch (Tati‘s Bar), Peter Jung, Christina Taxer (Drunken Monkey und Lenz the Pub) und Josy Schütz (Party Oim) an einem Veranstaltungskonzept gearbeitet. Anträge mussten geschrieben, Genehmigungen beantragt werden. Entstanden ist das Konzept „Bermuda-Insel“ – ein Programm mit verschiedenen wechselnden Veranstaltungen, Ständen und offenen Bars. „Es gab schon lange die Idee, das Salzstadl zu beleben“, sagt Khayat. Weil die Lokale, vor der Corona-Krise, aber gut liefen, sei das damals nicht nötig gewesen, sagt er. 

Das Team hinter dem Konzept: (von links hinten): Josy Schütz, Christina Taxer, Renate Ottitsch und (von links vorne) Sascha Khayat, Peter Jung und Tom Ottisch.

5 Bars und ein Essenstand am Salzstadel

Mittlerweile ist die Situation eine andere. Die Nachtgastronomen fürchten um ihre Existenz, blicken mit Sorge in die Zukunft. Lange wurde über mögliche Konzepte diskutiert, über einen Weg, zurück aus der Krise. Entstanden ist die Idee der „Bermuda-Insel“. Die Nachtgastronomen wollen fünf verschiedene Bars aufstellen, dazu einen Essenstand. 

Der Salzstadel: Eine attraktive Lage in der Stadt, die nun wegen der Corona-Notlage zum Feiern unter freiem Himmel einladen soll. 

An jeder Bar werden unterschiedliche Getränke serviert. So spezialisiert sich Sascha Khayat zum Beispiel auf Rum und Whiskey, am Stand der „Party Oim“ gibt es unter anderem Prosecco und Wein. In den kommenden Wochen soll dann, jeweils Donnerstag bis Samstag von 17 bis 23 Uhr immer unter einem anderen Motto am Salzstadl gefeiert werden. Gestartet wird in dieser Woche mit der „Weekend in Tracht“. 

Geplant sei eine „Hommage an unsere Kultur und Bräuche, die uns alle miteinander verbinden“, heißt es auf der Facebook-Seite, die extra für die Veranstaltung eingerichtet wurde. 

Konzept stand in einer Woche

Welche Mottos für die kommenden Wochen geplant sind, will Sascha Khayat aber noch nicht verraten. „Die werden genauso spontan entscheiden, wie unsere Idee“, sagt er und lacht. Er spricht über die kurze Vorbereitungszeit, darüber, dass die fünf Gastronomen das komplette Konzept in gerade einmal einer Woche auf die Beine stellten. „Hätten wir nicht alle an einem Strang gezogen, hätte das nicht funktioniert“, sagt Khayat. Stressig gewesen sei es trotzdem. 

„Aber im positiven Sinn“, fügt Khayat hinzu. Und auch in den kommenden Tagen wird die Arbeit nicht weniger. Am Mittwoch werden die letzten Vorbereitungen getroffen, der Donnerstag steht ganz im Zeichen des Aufbaus und der Eröffnung. Mit der „Bermuda-Insel“ wollen die Nachtgastronomen nicht nur ihr Geschäft wieder ankurbeln, sondern auch „ein Lebenszeichen senden“. „Es ist einfach an der Zeit, dass wir unseren Gästen wieder etwas bieten können“, sagt Khayat. Immer öfter hätten ihn seine Stammkunden gefragt, wann es endlich wieder losgehe. 

Nach monatelanger Ungewissheit nun der erste Lichtblick. Und auch die Stadt scheint von der Idee der Nachtgastronomen begeistert. „Wir haben unser Konzept relativ schnell genehmigt bekommen“, sagt Khayat. Am Donnerstag ist es dann soweit: Die „Bermuda-Insel“ in Rosenheim eröffnet. „Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen“, sagt Sascha Khayat.

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Meldung 22. Juni:

Bars am Salzstadel

Rosenheim - Mehrere Club- und Barbetreiber aus der Rosenheimer Innenstadt haben in den letzten Wochen offensichtlich einen neuen Treffpunkt für die anstehenden Sommernächte geschaffen. Der Salzstadl, der baulich bereits einige Sitzgelegenheiten unter freiem Himmel hergibt, soll demnach zur "Bermuda-Insel" werden. 

Geplant sind dort laut den Facebook-Seiten der beteiligten Barbetreiber ab Donnerstag, dem 25. Juni, verschiedene Stände und ein wechselndes Programm. Außerdem werden die Organisatoren, die rund um den Salzstadl angesiedelt sind, ihre Bars "open air" aufbauen. 

Angekündigt wird das von den Clubs, die ohnehin im so genannten "Bermuda-Dreieck" des Rosenheimer Nachtlebens angesiedelt sind: Tatis, P2, Drunken Monkey, Lenz - The Pub und Party Oim. 

Gestartet werden soll am Donnerstag, den 25.06, um 17 Uhr mit der “Weeknd in Tracht”.

In den kommenden Wochen soll dann jeweils Donnerstag bis Samstag von 17 Uhr bis 23 Uhr unter einem anderen Motto am Salzstadel gefeiert werden.

Noch immer: Keine Perspektive für Clubs, Bars und Diskotheken

Wie berichtet, gehören Bars, Clubs und Diskotheken zu den Unternehmen, die bis heute keine Perspektive haben, wann sie wieder öffnen dürfen. 

Das Feiern in meist engen Räumlichkeiten mit teils alkoholisierten Gästen gilt als sehr risikoreich, was die Ausbreitung des Coronavirus angeht. Außerdem befürchten Experten, dass es schwierig würde, im Falles des Falles Infektionsketten zu verfolgen. "Das sind die Viren-Hotspots - gerade für das Coronavirus. Das sind nicht die Kindergärten, das sind nicht die Schulen. Das heißt nicht, dass sie es gar nicht sind. Aber im Vergleich zu Bars und Diskotheken ist das eine ganz andere Welt. Das muss man mal deutlich sagen. Bars und Discos sind ein Hochrisiko, wenn wir das mit Kindergärten vergleichen", sagt etwa der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) der Deutschen Presse-Agentur.

Kampf ums Überleben – auch in Rosenheim 

Nachvollziehbar, aber existenzbedrohend – auch für die Rosenheimer Nachtgastronomen.

Die hatten sich bereits in einem offenen Brief an die Stadt Rosenheim, den Wirtschaftlichen Verband und den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) gewandt.

Biergärten unterliegen kaum noch Beschränkungen

Allerdings:

Die Öffnungszeiten von Bayerns Biergärten und Restaurants unterliegen ab sofort keinen Vorgaben der Staatsregierung zur Eindämmung der Corona-Krise mehr.

"Es gibt jetzt keine spezifischen Vorgaben für die Öffnungszeiten mit Blick auf die Corona-Pandemie. Das gilt ab sofort", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am 19. Juni. Faktisch gelten damit wieder die gleichen Vorgaben für die Öffnungszeiten wie vor Beginn der Krise. Ein Schlupfloch für die Betroffenen. 

Cocktails, Straßenkunst und Livemusik: So sieht der Ersatz fürs Rosenheimer Herbstfest aus

Vor rund zwei Wochen bereits hatten sich Rosenheimer Nachtgastronomen zusammengetan und auf der Rosenheimer Loretowiese den "Gin-Garten" geöffnet. Mit Werbung vor allem über den Social Media Kanal Instagram fand das Konzept unter freiem Himmel schnell Resonanz. 

Es zeigte sich in den vergangen durchwachsenen Tagen aber auch, dass Biergärten vor allem eines sind: Extrem wetteranfällig.

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