Suche nach einem Endlager

Atommüll vor der Haustüre von Rosenheim? Eine bundesweite Studie alarmiert die Region

Gorleben: Im atomaren Zwischenlager hängt an einer Absperrung ein Schild mit der Aufschrift „Kontrollbereich Vorsicht Strahlung“
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ARCHIV - 11.12.2019, Niedersachsen, Gorleben: Im atomaren Zwischenlager hängt an einer Absperrung ein Schild mit der Aufschrift „Kontrollbereich Vorsicht Strahlung“. (Aufgenommen mit langer Verschlusszeit und Blitz)
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Harsche Reaktionen auf erste Überlegungen: Dass die Region geeignetes Gestein aufzuweisen scheint, um darin Atommüll zu lagern, stößt erwartungsgemäß auf wenig Begeisterung. Aus der CSU gibt es sogar die Drohung, die Pläne auf alle Fälle zu verhindern.

Rosenheim - Atommüll vor der Haustüre von Rosenheim? Eine Studie alarmiert die Region. Der „Zwischenbericht Teilgebiete“ der Bundesgesellschaft für Endlagerung zieht die Region zwischen Rosenheim und östlichem Ufer des Chiemsees in die Auswahl. 2031 soll die Entscheidung fallen. 

„Günstige Gesamtsituation“ für die Lagerung

„Die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien lässt daher insgesamt eine günstige geologische Gesamtsituation für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten.“ Dieser Satz lässt in der Region Rosenheim Alarmglücken schrillen. Denn er findet sich in einer Studie der Bundesgesellschaft für Endlagerung. Und die „günstige geologische Gesamtsituation“ gilt für weite Teile der Oberpfalz, Niederbayerns und des südlichen Oberbayerns. Genauer: für weite Teile des Landkreises Rosenheim. 

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In der Region mit ihrem Tertiären Tongestein sieht die Bundesgesellschaft für Endlagerung offenbar gute Voraussetzzungen für ein Endlager. Derartige Pläne hatte es bereits für das Fichtelgebirge im Nordosten mit seinem massiven Granitaufbau gegeben. Für den Landkreis Rosenheim sind die Überlegungen neu. 

Auswahl steht noch lange nicht fest

Allerdings ist damit noch keine Festlegung verbunden. Insgesamt wird mehr als die Hälfte des deutschen Gebiets als mehr oder weniger günstig eingestuft, 90 Teilgebiete sind es insgesamt.  Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist, wie aus dem „Zwischenbericht Teilgebiete“ hervorgeht, nicht in der Auswahl zu finden.

„Die bundesdeutsche Geologie ist von Nord bis Süd und von Ost bis West so günstig, dass wir mit Überzeugung sagen können, dass sich daraus der eine Standort mit der bestmöglichen Sicherheit für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle wird ermitteln lassen“, sagte Stefan Studt, Geschäftsführer der BGE, laut einer Pressemitteilung des Unternehmens. Studt versucht, die Wogen zu glätten. Mit der Nennung als Teilgebiet im Zwischenbericht sei „noch lange“ die Auswahl zum Endlagerstandort verbunden.

Landtagsabgeordneter Stöttner: „Null Ahnung von der Region“

Harsch fallen die Reaktionen in der Region aus.  „Unsere Gegend ist dafür nicht geeignet“, sagt kategorisch der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner. „Diese Liste ist politisch unfundiert, das sind katastrophale Ansätze“, sagt der Rosenheimer Abgeordnete auf die Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Wer das geschrieben hat, der hat Null Ahnung von der Region, er kennt ihre Bedeutung nicht, nicht ihre Kleinstrukturiertheit, nicht ihre Müllproblematik.“ In einem Tourismusgebiet sei so etwas ein Unding, sagte Stöttner, „ich werde alles tun, solche Überlegungen im Keim zu ersticken.“

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Auch Altöttings Landrat Erwin Schneider (CSU) gibt Rosenheim24 eine erste Stellungnahme ab: „Ich sehe diesen Zwischenbericht mit einer gewissen Gelassenheit. Laut einem Schaubild der Bundesgesellschaft für Endlagerung wären 54 Prozent der Fläche Deutschlands potentiell geeignet. Mit der Tatsache, dass kleinere Teile unserer Heimatregion als mögliche Endlagerstätte angeführt werden, ist noch längst keine Vorfestlegung auf einen Standort verbunden. Darüber hinaus bin ich mir sehr sicher, dass wir angesichts unserer Randständigkeit und Kleinheit bei den geeigneten Standorten bei den weiteren Präzisierungen sehr schnell wieder aus der Standortsuche herausfallen werden.“

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