Besucher in Seniorenheimen

Rosenheim: 841 Mal das Weihnachtsfest gerettet – Per Corona-Schnelltests Besuche in Altenheimen

Michael Werner von der Bergwacht in Brannenburg bei einem Test. Vorab wurde er von einem Arzt in der Technik des Abstrichnehmens geschult.
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Michael Werner von der Bergwacht in Brannenburg bei einem Test. Vorab wurde er von einem Arzt in der Technik des Abstrichnehmens geschult.
  • vonJohannes Thomae
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Brannenburg, erster Weihnachtsfeiertag, 7 Uhr morgens. Der Ort schläft noch, alles ist dunkel, so gut wie kein Auto auf der Straße, nur im Bergwachthaus an der Sudelfeldstraße herrscht schon reger Betrieb. Sie helfen, dass Senioren in Heimen an den Festtagen Besuch bekommen können.

Brannenburg – Ein Team von 16 Bergwachtlern bereitet sich auf den Test-Tag vor, denn auch in Brannenburg wurden über die Weihnachtsfeiertage Corona-Schnelltests durchgeführt. Sie sollten es ermöglichen, dass Bewohner von Senioren-und Pflegeheimen auch über die Festtage von ihren Angehörigen besucht werden können.

Kein Einlass ohne Ergebnis

Das wäre ohne die Schnelltests für viele so gut wie unmöglich gewesen, denn in die Einrichtungen kommt nur hinein, wer einen gültigen Test vorzuweisen hat. Das aber heißt, dass die von den Ärzten und Testzentren durchgeführten PCR-Tests nicht älter als 96 Stunden sein dürfen; die normalerweise geltende 72-Stundenfrist war vom Gesundheitsministerium über Weihnachten um einen Tag verlängert worden. Das Problem dabei: Viele Arztpraxen schlossen schon ab Mittwochnachmittag. Selbst wer also noch am Dienstagvormittag einen Testtermin ergattert hätte und am Mittwoch noch rechtzeitig den Nachweis bekam, „corona-frei“ zu sein, hätte nur am Freitag, dem ersten Weihnachtsfeiertag, Mutter oder Vater im Seniorenheim besuchen können: Der Sonntag wäre sicher ausgefallen, der Samstag wahrscheinlich, denn viele Heime haben Besucher nur am Nachmittag zugelassen – dann aber wären die 96 Stunden schon abgelaufen gewesen.

Zwölf Stationen in Stadt und Landkreis

Um hier Abhilfe zu schaffen, hatten Gesundheitsministerium und das Bayerische Rote Kreuz kurzfristig die Idee der Weihnachts-Teststationen entwickelt, bei denen die Schnelltests, für die normalerweise um die 50 Euro fällig werden, auch noch kostenfrei durchgeführt wurden. Bayernweit gab es 180 Teststationen, in Stadt und Landkreis Rosenheim waren es zwölf, an denen insgesamt 323 ehrenamtliche Helfer im Einsatz waren.

Durchaus eine logistische Herausforderung, wie Markus Neef, der stellvertretender BRK-Bereitschaftsleiter von der Teststation in der Rosenheimer Tegernseestraße erläutert.

Ausgestattet mit Schutzanzügen

Denn es mussten binnen zehn Tagen nicht nur die Örtlichkeiten gefunden und eingerichtet werden, sondern auch die nötige Ausrüstung – von den Stäbchen für die Abstriche bis zu den Schutzanzügen, Handschuhen und Masken – verteilt werden. Vor allem aber mussten die örtlichen Teams geschult werden, denn Abstriche darf nur machen, wer von einem Arzt eingewiesen wurde. Das Personal dafür zu finden, war dagegen kein Problem: Die 35 Frauen und Männer, die zum Beispiel in Brannenburg über die drei Weihnachtstage hinweg Dienst taten, waren schnell aus den ehrenamtlichen Einsatzkräften von der Brannenburger Bergwacht und den Wasserwachten aus Flintsbach und Oberaudorf rekrutiert, wie Leonhard Pichler, einer der beiden stellvertretenden Bereitschaftsleiter in Brannenburg berichtet.

Für die Einsatzleiter in den zwölf Teststationen an jedem der drei Testtage dieselbe Morgenroutine: Zunächst die Eigentests, dann die Einweisung der an diesem Tag neuen in den Ablauf. Hier erklärt Leonhard Pichler von der Bergwacht Brannenburg den Umgang mit den Teststreifen.

Auch in Rosenheim, so Markus Neef, war an Freiwilligen kein Mangel, und Christoph Brandl der am ersten Feiertag in Brannenburg bei der Auswertung der Teststreifen eingesetzt war, brachte es auf den Punkt: „Das ist ein Einsatz, bei dem man anderen unmittelbar helfen kann. Und genau dafür bin ich bei der Bergwacht“.

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Das Erlebnis, helfen zu können, war für alle Ehrenamtlichen denn auch wirklich direkt greifbar: Alle, die zum Testen kamen, waren durch die Bank heilfroh und mehr als dankbar für diese Möglichkeit. Zum Beispiel Barbara Soul aus München. Sie wollte möglichst oft ihren Bruder besuchen, der nach einem Krankenhausaufenthalt erst kürzlich wieder in sein Pflegeheim, das nicht in Brannenburg, sondern anderswo im Landkreis liegt, zurückgekehrt war. „Natürlich versucht man, täglich im Heim anzurufen“, sagt sie, „aber man merkt allein schon von den Hintergrundgeräuschen, dass das Personal dort derzeit am Limit arbeitet“.

Barbara Soul steht mit ihrem Bruder Alexander für alle der 841 Getesteten: Sie sind mehr als dankbar für die Möglichkeit, sich gerade an Weihnachten sehen zu können.

Personal kommt an die Grenze des Möglichen

Da sei verständlicherweise einfach nicht die Zeit für längere Gespräche, die wirklich Aufschluss darüber gäben, wie es ihrem Bruder im Moment gehe. „Deshalb bin ich für die Möglichkeit, ihn auch über die Weihnachtstage selbst besuchen zu können, wirklich unheimlich dankbar“. Ähnlich der Fall auch eines Herrn, der sich in Rosenheim testen ließ. Auch er berichtet davon, dass das Personal der Einrichtung wirklich Hervorragendes leiste, aber gerade jetzt an den Feiertagen mittlerweile langsam an die Grenze seiner Möglichkeiten komme.

Dann passiere es eben einfach einmal wie bei seinem Vater, dass Brille und Hörgerät außer Reichweite lägen, sein Vater damit aber faktisch so gut wie blind und taub sei. „Da ist es für mich eine ungeheure Beruhigung, dass ich dank des Tests hier auch über die Feiertage selbst nach ihm schauen kann“.

Zum Wohle der Menschen

Fast noch wichtiger für die Bewohner der Heime, gerade an Weihnachten, der soziale Kontakt an sich. Ein Punkt, über den sich alle, die sich in den Teststationen einfanden, einig waren: Man sähe in den Heimen, so konnte man immer wieder hören, dass diejenigen, die länger keinen Besuch mehr bekämen, rapide abbauten. „Und wenn jetzt auch an Weihnachten niemand kommt“, so Beate Zeif, die sich in Rosenheim testen ließ, „und die Leute zunehmend traurig und depressiv in ihren Zimmern sitzen – das wäre dann richtig schlimm und muss ja auch für die Leute, die dort arbeiten, furchtbar belastend sein“.

Sozialer Kontakt für die Menschen wichtig

„Die Aktion“, so meint deshalb Markus Neef von der Rosenheimer Bereitschaft, „also wirklich den Einsatz wert und insgesamt ein voller Erfolg. Nicht nur weil wir vom Roten Kreuz zeigen konnten, dass wir logistisch einwandfrei aufgestellt sind, sondern vor allem, weil wir wirklich vielen unmittelbar helfen konnten“. In der Tat: 841 kamen in Stadt und Landkreis zum Testen, für alle der 323 Ehrenamtlichen die Gewissheit, 841 Mal ein Weihnachtsfest gerettet zu haben.

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