Bewohner in Rosenheimer Asylunterkünften werden auf Corona getestet – und teils verlegt

+
  • Rosi Gantner
    vonRosi Gantner
    schließen

Großes Polizeiaufgebot in der Äußeren Oberaustraße im Westen von Rosenheim, später dann in der Kufsteiner Straße in der Stadtmitte: Um die Corona-Welle in den Griff zu bekommen, werden Reihen-Tests durchgeführt und ein Teil der Asylunterkunft geräumt.

Update 15. Mai, 18.30 Uhr: 

"Hotspot Rosenheim" soll kein Grund für Verlegung sein

Spekulationen, dass die Maßnahme damit in Verbindung stehen könnte, eine Entspannung der Infektionszahlen am Hotspot Rosenheim herbeizuführen, weist die Regierung von Oberbayern zurück. Auch die Stadt Rosenheim distanziert sich diesbezüglich ausdrücklich: „Es mag sein, dass damit der Eindruck entsteht, dass die Verlegung nur erfolgt, um die Zahl der Infizierten nach unten zu korrigieren. Aber diesen Schuh ziehen wir uns nicht an“, erklärte Sprecher Thomas Bugl auf Anfrage. Die Teilräumung habe die Regierung in eigener Entscheidung getroffen. 

In den Morgenstunden waren die betroffenen Bewohner über die Verlegung informiert worden. Sie hatten dann Zeit zu packen, um wenig später in BRK-Fahrzeugen (Infizierte) und im Großraumbus der Feuerwehr Rosenheim (Angehörige) in verschiedene Einrichtungen im oberbayerischen Raum – unter anderem in die Funk-Kaserne nach München – transportiert zu werden. Nach Aufhebung der Quarantäne sollen sie, so Regierungssprecherin Verena Gros, unverzüglich zurückverlegt werden. Im Einsatz waren neben Mitarbeitern der beteiligten Behörden (Regierung, Gesundheitsamt, Stadt) etwa 180 Einsatzkräfte der Polizei, darunter jede Menge Kräfte der Bereitschaftspolizei. Wobei erste Polizeikräfte bereits seit dem Vorabend in der Äußeren Oberaustraße präsent waren, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf Nachfrage bestätigte – zur Sicherung der Quarantänemaßnahmen, wie es offiziell heißt. Nach Informationen unserer Zeitung soll es allerdings bereits am Vorabend zu Unruhe in der Sammelunterkunft gekommen sein. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte das Gesundheitsamt angekündigt, dass die Quarantäne um weitere 14 Tage verlängert werden soll.

+++

Update 17.30 Uhr: 

Nächster Einsatz in der Kuftsteiner Straße

In den Nachmittagsstunden folgte bereits der nächste Einsatz in einer Asylunterkunft, gepaart mit jeder Menge Polizei und Einsatzkräften: In der Einrichtung Kufsteiner Straße 78, betrieben von der Stadt Rosenheim, wurde eine Reihentestung durchgeführt – die dritte dieser Art in dieser Unterkunft. Sie finden nach Angaben von Stadtsprecher Thomas Bugl inzwischen in regelmäßigen Abständen statt, um einen Überblick über das Infektionsgeschehen in den Einrichtungen zu erhalten. 

Aktuell sind in der Unterkunft Kufsteiner Straße, die nach wie vor unter Quarantäne steht, 48 Personen untergebracht, 16 galten zuletzt als infiziert, sieben als genesen. Hinzu kommen die neuen Testergebnisse, die die Stadt am Donnerstag, 14. Mai, erwartet. Entspannt hat sich indes die Situation in der Sammelunterkunft Karlsbader Straße 8, in der 49 Personen leben. 18 galten als infiziert, sie sind Bugl zufolge inzwischen genesen; die Quarantäne ist aufgehoben. 

In der dritten städtischen Einrichtung, in der Zugspitzstraße 20, sind derzeit 15 Bewohner in Quarantäne. Elf Personen sind positiv getestet, wobei zehn als genesen registriert sind. Die für die verbliebenen fünf endet die Quarantäne laut Bugl am kommenden Montag. Entwarnung kann Bugl hinsichtlich der Krankheitsverläufe der Covid-19-Erkrankten geben: Allesamt seien vergleichsweise milde verlaufen, kein einziger habe sich in stationäre Behandlung geben müssen. „Wir hatten keinen schweren Verlauf.“ Betroffen waren seinen Worten zufolge in den städtischen Einrichtungen überwiegend junge Männer. In der Gemeinschaftsunterkunft Äußere Oberaustraße waren seinen nach Informationen aber auch Kinder unter den Infizierten.

+++

Update 12.20 Uhr: 

Gemeinsame Pressemeldung der Regierung von Oberbayern, des Landkreises Rosenheim, der Kreisfreien Stadt Rosenheim und des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 

Bewohner von zwei Gemeinschaftsunterkünften werden vorübergehend verlegt 

ROSENHEIM. In den frühen Morgenstunden des 13. Mai 2020 wurden insgesamt 58 Bewohner aus zwei von der Regierung von Oberbayern betriebenen Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber vorübergehend verlegt. Die Maßnahmen vor Ort erfolgten in enger Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt des Landkreises Rosenheim sowie der Stadt Rosenheim. Unterstützt wurden die Maßnahmen von zahlreichen Kräften der Polizei unter der Einsatzleitung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. 

Die Umverlegung verlief ohne besondere Vorkommnisse. 

Infektionen trotz Quarantäne

Insgesamt wurden 21 Bewohner positiv auf das Corona-Virus getestet. Weitere 37 Bewohner gehören zu mehreren Familienverbünden und werden deshalb in enger Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt in zwei andere Unterkünfte für die Dauer der häuslichen Quarantäne verlegt. Die Verlegung wurde erforderlich, weil wiederholt Infektionsfälle auftraten, obwohl für die Unterkunft bereits Quarantäne angeordnet war. Die Maßnahme ist angezeigt, um weitere Ansteckungen zu unterbinden und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Quarantäne für die betroffenen Kontaktpersonen in absehbarer Zeit beendet werden kann. 

Die jetzt verlegten Bewohner werden unverzüglich nach Aufhebung der Quarantäne wieder zurückverlegt. Das Gesundheitsamt hat für die in den Unterkünften verbliebenen Bewohner vorsorglich eine Reihentestung angeordnet und die Quarantänemaßnahmen verlängert. Die Versorgung aller unter Quarantäne stehenden Personen wird durch ein von der Regierung von Oberbayern organisiertes Catering sichergestellt. Ebenso ist die medizinische Betreuung gewährleistet. 

Sicherheitsdienste kontrollieren Einhaltung

Die Einhaltung der Quarantäneanordnungen wird jeweils durch einen Sicherheitsdienst sichergestellt. Bei den Unterkünften, in die die betroffenen Bewohner verlegt wurden, handelt es sich um Unterkünfte, die ausschließlich für derartige Quarantänemaßnahmen vorgehalten werden. In den beiden betroffenen Unterkünften waren vor der Abverlegung rund 170 Personen untergebracht. Alle Entscheidungen zum weiteren Vorgehen werden in enger Abstimmung zwischen der Regierung von Oberbayern und den zuständigen Behörden von Stadt und Landkreis Rosenheim getroffen. Unterstützt wurden die zuständigen Behörden in Form der Amtshilfe von Einsatzkräften der Polizei unter der Leitung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Zum Einsatz kamen auch Kräfte der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Die Umverlegungsmaßnahmen verliefen ohne besondere Vorkommnisse. Die betroffenen Bewohner verhielten sich kooperativ und ruhig.

+++

Update 11 Uhr: 

"Chemiedusche" nach dem Einsatz

Die Teilräumung der Asylunterkunft an der Äußeren Oberaustraße in Rosenheim ist inzwischen abgeschlossen. Die 21 positiv getesteten Bewohner wurden in BRK-Fahrzeugen weggefahren. 

Für die Familienangehörigen der betroffenen Bewohner stand der Großraumbus der Feuerwehr Rosenheim zur Verfügung. Sie werden ebenso in andere Unterkünfte im Raum Oberbayern verlegt. Zum Abschluss erfolgte noch eine spektakuläre Aktion: Sämtliche Polizeibeamte, die an der Verlegung beteiligt waren, mussten sich einer „Chemiedusche“ unterziehen. Sie wurden in voller Montur mit einer Desinfektionsflüssigkeit abgeduscht – und durften erst nach der Prozedur die Schleuse verlassen.

+++

Erstmeldung 10 Uhr: 

Verlegung in andere Unterkünfte

Rosenheim – Insgesamt 54 Bewohner der Sammelunterkunft werden auf andere Unterkünfte im Raum Oberbayern verteilt. Dabei handelt es sich um 21 positiv getestete Bewohner und deren Familienangehörige. Die Verlegung erfolgt unter Federführung der Regierung von Oberbayern, die die Unterkunft betreibt. 

Coronakrise in der Region: Hier geht es zum Nachrichtenticker

Rettungsdienst und Feuerwehr verlegen die Bewohner

Die Stadt Rosenheim distanziert sich indes ausdrücklich von der Aktion. „Es mag sein, dass damit der Eindruck entsteht, dass die Verlegung nur erfolgt, um die Zahl der Infizierten nach unten zu korrigieren. Aber diesen Schuh ziehen wir uns nicht an“, erklärt Sprecher Thomas Bugl auf Anfrage.

180 Polizisten kontrollieren Asylbewerber:  OVB-Reporter begleitet den Großeinsatz in den Flüchtlingsunterkünften im Rosenheimer Aicherpark

Die ersten Bewohner wurden bereits mit BRK-Rettungswagen in neue Unterkünfte gebracht. Für die übrigen Bewohner wurde nun der Omnibus der Feuerwehr Rosenheim angefordert.

Kommentare