95 Covid-Patienten

Grenzen der Kapazität: Klinikverbund im Raum Rosenheim hat nicht mehr viele Intensivbetten

Lichtblick an Weihnachten? Im Landkreis Mühldorf geht man von einem Impfbeginn am 23. Dezember aus. Bewohner und Personal von Altenheimen sollten mit als erste geimpft werden.
+
Lichtblick an Weihnachten? Im Landkreis Mühldorf geht man von einem Impfbeginn am 23. Dezember aus. Bewohner und Personal von Altenheimen sollten mit als erste geimpft werden.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
    schließen

Wochen der Entscheidung in der zweiten Welle der Pandemie: Experten befürchten einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen um Weihnachten herum. Eine Dynamik, die auch den Romed-Klinikumsverbund an die Grenzen seiner Kapazitäten bringen könnte.

Rosenheim - Kann die Situation eintreten, dass man die Behandlung eines Patienten von seinen Überlebenschancen abhängig macht? Dass Ärzte also Triage anwenden? In Rosenheim erscheint dies undenkbar. Noch gibt es zum Beispiel freie Intensivbetten.

Aber auch am Romed-Klinikum schaut man mit Sorge auf die hohen Infektionszahlen. Geschäftsführer Jens Deerberg-Wittram warnte im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen, dass man von den Grenzen der Kapazitäten „nicht mehr superweit entfernt“ sei.

+++ Bleiben Sie auf dem Laufenden mit dem Corona-Newsticker der OVB-Heimatzeitungen +++

Zahl der Coronafälle stieg schon auf über 100

Im Klinik-Verbund behandelte man am Donnerstag 95 Covid-Patienten, 82 bestätigte Fälle und 13 Verdachtsfälle. 13 Patienten werden nach Auskunft von Sprecherin Johanna Kaffl intensiv behandelt.

Die Zahl markiert nicht die Grenze der Romed-Kapazität. Doch allzu viel fehlt nicht mehr. Wenn man angesichts der Anstiegen in den vergangenen Wochen irgendwann bei 110 Covid-19-Erkrankten sei, an Weihnachten vielleicht sogar bei 130 Krankheitsfällen - „dann sind wir an dem Punkt, an dem wir sagen, das können wir definitiv nicht mehr schaffen“, sagte Jens Deerberg-Wittram, Geschäftsführer des Romed-Klinikumsverbunds.

Wie nah die Region an der kritischen Marke wandelt, konnte man unter der Woche sehen, als die Zahl der Covid-19-Fälle am Klinikum an einem Tag auf über 100 stieg. „Die Situation ist schwierig, weil es keine eindeutige Dynamik gibt“, sagt Jens Deerberg-Wittram.

So viel allerdings steht fest: Seit Beginn der zweiten Pandemie-Welle gab es für die Kurve mittelfristig nur eine Richtung - nach oben. Dass es wie in den überlasteten Krankenhäusern in Augsburg zu Umverlegungen von Patienten in Krankenhäuser in weniger betroffenen Regionen kommen kann, erscheint nicht mehr absolut undenkbar.

Ausnahme für infizierte Pfleger

Derzeit seien die Kapazitäten - gemeint sind betriebsbereite Beatmungsplätze - auf den Intensivstationen „gut ausgelastet, aber noch nicht erschöpft“, sagt Landratsamtssprecherin Ina Krug.

Wie ernst die Lage ist, belegen aber die Ausnahmegenehmigungen für für den Einsatz von Personal, den eine Weisung des Gesundheitsministeriums ermöglicht. Unter strengsten Auflagen und in absoluten Ausnahmefällen sei infizierten, aber symptomfreien Pflegern die Genehmigung erteilt worden, ebenfalls Covid-infizierte Patienten zu pflegen. Zwölfmal seien solche Ausnahmen genehmigt worden.

Acht Tote innerhalb von 24 Stunden

Während die Zahlen der an oder mit Corona gestorbenen Toten steigt - allein von Mittwoch auf Donnerstag wurden dem Robert-Koch-Institut in der Stadt Rosenheim ein und im Landkreis sieben Todesfälle gemeldet -, klammern sich viele Menschen an die Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff. Er soll noch vor Weihnachten zugelassen werden, hieß es jüngst. Seit Dienstag steht auch das Impfzentrum bereit, das Stadt und Landkreis in der Inntalhalle an der Loretowiese eingerichtet haben.

Die Zulassung eines Impfstoffs bedeutet nicht automatisch den Startschuss für das Impfzentrum, das auf 750 Impfvorgänge vorbereitet ist. Zuerst schwärmten mobile Impfteams aus, sagt Christian Schwalm, Sprecher der Stadt Rosenheim. Sie impften in Heimen oder in den Wohnungen die „vulnerablen“ Gruppe, also etwa die besonders anfälligen Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen.

Wann es jedoch so weit ist, weiß man auch bei der Stadtverwaltung noch nicht. Ein Termin für eine Anlieferung des impfstoffs sei noch nicht bekanntgegeben worden, sagt Schwalm.

Situation im Landkreis Mühldorf

Bei den Nachbarn in Mühldorf - dort befindet sich das Impfzentrum in einem alten DM-Markt - richtet man sich hingegen auf den 23. Dezember ein. „Dann ist Licht am Ende des Tunnels“, sagte Landrat Maximilian Haimerl den OVB-Heimatzeitungen.
Polizei mit Disziplin zufrieden

Die Sieben-Tage-Inzidenzlag bei Stadt und Landkreis Rosenheim in den vergangenen Tagen hochgerechnet auf 100.000 Einwohner zuverlässig bei über 200 Neuinfektionen. Am Donnerstag, lautete die Zahl laut Robert-Koch-Institut bei 214 für die Stadt und 210 für den Landkreis.

Ausgangssperre im Raum Rosenheim

Die Zahlen sind besorgniserregend hoch, anders als die Anzahl der Verstößen gegen Ausgangssperre und andere Beschränkungen. Nach Auskunft der Polizei halten sich die Menschen in der Region weitgehend an verschärften Corona-Regeln.

In der freien Kreisstadt Rosenheim habe die Polizei in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag elfmal Menschen wegen der Ausgangssperre kontrolliert, ein Vorfall sei angezeigt worden, meldete Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Im Landkreis erbrachten 37 Kontrollen der Pollizei hingegen kein einziges Bußgeldverfahren. Im gesamten südlichen Oberbayern habe es 246 Kontrollen wegen des Verdachts auf Übertretungen der Ausgangssperre gegeben, 14 Vorfälle habe die Polizei eingereicht. Kontrollen wegen Einhaltung der Höchstzahl von Personan und der Maskenpflicht gab es 1500, 43 Verstöße seien festgestellt worden.

Verstoß gegen Ausgangssperre kostet 500 Euro

„Es handelt sich um relativ geringe Zahlen, das freut uns sehr“, sagt Stefan Sonntag. Er macht für die verhältnismäßig gute Disziplin etwa bei der nächtlichen Ausgangssperre eine Mischung aus Einsicht und Sparksamkeit verantwortlich: Eine Buße von 500 Euro, wenn man nächtens zwischen 21 und 5 Uhr ohne triftigen Grund draußen angetroffen werde, das schrecke dann doch den einen oder anderen.​

Kommentare